Ein neues Wandergefühl mit Galileo

Galileo bringt neue Dienste
28 Juli 2006

Für das 2010 in Betrieb gehende europäische Satellitennavigationssystem Galileo werden bereits heute neue kreative Anwendungen entwickelt. So erprobt die österreichische Telesis zusammen mit weiteren Unternehmen aus Österreich und Deutschland ein satellitengesteuertes Informationssystem für Wanderer in den Tiroler Bergen.

Das Satellitennavigationssystem Galileo gilt nach Airbus und Ariane als das wichtigste und ehrgeizigste europäische Technologieprojekt in den kommenden Jahren. Die Investitionen sollen europaweit mehr als 100 000 neue Arbeitsplätze schaffen. Diese entstehen nach übereinstimmender Meinung der Experten vor allem bei den angebotenen Dienstleistungen. Hier liegen also nicht nur die großen Chancen, hier werden auch die besten Ideen erwartet.

Elektronische Anzeigetafel in der Hosentasche

Holzkultur Hittisau - Eine Anwendung von t-guide

Solche Ideen werden in Zukunft auch den Tourismus revolutionieren. So entwickeln deutsche und österreichische Spezialisten unter dem Namen t-guide eine elektronische Hinweistafel für die Hosentasche. Sie soll vor allem in touristischen Regionen, wie den Alpen, für Wanderer eingesetzt werden. T-guide arbeitet noch mit der Telefonverbindung des Handys oder einen mp3-Player und bietet verschiedene attraktive Anwendungen in den Alpen an.
Für die künftige standortbezogene Nutzung werden ein PDA (Personal Data Assistant) oder ein Handy mit integriertem Navigationssystem, das Galileo-Signale empfangen kann, genügen. Auf dieses Gerät kann sich der interessierte Tourist über das Internet oder über Ladestationen bei den örtlichen Tourismusbüros die für das qualitativ neue Wandererlebnis nötige Software laden.

Zu Beginn einer Wanderung wird das Programm gestartet und die elektronische Hinweistafel in der Hosentasche liefert nun punktgenau Informationen. Denn der Standort des Wanderers wird ständig ermittelt und beim Erreichen bestimmter geografischer Koordinaten auf der Wanderroute geben Handy oder PDA multimediale Daten – also Text, Sprache, Bilder oder kleine Videos – zur Natur- oder Kulturlandschaft aus. Das können am jeweils erreichten Standort beispielsweise besondere Sehenswürdigkeiten oder die Namen von Bergen und Tälern sein. Es können aber auch weitere Informationen zu Hotels, Unterkünften, Gaststätten, kulturellen Veranstaltungen angeboten sowie auf aktuelle Gefahrenzonen hingewiesen werden.

In Vorarlberg hat die Zukunft schon begonnen

Die Idee für das unter dem Namen LOCCATA laufende Projekt stammt vom Informatikinstitut OFFIS Oldenburg in Deutschland sowie von der Telesis Entwicklungs- und Management GmbH Alberschwende, einer in der österreichischen Region Vorarlberg ansässigen Firma. Dort hat die Zukunft schon begonnen. Mit weiteren lokalen Partnern aus der Tourismusindustrie wurden Informationen zum kulturhistorischen Dorfwanderweg Gaschurn im Gebiet Montafon an der schweizerischen Grenze zusammengestellt. Derzeit ist der Abruf nur über ein mobiles Telefon unter einer bestimmten Rufnummer und zu lokalen Gesprächsgebühren möglich.
Im nächsten Schritt wird die Erprobung unter Verwendung des vorhandenen GPS-Signals erweitert, um dann in der Endphase die Nutzung des noch genaueren Galileo-Signals zu integrieren.
Die Handy- oder PDA-Software ist speicherplatzsparend ausgelegt. Sie lädt erst bei der Anmeldung bei einem zentralen Server die für die gewünschte Route verfügbaren Koordinaten und die dazugehörigen Informationen herunter.

Während im OFFIS Oldenburg die Software entwickelt wird, kümmert sich die Telesis GmbH um das so genannte Content Management, also um den Server mit den gespeicherten Informationen. Dazu gehört die Aufbereitung und Aktualisierung der Daten in einem „grafischen Informationssystem“ (GIS) und deren Aufnahme in den Server.
Das Projekt wird im Rahmen der Galileo Joint Undertaking Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im 6. Forschungsrahmenprogramm gefördert

Die Vorteile des Informationssystems beschreibt Prof. Susanne Boll vom OFFIS Oldenburg: „Das Projekt LOCCATA eröffnet eine neue Dimension in der Informationsvermittlung. Mit dem Satellitensystem Galileo wird man den Standort metergenau bestimmen können und den Wanderern bisher nicht verfügbare Informationen über die Region punktgenau anbieten.“

Für weitere Informationen stehen zur Verfügung:

Franz Rüf
Telesis GmbH
Telesis @telesis.at

Jochen Meyer
OFFIS
Jochen.Meyer @offis.de

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