Erfolgreicher Missionsabschluss für das ATV Edoardo Amaldi

4 Oktober 2012

„Edoardo Amaldi", das dritte automatische Transferfahrzeug (ATV) der ESA, schloss gestern mit dem kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und dem Verglühen über einem unbewohnten Gebiet des Südpazifik den letzten Teil seiner äußerst gelungenen sechsmonatigen Mission zur Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS) ab.

Die ATV sind die technisch anspruchsvollsten Raumfahrzeuge, die je in Europa entwickelt wurden, und zugleich die größten und leistungsfähigsten Frachttransporter, die an der ISS andocken. Mit einem Gesamtgewicht von mehr als 20 Tonnen beim Start sind sie darüber hinaus die schwersten Raumfahrzeuge der Welt.

Kuipers unloading priority cargo from ATV-3
Astronaut André Kuipers beim Entladen des ATV-3

Sie zeichnen sich durch eine unübertroffene Transportkapazität für Fracht und Treibstoff aus und können als Antriebsmodul zur Bahnanhebung der 400 Tonnen schweren ISS und für Manöver zum Ausweichen der Raumstation vor Weltraumtrümmern eingesetzt werden.

Während seiner Mission lieferte das ATV „Edoardo Amaldi“ den Astronauten in der Erdumlaufbahn fast sieben Tonnen Treibstoff, Sauerstoff, Luft und Wasser, sowie wissenschaftliches Gerät, Ersatzteile, Kleidung und Nahrung. Die Trockenfracht bestand aus über hundert Paketen in acht Nutzlastschränken – zwei Schränke mehr als bei der vorherigen ATV-Mission.

ATV-3

Das ATV-3 wurde am 23. März mit einer Ariane-5-Trägerrakete in den Orbit gebracht und dockte fünf Tage später an der Raumstation an.

Die automatischen Transferfahrzeuge führen alle Manöver einschließlich des automatischen Andockens unter der genauen Überwachung des gemeinsam von der ESA und dem CNES (Centre National d'Etudes Spatiales) betriebenen ATV-Kontrollzentrums in Toulouse, Frankreich, durch.

ATV-3 und Raumstation ISS

Bisher sind die ATV und die russischen Progress und Sojus die einzigen Raumfahrzeuge, die mit integrierter Redundanz eigenständig an der Station andocken können.

Während das ATV-3 mit der Raumstation gekoppelt war, zündete es neunmal seine Triebwerke, um dem atmosphärischen Widerstand entgegenzuwirken und die Raumstation in ihrer Bahn zu halten. Ohne die Bahnanhebungsmanöver mit den ATV oder den russischen Progress-Fahrzeugen würde die ISS mit der Zeit absinken und auf die Erde fallen.

Der achte Antriebsschub des ATV-3 am 22. August dauerte 40 Minuten (nahezu eine halbe Umrundung des Erdballs) und hob die Station in eine Rekordhöhe von 405-427 km über der Erde.

Während der sechs Monate, die das ATV-3 an die Raumstation gekoppelt war, bot es den Astronauten 48 Kubikmeter zusätzlichen Raum. Vor seiner Abkopplung wurde das Modul mit Abfall beladen.

ATV-4 "Albert Einstein" bei seiner Ankunft in Kourou

Der europäische Raumstransporter trennte sich am 28. September von der ISS und begab sich nach kurzem freien Flug in seine sichere Rückflugbahn. Das mit Abfall beladene ATV verglühte um 03:30 MESZ gefahrlos in der oberen Schicht der Erdatmosphäre.

Sein Nachfolger, das ATV-4 mit Namen „Albert Einstein“, hält sich schon jetzt für die nächste Nachschubmission zur Internationalen Raumstation bereit. Es traf am 19. September per Schiff an Europas Raumflughafen in Kourou, Französisch-Guayana, ein und soll im April 2013 starten.

Das fünfte ATV, „Georges Lemaître“, wird derzeit montiert. Sein Start ist für April 2014 vorgesehen.

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