Europäisches Institut für Weltraumpolitik entsteht in Wien

Die Donaumetropole Wien aus dem Kosmos
Die Donaumetropole Wien aus dem Kosmos
28 Februar 2003

Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat beschlossen, ein European Space Policy Institute (ESPI) in Wien einzurichten. Die Donaumetropole wird damit Sitz einer Einrichtung, die für die Zukunft Europas im All von grosser Bedeutung ist. Das neu gegründete ESPI soll Forschungseinrichtungen vernetzen, Langzeitstrategien zur Positionierung Europas in der Raumfahrt entwickeln und allgemeine Fragen der Weltraumpolitik erörtern.

ESPI soll in den kommenden Jahren zu einer mit Spitzenwissenschaftlern besetzten Einrichtung mit dem Status einer internationalen Organisation ausgebaut werden. Als unabhängige Einrichtung hat es die Aufgabe, Beratung und Entscheidungshilfe bei der Festlegung weltraumpolitischer Strategien zu bieten. Das ESPI soll quasi als „Denkfabrik“ für die strategische Ausrichtung der europäischen Raumfahrtindustrie und Weltraumpolitik fungieren. Die Vision ist „eine Art Rat der Weisen der Weltraumstrategie“, so Dr. Jakob von der Österreichischen Weltraumagentur ASA.

Besonderes Gewicht erhält das ESPI vor dem Hintergrund des am 27. Januar vorgestellten Grünbuchs der EU-Kommission zur europäischen Raumfahrtpolitik. Das Dokument wurde in Zusammenarbeit mit der ESA erstellt. Es soll eine Debatte über die mittel- und langfristige Nutzung der Raumfahrt im Interesse Europas sowie über die Raumfahrtpolitik Europas einleiten.

Geburt einer Organisation

Das im entstehen begriffene ESPI ist derzeit noch in den Räumlichkeiten der Österreichischen Weltraumagentur ASA untergebracht. Das Institut soll in zwei Phasen errichtet werden. In der ersten Phase, die gegenwärtig läuft, werden die Organisationsstrukturen der Einrichtung entwickelt. Ein „Search Committee“ wählt derzeit die künftige Führungsmannschaft aus. Ende März beginnt dann die zweite Implementierungsphase: Die Direktion ist benannt, das ESPI bezieht eigene Büros und wird ausgebaut. Die Stadt Wien hat dazu mehrere Gebäude zur Auswahl gestellt.

Standortvorteil Wien

Wien ist aus mehreren Gründen als Sitz des ESPI besonders geeignet. Ein Grund ist die internationale Anbindung: Die Donaumetropole ist nach New York und Genf das dritte Zentrum der Vereinten Nationen, die hier mit zahlreichen Einrichtungen vertreten sind. Unter anderem hat das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen (OOSA) seinen Sitz in Wien. Auch aufgrund ihrer geopolitischen Lage ist die Donaumetropole prädestiniert. Die geographische Nähe zu den EU-Beitrittsländern und den übrigen mittel- und osteuropäischen Ländern kann sich in Zukunft für die Entwicklung europäischer Strategien als vorteilhaft erweisen.
Und schließlich ist Österreich ein Lieferant von Hightech-Lösungen für die europäische Raumfahrt, vor allem in den Bereichen Elektronik, Software, Mechanik und Materialentwicklung. Viele ESA-Projekte bauen auf Hochtechnologien aus der Alpenrepublik, wie beispielsweise die für 2012 vorgesehene GAIA-Mission zur Kartografierung des Himmels oder das satellitengestützte Laserinterferometer LISA zur Detektion von Gravitationswellen, das 2011 ins All starten soll.

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