Europas neuer Botschafter im All (Special)

27 Mai 2014

Er ist Wissenschaftler, Abenteurer und Sympathieträger zugleich: ESA-Astronaut Alexander Gerst soll am 28. Mai mit Sojus TMA-13M als elfter Deutscher ins All fliegen und 166 Tage auf dem Außenposten der Menschheit leben, forschen und Unbekanntes entdecken.

Seine Mission heißt „The Blue Dot“ – Der blaue Punkt. Der Name erinnert an das berühmte Foto, das die NASA-Raumsonde Voyager 1 vor mehr als zwei Jahrzehnten aus den äußeren Regionen des Sonnensystems vom Heimatplaneten machte. Die Erde erscheint darauf als kleiner blasser blauer Punkt, der sich vom tiefen Schwarz des Alls als Oase des Lebens abhebt und gleichermaßen fragil und schützenswert ist.

Feuriger Nachtstart

Verläuft alles nach Plan, hebt die Trägerrakete Sojus-FG mit dem an der Spitze befindlichen Raumschiff Sojus TMA-13M am 28. Mai 2014 um 21.56 Uhr MESZ vom legendären Startplatz 1 des Kosmodroms Baikonur (Kasachstan) ab. Ein geschichtsträchtiger Ort, denn von hier startete am 12. April 1961 der erste Mensch ins All: Juri Gagarin.

Nachtstarts sind etwas Besonderes, schon wegen des feurigen Farbspiels der aufsteigenden Trägerrakete am pechschwarzen Nachthimmel der kasachischen Steppe. Der rot-gelb-weiße Feuerstrahl der Triebwerke taucht das Startgelände in gleißende Helligkeit. Schade, dass dieses Naturschauspiel keine Zugaben erlaubt.

Nach der Kopplung ist die ISS-Crew komplett

Die Expedition 40/41 (v.l.): Alexander Gerst, Maxim Surajew, Reid Wiseman während der Abschlussprüfungen

An Bord des Raumschiffes befindet sich die aus dem russischen Kommandanten Maxim Surajew (42, 2. Flug) und seinen beiden Erstfliegern, den Bordingenieuren Gregory Wiseman (USA, 38) und Alexander Gerst (ESA/D, 38) bestehende Crew. Nur vier Erdumkreisungen müssen sie zurücklegen. Dann haben sie schon nach einem rund sechsstündigen Flug ihr Ziel in 410 Kilometern Höhe erreicht. Jetzt folgt eine der kritischsten Phasen der Mission, die Kopplung. Sollte sie automatisch nicht möglich sein, dockt der Kommandant per Handsteuerung an die Station an.

Die drei Neuankömmlinge werden von der dreiköpfigen ISS-Stammbesatzung um Kommandant Steven Swanson (USA, 3. Flug), Alexander Skworzow (Russland, 2. Flug) und Oleg Artjomjew (Russland, 1. Flug) bereits sehnsüchtig erwartet. Damit erreicht die Expedition 40 ihre Sollstärke von sechs Mitgliedern.

Höhepunkte der Blue Dot-Mission

Alexander Gerst: Mission to the ISS

Im Rahmen der ISS-Expeditionen 40 und 41 wird Alexander Gerst sechs Monate lang als Bordingenieur seinen Dienst auf der Raumstation tun. Er ist damit der siebente ESA-Astronaut, der eine Langzeitmission absolvieren wird und der dritte deutsche ESA-Astronaut auf der ISS.

Ihn erwarten ein umfangreiches wissenschaftliches Programm mit mehr als 100 Experimenten aus den Bereichen Materialwissenschaften, Fluidphysik, Raumfahrtmedizin, Strahlenbiologie, Biotechnologie, Sonnenforschung oder Astrophysik, aber auch innovative Technologiedemonstrationen.

Zu den Höhepunkten seiner Mission zählen die Ankunft des fünften und zugleich letzten europäischen Transportfrachters ATV 5 „Georges Lemaître“ sowie ein mehrstündiger Ausstieg in den freien Weltraum. Alexander Gerst wird damit zu den privilegierten Erdenbürgern gehören, die als Außerirdische auf Zeit das Erlebnis der grenzenlosen Dimension „Weltraum“ erleben dürfen.

Last but not least: Ende September wird die Männerwirtschaft an Bord der ISS etwas aufgelockert. Frauenbesuch ist angesagt: Mit der Ankunft des nächsten Sojus-Raumschiffes gelangt Jelena Serowa als erste Russin an Bord der ISS. Sie ist überhaupt erst die vierte russische Kosmonautin seit 1963.

Langzeitflug ist bis zum 10. November geplant

166 Tage sind für den Flug von Surajew, Wiseman und Gerst eingeplant, bis sie am 10. November 2014 mit ihrem Raumschiff Sojus TMA-13M wieder die Heimreise zur Erde antreten werden. Neu ist die weitere Verfahrensweise. Bislang verbrachten alle europäischen Astronauten ihre ersten Tage in Russland oder in den USA.

Alexander Gerst wird als erster Astronaut unmittelbar nach der Landung in der kasachischen Steppe direkt nach Europa fliegen, nach Köln. Dort werden alle medizinischen Untersuchungen durchgeführt, sogleich mit dem Fitness- und Rehabilitationsprogramm begonnen und die wissenschaftlichen Forschungen fortgesetzt.

ESA-Special

Das vorliegende ESA-Special gibt einen Überblick über die Mission von Alexander Gerst „The Blue Dot – shaping the future“. Es werden ausgewählte Untersuchungs- und Anwendungsbereiche vorgestellt. Sie ermöglichen einen kleinen Einblick in die breite europäische Hightech-Forschung, die jedem Bürger Nutzen bringt.

  1. Per aspera ad astra: Auf rauen Wegen zu den Sternen
  2. Riesiges Pensum an Forschungsarbeiten
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