Experten für Weltraumschrott bestätigen Wiedereintritt von Phobos-Grunt

ESOC, Darmstadt, is home to ESA's mission operations team
Sitz beim ESOC: Büro für Weltraumrückstände
25 Januar 2012

Vor dem Wiedereintritt der russischen Marssonde Phobos-Grunt am 15. Januar, hatte die ESA eine letzte Vorhersage für den Wiedereintrittszeitpunkt getroffen: Bezogen auf eine Höhe von zehn Kilometern sollte die Sonde um 18:45 Uhr MEZ wiedereintreten. Innerhalb der erwarteten Unsicherheiten stimmte diese Vorhersage überein mit späteren Beobachtungen.

Eintrittsvorhersagen verfeinern

Nach dem erfolgten Wiedereintritt von Phobos-Grunt am 15. Januar 2012, bestätigte das US Strategic Command einen Wiedereintrittszeitpunkt um 18:46 Uhr MEZ bezogen auf eine Höhe von 80 Kilometern und einer Position 46° südlicher Breite und 87° westlicher Länge, nahe der südamerikanischen Küste. Das entspricht einem Durchtritt durch eine Höhe von zehn Kilometern etwa sieben Minuten später – das kommt der Vorhersage der ESA sehr nahe.

„Obwohl dies ein unkontrollierter Wiedereintritt war, lag das Gebiet der potentiellen Trümmerstreuung vorwiegend über dem Ozean, mit einer entsprechend geringen Wahrscheinlichkeit an nachteiligen Auswirkungen,“ sagt Prof. Heiner Klinkrad, Leiter des ESA-Büros für Weltraumschrott in Darmstadt.

Marssonde Phobos-Grunt

US Stratcom, eine Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, verfügt über ein Netzwerk an Radaren und anderen Sensoren, die Objekte im All verfolgen können. Wiedereintrittsprognosen basieren vorwiegend auf daraus hervorgehenden Bahnvermessungen und solchen aus russischen und anderen internationalen Quellen.

Auch Bahndaten europäischer Quellen, wie Frankreich und Deutschland, nutzte die ESA zur Verbesserung ihrer Wiedereintrittsvorhersagen. In den Tagen vor dem Wiedereintritt am 15. Januar informierte die ESA europäische Zivilschutzbehörden regelmäßig über aktualisierte Wiedereintrittsdaten.

Diese Aktivität war auch Teil einer umfassenden Kampagne zur Vorhersage des Wiedereintritts von Phobos-Grunt, die vom „Inter-Agency Space Debris Coordination Committee“ (IADC) durchgeführt wurde.

Das IADC ist ein agenturübergreifendes Forum, das weltweite Aktivitäten zum Thema Raumfahrtrückstände koordiniert. Zu den Mitgliedern gehören ESA, NASA, europäische Behörden und die Weltraumbehörden von Russland, China, Kanada, Japan, Ukraine und Indien.

ESA liefert Daten und Analysen

Dr Heiner Klinkrad heads ESA's Space Debris Office
Heiner Klinkrad

In den letzten Jahren haben die IADC-Mitglieder ein Kommunikationsnetzwerk etabliert, das den Austausch von Daten zu Bahnvermessungen und Wiedereintrittsprognosen ermöglicht.

Die ESA lieferte Daten für die Kampagne und führte auch die Analysen der gebündelten Beiträge durch. Der Datenserver für das Netzwerk steht beim ESA-Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt, wo er vom Büro für Raumfahrtrückstände verwaltet wird.

Zusätzlich zum jahrzehntelangen und anhaltenden Engagement in der Forschung zu Raumfahrtrückständen mit der Erstellung von Modellen, Schutz- und Vermeidungsmaßnahmen von Weltraummüll hat die ESA 2009 das „Vorläuferprogramm zur Weltraumlageerfassung“ (Space Situational Awareness Preparatory Programme - SSA-PP) gestartet.

SSA - das Risiko erkennen und einschätzen

Das Ziel des SSA ist eine Verbesserung von Europas Fähigkeiten zur Erkennung, Vorhersage und Einschätzung von Risiken für Leben und Besitz aufgrund künstlicher Weltraumobjekte, Wiedereintritte, Kollisionen im Orbit, potentieller Einschläge von Asteroiden und Weltraumwetter.

„Das SSA Programm zielt auf die Entwicklung und Verbesserung von Europas Fähigkeiten ab, eine genaue Bahnverfolgung von potentiell gefährlichen Raumfahrt-Objekten zu ermöglichen“, sagt Nicolas Bobrinsky, Leiter des SSA Büros.

„Dadurch steigen die Vorwarnzeiten und die Vorhersagegenauigkeit wird enorm verbessert, was die Zivilbehörden dabei unterstützt, angemessen zu reagieren, um Menschen und Eigentum auf der Erde zu schützen.“

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