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    GNSS 2003: Europa auf Navigationskurs GALILEO

    22 April 2003

    Seit Menschengedenken gehören Mobilität und Navigation zu den Erfolgsfaktoren unserer Gesellschaft. Die neuesten Entwicklungen auf diesen Gebieten werden in diesen Tagen in Graz auf der GNSS 2003 vorgestellt, der siebten internationalen Konferenz zur Satellitennavigation. Einer der Schwerpunkte ist das von ESA und der EU gemeinsam aufzubauende globale Satellitennavigationssystem GALILEO.

    Bereits zum siebten Mal richtet die „European Group of Institutes of Navigation“ (EURIN) die bedeutendste europäische Tagung zur Satellitennavigation aus, die „GNSS 2003“. Das Kürzel GNSS steht für Global Navigation Satellite Systems. Austragungsort der Jahrestagung ist diesmal Graz, die Europäische Kulturstadt des Jahres 2003. Mehr als 450 Teilnehmer können sich vom 22. bis zum 25. April in 216 Vorträgen über die neuesten Entwicklungen bei der globalen Satellitennavigation informieren und in Podiumsdiskussionen in Erfahrungsaustausch treten.
    Im Mittelpunkt der vom Österreichischen Verein für Navigation (OVN), Mitglied der EURIN, ausgerichteten Konferenz werden die europäischen Navigationsprojekte EGNOS und GALILEO stehen. Ein bedeutender Teil des Vortragsprogramms ist diesen Projekten sowie ihrer breiten Palette künftiger Anwendungen, ihrer technischen Realisierung und den wirtschaftlichen Aspekten gewidmet.

    In einer parallel stattfindenden Ausstellung präsentieren sich einige bedeutende Anbieter von Satellitennavigationslösungen wie Boeing, Kongsberg oder Thales. Auch verschiedene kleinere Firmen mit innovativen Angeboten sind vertreten, so das Unternehmen RufHer mit seinem mobilen Navigations- und Kommunikationssystem NavIS für die Hosentasche.

    Europas Navigationssystem eröffnet neue Marktchancen

    Das europäische Navigationssatellitensystem Galileo
    Das europäische Navigationssatellitensystem Galileo

    Die Tagung kommt für GALILEO, das zu je 50 Prozent finanzierte Großprojekt von ESA und Europäischer Union (EU), genau zum richtigen Zeitpunkt. Nachdem Ende März zwischen Italien und Deutschland zu den politischen und organisatorischen Modalitäten des Vorhabens eine Einigung auf höchster Ebene erzielt wurde, kann das seit Monaten in den Startlöchern stehende Projekt nun zügig realisiert werden.

    GALILEO ist Europas Antwort auf die militärisch kontrollierten Systeme GPS (USA) und GLONASS (Russland) und ausschließlich als ziviles System konzipiert. Wenn der Aufbau 2008 abgeschlossen ist, werden 30 Satelliten unseren Erdball in 23 616 km Höhe umkreisen und eine weltweite Abdeckung gewährleisten. Europa wird dann gegenüber den USA und Russland als ein gleichberechtigter Partner auf dem Gebiet der Satellitennavigation agieren. Eine ganze Palette neuartiger Dienste, die über das von GPS Angebotene weit hinausgehen, wird die breite Nutzung der Satellitennavigation weiter voranbringen und einen neuen Wirtschaftszweig generieren.
    Die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht schlecht. Studien sagen für die nächsten 20 Jahre 74 Milliarden Euro Umsatz in diesem Segment sowie die Schaffung von 100 000 neuen Arbeitsplätzen in Europa voraus. Auch die europäische Raumfahrtindustrie wird einen kräftigen Schub bekommen. An dem Vorhaben sind die bedeutendsten europäischen Raumfahrtfirmen Astrium, Alcatel und Alenia beteiligt, die damit ihre Kompetenz in der Navigationstechnik weiter ausbauen und so auch künftig in der ersten Liga des weltweiten Wettbewerbs mitspielen können. Und für zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen eröffnen sich neue Marktchancen bei der Entwicklung und dem Betrieb satellitenbasierter Dienstleistungen.


    EGNOS weist Europa den Weg zu GALILEO

    Das Modell eines EGNOS-Receivers
    Das Modell eines EGNOS-Receivers

    Vor der Installation von GALILEO wird im nächsten Jahr mit EGNOS (European Geostationary Overlay Service) ein Zwischenschritt realisiert. EGNOS ist ein Projekt der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Es soll als Erweiterungssystem – zusätzlich zu den GPS- und GLONASS-Signalen – künftigen Nutzern Zusatzinformationen von exakt vermessenen Bodenstationen liefern. Damit läßt sich die Genauigkeit gegenüber den zivilen GPS-Daten verdoppeln. Neben der Genauigkeit wird auch die Verfügbarkeit der himmlischen Navigationssignale erhöht und eine Garantie über die Signalqualität gegeben. Das von der ESA zusammen mit der Europäischen Organisation zur Sicherung des Luftverkehrs (Eurocontrol) betriebene System wird deshalb ab 2004 auch hauptsächlich von der Luftfahrt genutzt.
    Nach der Aufnahme des Routinebetriebs von GALILEO soll entsprechend einem Vorschlag der Europäischen Kommission vom 19. März an das Europäische Parlament und den Europäischen Rat das EGNOS-System in das Programm GALILEO integriert werden.

    Beide Projekte sind jetzt auf einem guten Weg, auch wenn noch so manches technische und organisatorische Problem gelöst werden muss. Die Grazer Tagung, die Europas Navigationsspezialisten aus Universitäten, Instituten, Organisationen und der Industrie zusammenführt, wird die Problemlösung unterstützen und der Realisierung von EGNOS und GALILEO neue Impulse geben

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