Große Ziele: Ariane 5 und Hermes

Flog nie - Die Raumfähre Hermes

Ehrgeizige Ziele verfolgte die ESA mit ihrem neuen Superträgerprojekt Ariane 5. Neben seiner herkömmlichen Funktion als Satellitentransporteur sollte er auch in der Lage sein, den bemannten europäischen Raumgleiter Hermes ins All zu befördern. Die Streichung des Gleiters zwang zum Umdenken und ließ aus der Ariane 5 einen der leistungsfähigsten Satellitenträger der Welt werden.

So erfolgreich die Ariane 4 auch flog, den Anforderungen des Satellitentransports am Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde sie nicht mehr gerecht. Außerdem ging auch international die Entwicklung weiter. Amerikanische, russische, chinesische, japanische oder indische Trägersysteme wurden weiterentwickelt oder neue auf den Markt gebracht. Teilweise konnten diese Länder dann Satellitenstarts zu wesentlich günstigeren Konditionen anbieten. Zudem wollte Europa nach der US-Einladung von 1984 zur Teilnahme am Aufbau und Betrieb der Raumstation Freedom nun auch selbst in die bemannte Raumfahrt einsteigen.

Ariane 5 mit Doppelstrategie

Das europäische Columbus-Modul

Ein völlig neuer mächtigerer Träger musste geschaffen werden und sich sowohl für den unbemannten als auch für den bemannten Transport eignen. Gleichzeitig sollte die Einführung neuer Fertigungstechnologien zu einem besseren Nutzlast/Gesamtmasseverhältnis führen und die Produktionskosten drastisch gesenkt werden. Die Anforderungen an die Transportkapazität stiegen ebenfalls stetig, vor allem durch die immer größer und schwerer werdenden Kommunikationssatelliten. Benötigt wurde dafür eine Rakete, die zwei Satelliten mit einer Gesamtmasse von 6,8 Tonnen in einen geostationären Transferorbit tragen konnte. Alternativ dazu sollte sie den von Frankreich vorgeschlagenen Raumgleiter Hermes mit einer Masse von 21 Tonnen in eine 500-Kilometer-Kreisbahn befördern, um einen separaten Zugang zum geplanten europäischen Beitrag der US-Orbitalstation, dem Raumlabor Columbus, sicher zu stellen.
Die Entscheidung zum Bau der drei Komponenten Ariane 5, Columbus und Hermes traf die ESA am 31. Januar 1985 und segnete das Programm im November 1987 schließlich finanziell ab.

Bemannt mit Hermes

Hermes war ein sehr ehrgeiziges Projekt. An der Spitze der neu zu entwickelnden Trägerrakete Ariane 5 sollte der Gleiter mit zwei bis vier Astronauten und bis zu drei Tonnen Nutzlast an Bord vom Startplatz Kourou in Französisch-Guayana aus ins All starten, dort das Stationsmodul Columbus anfliegen und nach Erfüllung seiner Mission wieder am Ausgangspunkt landen. Zwei dieser wieder verwendbaren Vehikel sollten gebaut werden und jeweils zwei bis vier Mal jährlich zum Einsatz kommen.

Zurück zu den Wurzeln

Allerdings hatten die Europäer wohl die technischen und finanziellen Herausforderungen bei Hermes unterschätzt. Das führte letztendlich im November 1992 zur Einstellung des Projekts. Außerdem setzte die ESA jetzt darauf, dass nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Amerikaner und Russen genug Mitflugmöglichkeiten für europäische Astronauten zur Verfügung stellen würden.
Inzwischen war die Entwicklung der Ariane 5 schon so weit vorangeschritten, dass ein Abbruch der Entwicklung und eine Neuprojektierung nicht mehr in Frage kamen. So wurde sie schließlich für den Transport von Satelliten in den geostationären Transferorbit und schwerer Nutzlasten in niedrigere Erdumlaufbahnen optimiert.

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