Indisch-europäische Partnerschaft

Unterzeichnung der Chandrayaan 1-Vereinbarung

Sowohl das Missionskonzept als auch die Missionsziele von SMART 1 sowie Chandrayaan 1 unterscheiden sich fundamental voneinander. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Ähnlichkeiten in der wissenschaftlichen Zielsetzung.

Indien lud die ESA-Mitgliedsstaaten zur Mitarbeit an ihrem ehrgeizigen Projekt ein. Konkrete Wünsche signalisierten sie vor allem im Bereich der Nutzlasten. Die europäischen Wissenschaftler interessierte wiederum die gegenüber SMART 1 deutlich niedrigere Umlaufbahn der indischen Mondsonde (Chandrayaan 1: 100 Kilometer; SMART 1: 300 Kilometer). Die Auflösung ihrer Hightech-Messinstrumente würde von der geringeren Bahnhöhe profitieren und die Europäer können durch präzisere Nachmessungen ihre ersten Messergebnisse wesentlich verfeinern und verifizieren. Mit anderen Worten: Beide Seiten hätten einander etwas Vorteilhaftes zu bieten. Das ist die Basis einer guten Partnerschaft.

Der in Paris tagende ESA-Rat beschloss am 17. März 2005 einstimmig eine lunare Zusammenarbeit mit Indien. Am 27. Juni wurde dann das entsprechende Abkommen zur gemeinsamen Erkundung des Mondes durch die Chefs beider Weltraumorganisationen, Jean-Jacques Dordain (ESA) und Madhavan Nair (ISRO), in Bangalore unterzeichnet.

Die ESA lässt die ISRO an ihren Erfahrungen mit SMART 1 teilhaben und hat drei wissenschaftliche Instrumente beigesteuert. Außerdem gaben Fachleute der ESA Unterstützung bei der Flugbahnplanung und leisten Hilfe beim Aufbau eines elektronischen Archivs für die Daten der Experimente. Im Gegenzug erhalten die Europäer alle Daten, die die Instrumente liefern.

Die europäische Beteiligung

Bei der Hardware, die die ESA-Mitgliedsstaaten Indien lieferten, handelt es sich um zwei Geräte, die in ähnlicher Form bereits in der europäischen Hochtechnologiesonde SMART 1 eingesetzt wurden. Ein drittes Instrument (SARA) hat seinen Vorläufer in Geräten, die auf Mars Express und Venus Express flogen:

  • das Infrarot-Spektrometer SIR 2 (ESA/Deutschland)
  • das Röntgen-Spektrometer CIXS 2 (ESA/Großbritannien)
  • der Teilchenanalysator SARA (ESA/Schweden)

Forschung zum gegenseitigen Nutzen

The Chandrayaan-1 spacecraft during integration
Chandrayaan 1 ist eine internationale Sonde

SIR 2 wurde im November 2007 nach Indien geliefert. Es ist die Weiterentwicklung eines Spektrometers, den das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau bereits für SMART 1 gebaut hatte. Die Forscher erhoffen sich durch die konstruktiven Verbesserungen und die niedrigere Flugbahn von Chandrayaan 1 wesentlich genauere Messergebnisse als bei SMART 1.

Die beiden anderen Instrumente traten ihre Reise nach Indien im Jahr 2008 an.

SARA, das vom Schwedischen Institut für Weltraumphysik unter Beteiligung des Weltraumphysiklabors am indischen Vikram Sarabhai Space Centre entwickelt wurde, soll besonders die Interaktionen des Sonnenwindes mit der Mondoberfläche unter die Lupe nehmen.
„Die Erfahrungen mit SARA werden für uns bei der Vorbereitung eines ähnlichen Instrumentes für die Merkur-Sonde BepiColombo sehr nützlich sein“, so die Erwartung von Christian Erd, Chandrayaan 1-Projekt Manager der ESA.

Das Röntgenspektrometer C1XS basiert auf D-CIXS, das auf SMART 1 erfolgreich arbeitete. Es wurden wesentliche Verbesserungen vorgenommen, die auf den Einsatzerfahrungen bei der europäischen Mondmission gewonnen wurden. C1XS wurde in Zusammenarbeit des britischen Rutherford Appleton Laboratory und dem ISRO Satellite Centre mit Unterstützung der ESA weiterentwickelt.

Davon werden nicht nur die indischen Fachleute profitieren, sondern auch die Europäer, denn „die europäischen Wissenschaftler haben mit der indischen Mondsonde eine phantastische Gelegenheit, ihre Arbeit zur Erforschung des Mondes fortzusetzen“, freut sich Detlef Koschny, Projektwissenschaftler der ESA für Chandrayaan 1.

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