Innovative Startup-Projekte nutzen Galileo-Daten

Pressekonferenz im ESOC

Drei viel versprechende Existenzgründer haben ihre Ideen zur zukünftigen Anwendung der hochpräzisen Galileo-Daten vorgestellt. Unterstützt werden sie dabei vom Darmstädter Gründerzentrum cesah.

Die drei deutschen Startups gehören zu den ersten, die Prototypen entwickelt haben, die die Daten der europäischen Navigationssatelliten des Galileo-Systems nutzen sollen.

Am 11. Januar präsentierten sie diese Anwendungen dem Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, ESA-Direktor für Operationen Gaele Winters und führenden deutschen Medien bei einer Pressekonferenz im Satellitenkontrollzentrum der ESA in Darmstadt.

Gaele Winters unterstrich: „Galileo wird genauer und weit zuverlässiger als das amerikanische GPS arbeiten und wird eine Fülle neuartiger Anwendungen ermöglichen.“

Ministerpräsident Koch wies darauf hin, dass die Wirtschaft sich bereits jetzt intensiv mit Galileo befassen müsse, um 2011 mit innovativen Produkten am Markt zu sein. „Die Anwendungspalette, gerade in Hessen, reicht von Verkehrs- und Telematikanwendungen über Anwendungen im Telekommunikationsbereich bis hin zum Vermessungs- und Bankenwesen.“, so Koch.

Die drei Existenzgründer eta_max space GmbH, die Multimedia Agentur FIVE FOR YOU (54U) und S@mango sind die ersten, deren Projekte bereits von der Expertenjury des cesah ausgewählt wurden und deren Aufnahme in das Gründerzentrum bevorsteht.

Flutwarnung mit Echtzeitdaten

G-WaLe
G-WaLe Schwimmer

Das „G-WaLe“ (Galileo Supported Measurement of Water Level) System wurde von der Darmstädter eta_max space GmbH entwickelt und soll in Flut gefährdeten Gebieten auf schnellstem Wege vor steigenden Wasserpegeln warnen.

Das System wird über eine Reihe von mobilen, schwimmenden Galileo-Empfängern verfügen, die Daten speichern und senden können.

Die G-WaLe-Schwimmer werden in zur Überflutung neigenden Flüssen verankert, können sich jedoch den wechselnden Wasserständen anpassen. Abweichungen des Wasserpegels können mit Hilfe der Galileo-Satelliten lokalisiert und in Echtzeit eine Karte des entsprechenden Gebiets erstellt werden. Sobald der Wasserpegel kritisch wird, alarmiert das System die zuständigen Stellen und kann sogar betroffene Anwohner direkt warnen.

„Mit Galileo-Daten kann das G-WaLe-System Informationen mit sehr hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung liefern.“, sagt Holger Sdunnus, CEO der eta_max space GmbH. Das System soll laut Sdunnus zudem die Kalibrierung von Flussmodellen unterstützen, die zur Flutvorbeugung benutzt werden und operationelle Daten an Einsatzteams bei Überflutungen liefern, was dazu beiträgt, die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen zu mindern.

Im August 2002 hatte das Hochwasser der Elbe Pegel erreicht, die seit 150 Jahren in Zentral- und Osteuropa nicht mehr gemessen wurden. Zahlreiche Städte, darunter Dresden und Prag, waren überflutet und die Forderungen an Versicherungen beliefen sich auf mehrere Millionen Euro.

Die junge Firma, die ein neues Büro in Darmstadt errichtet um Galileo-Anwendungen zu entwickeln, bietet auch Beratung, Softwareentwicklung und Technologieprüfung im Bereich der Luft- und Raumfahrt und im Transportwesen an.

Ortsbezogene Daten für mobile und interaktive Reiseführer

Satelles
Satelles System

Die in Frankfurt ansässige Medienagentur FIVE FOR YOU (54U) kreierte „Satelles“, ein mobiles Reiseinformationssystem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fraunhofer IDG Institut und der VEGA GmbH. Das System kombiniert Galileo-Daten mit Informationen aus dem Internet um eine interaktive ortsbasierte Führung zu ermöglichen.

Im Sommer 2007 soll ein Pilotprojekt in Kooperation mit der Kassel Tourist gestartet werden um den Besuchern der Kunstausstellung Documenta interaktive Führungen anzubieten. Das System soll später erweitert werden um lokale Stadt-, Reise- und Touristikinformationen auf Mobiltelefone, MP3-Player oder PDAs zu bringen.

Satelles wird über alle gängigen mobilen Netwerke zugänglich sein, wie z.B. GSM, UMTS oder WiFi, und ortsspezifische Informationen in Echtzeit geben. Diese Informationen können ähnlich den im Internet verfügbaren so verschiedene Formate beinhalten wie Text, Bilder, Audio, Video oder „Voice Read-Back“.

Die dreiköpfige Agentur betreut Klienten in verschiedenen Branchen, darunter Fluglinien, Reise- und Beratungsunternehmen.

Geocodierung für multiple Anwendungen

Um die Effizienzsteigerungspotentiale moderner Satellitenortungstechnik zu realisieren, implementiert die Karlsruher Firma s@mango die mobile Technologie „4d-miner“.

Unter Einsatz mobiler Datenerfassungsgeräte sowie einem Middlewareserver mit Zusatzdiensten und modularem Funktionskonzept, können Firmen- und E-Government-Daten in Zukunft erfasst, mobil geocodiert und verarbeitet werden.

Die ermöglich unter anderem Kontrollgänge, die Infrastrukturwartung z.B. von Strassen, Parks und Gebäuden, Verkehrskontrollen, die Abwicklung von Versicherungsfällen z.B. mit Hilfe von fotografische Aufnahmen der Schäden vor Ort. Auch Web 2.0-Anwendungen mit Mobiltelefonnutzern können leicht integriert werden und ermöglichen einen Austausch geocodierter Daten von Fotos bis zu empfohlenen Angelplätzen.

S@mango ist in den Bereichen Projektmanagement und Beratung tätig. Der Firmenmitbegründer und e-commerce Experte Lothar Fritsch studierte an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt.

Von der Idee bis zur ausgereiften Anwendung – cesah unterstützt Unternehmensgründer

4d-miner
4d-miner

Das Cesah informiert die interessierte Wirtschaft über das Europäische Satellitennavigationssystem Galileo, berät Unternehmen bei der Entwicklung von Anwendungsprodukten und unterstützt aussichtsreiche Existenzgründer in diesem Bereich. Gestärkt wird es dabei durch hochkarätige Anteilseigner wie T-Systems, VEGA GmbH, die Technische Universität Darmstadt, Hochschule Darmstadt, INI-GraphicsNet Stiftung und die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Zukünftige Galileo-Großanwender wie die Deutsche Flugsicherung, FRAPORT und Schenker Logistik sind als strategische Partner ebenso dabei wie die Beratungsgesellschaft Accenture und die Hessische Landesbank.

Das Land Hessen hält mit 40 Prozent den Hauptanteil an der cesah GmbH. Mit jeweils 10 Prozent beteiligt sind die IT-Unternehmen Vega Deutschland und T-Systems, ebenso die Technische Universität Darmstadt, die Hochschule Darmstadt, die INI-GraphicsNet Stiftung, zu deren weltweitem Forschungsnetzwerk auch das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) gehört, sowie die Stadt Darmstadt.

„Das Europäische Satellitenkontrollzentrum ESA/ESOC wird sich unter dem Dach der ESA „Business Incubation“ Initiative als strategischer Partner intensiv an der Beratungsarbeit und den konkreten Fördermaßnahmen beteiligen, so wie wir dies bereits erfolgreich am ESA Technologiezentrum in den Niederlanden tun,“ erklärt ESOC-Direktor Gaele Winters.

ESA initiiert 40 Millionen Euro Venture Capital Fond für Gründerzentren

Galileo orbits
Galileo Orbits

Cesah ermöglicht den Zugriff auf technische und finanzielle ESA Ressourcen sowie das europaweite ESA Incubation-Netzwerk.

„Die ESA hat zudem einen mit insgesamt 40 Mio. Euro dotierten Venture Capital Fonds initiiert und die ersten Firmen (u.a. eta_max) aus dem Umfeld des ESOC sind bereits dafür vorgeschlagen worden“, so ESOC-Direktor Gaele Winters.

Schlanke Organisationsstruktur um CESAH-Geschäftsführer Arne Jungstand

Zum Geschäftsführer des cesah wurde mit Arne Jungstand ein erfahrener Navigationsexperte berufen. Der 1955 geborene Diplom-Physiker arbeitete lange Jahre im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zuletzt war er als Berater der Europäischen Kommission im Bereich Satellitennavigation tätig.

Für cesah selbst ist vorerst nur eine schlanke Personalausstattung geplant. Neben dem Geschäftsführer sind zunächst zwei weitere Mitarbeiter eingestellt worden. „Bei der Anzahl und Qualität der Ideen, die im Rahmen des Galileo Masters Wettbewerbs eingereicht wurden, sollte es möglich sein, unser Ziel von 8 bis 10 Förderprojekten für Ende 2007 zu erreichen“, ist Arne Jungstand zuversichtlich. „Zudem suchen wir auch selbst aktiv nach geeigneten Ideen an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und in der Wirtschaft.“ Die von cesah koordinierte und unterstützte technische und betriebswirtschaftliche Beratung der Existenzgründer wie auch die Beratungsangebote für bestehende Unternehmen, die kostenpflichtig sein sollen, werden durch die Gesellschafter und Kooperationspartner, gegebenenfalls auch durch Dritte erbracht.

Weitere Auskunft erteilen:

Europäisches Satellitenkontrollzentrum ESA / ESOC:
Jocelyne Landeau-Constantin
Leiterin der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0 61 51 / 90 26 96
Email: jlc@esa.int
Web: www.esa.de oder www.esa.int/esoc

cesah – Centrum für Satellitenanwendungen Hessen, GmbH
Arne Jungstand
Geschäftsführer
Tel.: 06151 / 90 2350 oder 0177 / 7173779
Email: cesah@esa.int - www.cesah.com

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