Internationale Konferenz zu Gefahren durch Weltraummüll

Space debris in orbit
Space Debris - Weltraummüll (grafische Darstellung)
3 Dezember 2012

Die ESA wird im April 2013 eine viertägige internationale Konferenz zum Thema „Weltraummüll“ ausrichten. Als weltweit größte Veranstaltung zum Thema wird sie sich mit den vielfältigen Gefahren für die Raumfahrt durch die wachsende Anzahl von Objekten in erdnahen Umlaufbahnen beschäftigen.

Die ESA veranstaltet diese sechste europäische Konferenz zu Raumfahrtrückständen am ESOC, dem Europäischen Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt (D), vom 22. bis 25. April 2013. Mehr als 300 ausgewiesene Experten aus aller Welt werden erwartet. Die Ausrichtung der Konferenz wird unterstützt durch die nationalen Raumfahrtagenturen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens (DLR, CNES, UKSA und ASI), das „Committee on Space Research“ (COSPAR) sowie die „International Academy of Astronautics“ (IAA).  
 

Warum kann Weltraummüll uns alle betreffen?

H. Klinkrad

Wir nutzen heute umfassende, weltraumbasierte Infrastruktur, die eine Vielzahl von kritischen Anwendungen ermöglicht. Diese beinhalten u.a. TV-Übertragungen, Telekommunikation, Wettervorhersagen, Internet, Finanztransaktionen, Unterstützung der Landwirtschaft, Katastrophenhilfe und Satellitennavigation.

Weltraummüll entsteht aus künstlichen Objekten und umfasst funktionsuntüchtige Satelliten, Raketenoberstufen und andere freigesetzte Komponenten. Viele dieser Objekte, die unseren Planeten umkreisen, bergen das Risiko, zu zerfallen oder zu explodieren und somit das Problem zu verschärfen.

  • 29 000 Objekte größer als 10 cm (davon werden 23 000 regelmäßig beobachtet)
  • 670 000 Objekte größer als 1 cm
  • mehr als 170 Millionen Objekte größer als 1 mm

Geschwindigkeiten von bis zu 56.000 km/h
  
 Manche dieser Schrottteile bewegen sich mit Relativgeschwindigkeiten zu operationellen Satelliten von bis zu 56 000 km pro Stunde. „Jedes dieser Objekte kann einem operationellen Raumfahrzeug erhebliche Schäden zufügen“ warnt Prof. Dr. Heiner Klinkrad, Leiter des Space Debris Office der ESA in Darmstadt. „Eine Kollision mit einem 10cm großen Objekt könnte eine komplette Zerstörung mit sich bringen, ein 1cm großes Objekt einen durchschnittlichen Satelliten außer Funktion setzen oder die Abschirmung der ISS-Raumstation durchdringen, und ein 1mm großes Objekt könnte empfindliche Satellitensensoren zerstören.“ so Prof. Klinkrad weiter.

Beobachtung, Vermeidung und Zukunftsszenarien für Weltraummüll

Raumfahrtrückstände (grafische Darstellung)

Die anstehende ESA-Konferenz wird ein Forum für Wissenschaftler, Ingenieure und Manager aus Satellitenbetrieb, Industrie, Wissenschaft und Strategiegremien bieten, um die neuesten Forschungsergebnisse zu präsentieren. Zudem werden Verfahren und technische Optionen diskutiert, die helfen werden, die zukünftige Ausrichtung der Forschung für alle Aspekte von Raumfahrtrückständen zu definieren. Die Themengebiete umfassen Beobachtungstechniken, Modellierungsmethoden, Risikoanalysen, Schutz von Satelliten, Strategien zur Rückstandsvermeidung sowie Verfahrensfragen und rechtliche Aspekte.

Ziel: Nutzung des Weltraums auf längere Zeit sicherstellen

 Spezielle Programmpunkte werden sich mit der aktiven Entfernung der Raumfahrtrückstände befassen; deren Ziel ist es, die Nutzbarkeit der kritischen Ressource Weltraum auch auf längere Zeit zu gewährleisten. Die Konferenz wird auch die bestehenden, regelmäßigen Diskussionen fördern, wie sie innerhalb des „Inter-Agency Space Debris Coordination Committee“ (IADC) und in der UN-Arbeitsgruppe zur „Long-term Sustainability of Activities in Outer Space“ (LTSSA) des wissenschaftlich-technischen Unterausschusses (UNCOPUOS STSC) regelmäßig stattfinden.
 

Hintergrundinformation zu Weltraumrückständen

Seit 1957 haben mehr als 4 900 Raketenstarts zu mehr als 23 000 nachverfolgbaren Objekten in Erdumlaufbahnen von mehr als 10 cm Größe geführt. Etwa 1000 davon sind aktive Satelliten. Die verbleibenden 94% sind Raumfahrtrückstände, d.h. Objekte die keinen sinnvollen Zweck mehr erfüllen. Um die 64% der routinemäßig beobachteten Objekte sind aus bisher 250 Fragmentierungsprozessen hervor gegangen; die Mehrzahl von ihnen aus Explosionen und Kollisionen von Satelliten und Raketenstufen. Darüber hinaus wird geschätzt, dass sich zur Zeit 670 000 Objekte von mehr als 1cm Größe und 170 Millionen Objekte von mehre als 1mm Größe in Erdumlaufbahnen befinden.

Aufgrund relativer Bahngeschwindigkeiten von bis zu 56 000 km/h, können bereits zentimetergroße Objekte einen aktiven Satelliten schwer beschädigen oder sogar außer Funktion setzen. Kollisionen mit Objekten von mehr als 10 cm Größe können zu vollständigen Zerlegungen führen, bei denen gefährliche „Fragmentwolken“ freigesetzt werden. Von diesen wiederum können einige größere Fragmente zu weiteren Kollisionen mit katastrophalen Folgen führen, was in manchen Bahnbereichen zu einer instabilen Konzentration von Raumfahrtrückständen führen kann („Kessler Syndrom“). Wenn Strategien zur Rückstandsvermeidung in der Auslegung und im Betrieb von Satelliten richtig und konsequent angewandt werden, kann die Wachstumsrate der Rückstände stark eingedämmt werden.

Weitere Informationen unter: www.esa.int/debris

Kontakte für die Konferenz

Genauere Informationen zur Konferenz, zur Einreichung von Beiträgen, zur Pressearbeit und zur Registrierung unter folgender Adresse:
http://congrexprojects.com/13a09
ESA Conference Bureau
ESA/ESTEC
P.O. Box 299
2200 AG Noordwijk
The Netherlands
Tel: +31 71 565 5005
Fax: +31 71 565 5658
e-mail: esa.conference.bureau @ esa.int
Presse-Kontakt für Interviews vorab:
ESA Communication Office
European Space Operations Centre
ESA/ESOC Darmstadt
Tel.: 06151-902516
Email: esoc.communication @ esa.int

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