Klimageschichte (1): Leben im Eiszeitalter

Sommer auf der nördlichen Hemisphäre der Erde

Die Klimageschichte unseres Planeten ist eine Geschichte natürlicher Klimaschwankungen. Vorherrschend war das Warmklima, sozusagen der „Normalzustand“ der Erde. Wenig bewusst ist uns aber die Tatsache, dass wir – trotz steigender Temperaturen – heute in einem Eiszeitalter leben.

Blick in das Klimabuch der Erde

Wetter und Klima werden oft gleichgesetzt. Sie sind es jedoch nicht. Wetter spiegelt den Augenblickszustand der Atmosphäre an einem Ort wider, Klima erfasst das Wettergeschehen über große Zeiträume.
Bei unseren täglichen Wetterbetrachtungen beziehen wir das uns durch Eltern, Großeltern und vielleicht noch Urgroßeltern übermittelte „Klima“ ein. Menschliche Erinnerungen vollziehen sich also vor einem etwa einhundertjährigen Horizont. Natürlich war „früher alles besser“. Doch über „Abweichungen“ kann man nur urteilen, wenn man den „Normalzustand“ kennt.

Für diesen Blick reichen jedoch selbst Jahrhunderte nicht aus. Die Erde existiert seit etwa 4,6 Milliarden Jahren. Die Klimageschichte unseres Planeten ist eine Geschichte der natürlichen Klimaschwankungen. Und in der langen Klimageschichte war das Warmklima das vorherrschende Klima, sozusagen der „Normalzustand“ der Erde. Dieser Normalzustand mit Temperaturen um 20 bis 25 Grad Celsius zeichnete sich mit bis zu 10 Grad höheren Erdmitteltemperaturen aus. Heute liegt dieser Wert bei 15 Grad Celsius. Es ist also – gemessen an dem Normalzustand der Erde – gegenwärtig ziemlich kalt auf diesem Planeten.

Klimageschichte im Zeitraffer eines Jahres

In einem Denkmodell setzen wir das Alter der Erde (ca. 4,6 Milliarden Jahre) gleich einem Jahr. Die Klimageschichte unseres Planeten, die wir aus vielen Funden und Indizien kennen, füllt im Modelljahr dann den Abschnitt von Anfang März bis zum 31. Dezember.
Der Mensch erscheint auf dieser Zeitskala am 31. Dezember gegen 23.00 Uhr. Erst weit nach 23.59 Uhr – seit etwa 200 Jahren – übt er Einfluss auf das Klima des Planeten aus. Der Homo sapiens konnte also bislang nur wenige Sekunden Klimageschichte beeinflussen.
Um diese letzten Sekunden aber richtig einordnen zu können, sollten wir mit der Klimageschichte unseres Planeten wenigstens ein paar Tage, wenn nicht Wochen zurückgehen. Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird kaum Gegenwart oder Zukunft verstehen können.

Wir leben im Eiszeitalter

Polareis hat große Bedeutung für die Klimaentwicklung

Wenig bewusst ist uns die Tatsache, dass wir – trotz steigender Temperaturen – erdgeschichtlich gesehen in einem Eiszeitalter leben. Es ist nicht das erste und wird auch nicht das letzte Eiszeitalter sein. Das sind Abschnitte der Erdgeschichte, in denen die mittlere Temperatur so weit absank, dass gewaltige Flächen mit einem dicken Eispanzer überzogen wurden sowie Dauerfrostböden und Meereis auftraten.
Diese Eigenschaften treffen auch auf die heutige Erde zu: Gegenwärtig sind rund 16 Millionen Quadratkilometer der Landoberfläche unter Inlandeis und Gletschern begraben. Das sind fast 11 Prozent des Festlandes. Wird der – teilweise bis weit über 1500 Meter mächtige – Dauerfrostboden in Eurasien und Nordamerika hinzugerechnet, so sind etwa 37 Millionen Quadratkilometer der Landflächen vereist. Das ist nahezu ein Viertel der Festlandsfläche.

Aus der Erdgeschichte ist bekannt, dass in den letzten 950 Millionen Jahren mindestens sechs bedeutende Eiszeitalter auftraten. Jede dieser Perioden ist durch einen wellenartigen Wechsel von Kaltzeiten (sehr große Gebiete der Erde sind vereist) und Warmzeiten (ein kleiner Teil der Erde ist vereist) gekennzeichnet. Das jüngste Eiszeitalter begann vor etwa 2 Millionen Jahren und dauert bis heute an. Auch dieses Eiszeitalter zeichnet sich durch einen permanenten Wechsel von Kalt- und Warmzeiten aus, wobei die Zykluslänge einer Kalt- oder einer Warmzeit bei etwa 50 000 bis 100 000 Jahren liegt.

Die letzte Kaltzeit endete vor 11 000 Jahren und es begann eine neue Warmzeit. Sie wird von Geologen als Holozän bezeichnet. In dieser Zeit leben wir heute.

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