Kluge Köpfe

Einige deutsche oder in Deutschland lebende Wissenschaftler haben merklich zum Fortschritt in der Astronomie, Weltraumforschung, Raumfahrt oder Raketentechnik beigetragen. Einige von ihnen werden im Folgenden beschrieben.

Johannes Kepler (1571 - 1630)

Johannes Kepler
Johannes Kepler 1571-1630

Johannes Kepler wurde am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt (Württemberg) geboren, lebte und arbeitete unter anderem in Tübingen, Graz, Linz und Prag und starb am 15. November 1630 in Regensburg. Er stellte zu Beginn des 17. Jahrhunderts die mathematischen Gesetze auf, die die Bewegung der Planeten um die Sonne beschreiben und die wir heute als die „Keplerschen Gesetze“ kennen. Grundlage dafür waren Planetenkoordinaten, die im Astrolabor von Tycho Brahe, dessen Assistant er war, gemessen wurden.

Kepler entdeckte, dass die Planetenbahnen nicht kreisförmig sind, wie es alle bisherigen Modelle, z.B. von Ptolemäus und Kopernikus, annahmen.

Das erste Keplersche Gesetz besagt, dass die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne ziehen, die in einem der beiden Brennpunkte der Ellipse steht. Nach dem zweiten Keplerschen Gesetz überstreicht der Radius zwischen Planet und Sonne in gleicher Zeit gleiche Flächen. Nach dem dritten Keplerschen Gesetz verhalten sich die Quadrate der Umlaufzeiten der Planeten zueinander wie die dritten Potenzen ihrer Abstände von der Sonne.

Die Keplerschen Gesetze beschreiben also die Bewegung der Erde, des Mondes und der Planeten, ebenso wie von Satelliten und anderen Himmelskörpern. Durch die Erkenntnis der elliptischen Form der Planetenbahnen und die Keplerschen Gesetze gelangte man zu wesentlich genaueren Vorausberechnungen als bisher. Gleichzeitig stieg das Vertrauen in die Richtigkeit des heliozentrischen Systems. Angeregt von den Keplerschen Gesetzen entdeckte Isaac Newton im 17. Jahrhundert das Gesetz der Schwerkraft.

Hermann Oberth (1894 - 1989)

Hermann Oberth
Hermann Oberth

Hermann Oberth wurde am 25. Juni 1894 in Hermannstadt (Siebenbürgen) geboren und starb am 28. Dezember 1989 in Nürnberg. Inspiriert durch die Romane von Jules Verne begann Oberth bereits als Schüler erste Raketenpläne zu erarbeiten.

Mit seinen Frühwerken "Die Rakete zu den Planetenräumen"(1923) und "Die Wege zur Raumschiffahrt" (1929) schuf er die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung von Raketen und für die bemannte Raumfahrt. Er beschrieb darin schon fast jedes Raumfahrtkonzept, das bis heute verwirklicht wurde: von den ersten Raketen und Satelliten bis zur Landung auf dem Mond; von interplanetaren Raumsonden und wieder verwendbaren Raumfähren bis zu international bemannten Raumstationen.1927 gründete er den “Verein für Raumschiffahrt”. Von 1928 bis 1929 war er für UFA-Regisseur Fritz Lang in Berlin als wissenschaftlicher Berater bei der Produktion des ersten Raumfahrtfilms der Welt, "Frau im Mond", tätig.

Im Herbst 1929 wurde Oberths erster Raketenmotor für Flüssigtreibstoffe, die "Kegeldüse", erfolgreich gezündet. An den Versuchsarbeiten waren Studenten der TU Berlin beteiligt, darunter auch Wernher von Braun. Oberth bekleidete nacheinander verschiedene Forschungspositionen und Professuren an den Technischen Hochschulen Berlin und Dresden.

In den 40er und 50er Jahren folgten weitere Veröffentlichungen, darunter eine Grundlagenarbeit zur Optimierung mehrstufiger Raketen. 1955 stiess Oberth in Huntsville/USA zu seinem ehemaligen Schüler Wernher von Braun, der zum Leiter des amerikanischen Raketenprogramms aufgestiegen war. 1960 ging er in den Ruhestand und kehrte nach Deutschland zurück wo er sich bis zu seinem Tod hauptsächlich philosophischen Fragen widmete.

Oberth erkannte sehr früh die wirtschaftliche Dimension der Raumfahrttechnik. Anwendungsvorschläge, die er als erster formulierte, reichen von Nachrichten- und Wettersatelliten über geologische, landwirtschaftliche und geographische Erkundung aus dem All bis zur industriellen Produktion in erdnahen Raumstationen und auf dem Mond, sowie extraterrestrischer Nutzung der Sonnenenergie durch Weltraumspiegel. Beim Bau der A4, der ersten modernen Großrakete, unter Leitung Wernher von Brauns in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde fanden 95 Erfindungen und Lösungsvorschläge von Hermann Oberth Anwendung.

Wernher von Braun (1912 - 1977)

Von Braun
Von Braun

Wernher von Braun wurde am 23. März 1912 in Wirsitz, Posen, geboren und starb am 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia. Angeregt durch die Lektüre von Jules Verne, und ganz besonders durch Hermann Oberths Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“, widmete Wernher von Braun frühe Jahre seines Lebens dem Studium der Mathematik und Trigonometrie, um die der Funktion einer Rakete grundlegenden Prinzipien zu meistern.

1932 schloss von Braun sein Studium an der Technischen Universität Berlin ab und verpflichtete sich als Assistent im Heereswaffenamt. 1934 erhielt er die Doktorwürde in Physik. Seine Promotion über Flüssigraketen wurde als Staatsgeheimnis klassifiziert. 1937, also im Alter von 25 Jahren, wurde von Braun Direktor der deutschen Heeresversuchsanstalt in Peenemünde.

Dort wurde unter seiner Leitung die „A4“ (Aggregat 4) entwickelt, das erste vom Menschen geschaffene Objekt, das in den Weltraum vordrang. Diese Rakete erreichte eine maximale Geschwindigkeit von 1340 m/s, eine Höhe von 85km und hatte eine Reichweite von 192km. Allerdings wurde die A4 auch unter Beteiligung von Fremdarbeitern und KZ-Häftlingen entwickelt, und im Zweiten Weltkrieg als Waffe V2 (Vergeltungswaffe2) eingesetzt. Die A4 ist der Vorläufer sowohl der militärischen Fernraketen als auch unserer heutigen Raumfahrt-Trägerraketen.

Im Frühjahr1945 stellte sich von Braun zusammen mit über 100 Kollegen den Amerikanern und in die USA evakuiert. Dort wurde er technischer Berater im Rahmen des amerikanischen Raketenprogramms in White Sands Proving Grounds (Neu-Mexiko). 1950 wurde er Direktor des Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama und 1955 amerikanischer Staatsbürger. In Huntsville entwickelte er zusammen mit den ehemaligen Peenemündern die Rakete Saturn V, die die Apollo Besatzungen zum Mond brachte, und wurde dadurch Teil des „Wettlaufs zum Mond“. In der Folge des gewaltigen Medienrummels um Wernher von Braun wurde er als „Vater der Rakete“ bekannt. 1970 wurde er zweiter Direktor der NASA und Chef der Planungsabteilung. Von Braun erhielt zahlreiche internationale Ehrungen, darunter 12 Ehrendoktorwürden, mehrere amerikanische Orden und das Bundesverdienstkreuz mit Stern. Seine nächste Vision war eine Mission zum Mars, doch die Politik der NASA änderte sich grundlegend und dem Raketenprogramm wurden die Mittel gestrichen.

1972 verliess von Braun die NASA und widmete sich fortan bei Fairchild Industries in Germantown, Maryland, der Entwicklung von Satelliten. Wernher von Braun starb am 16. Juni 1977 an Krebs.

Eugen Sänger (1905 - 1964)

Sänger
Sänger

Eugen Sänger wurde am 22. September 1905 im böhmischen Preßnitz geboren und starb am 10. Februar 1964 in Berlin. Ab 1923 studierte er an der Technischen Hochschule Graz allgemeines Bauingenieurwesen, änderte jedoch nach der Lektüre von Hermann Oberths Buch “Die Rakete zu den Planetenräumen” seinen Studienschwerpunkt und schloss 1927 sein Studium in Flugzeugbau, Statik und Konstruktion ab. 1929 wurde an der TH Wien Eugen Sängers Dissertationsarbeit "Raketenflugtechnik" abgelehnt, so promovierte er 1930 über ein Konstruktionsthema im Flugzeugbau. Er setzte seine frühere Arbeit jedoch fort und experimentierte mit Flüssigkeitstriebwerken und Treibstoffen Sein darauf basierendes Buch "Raketenflugtechnik" (1933) wurde eines der Standardwerke der Raumfahrtliteratur. Ab 1936 arbeitete Sänger bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof, ab 1937 richtete er bei der Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) in Trauen in der Lüneburger Heide ein raketentechnisches Forschungsinstitut ein. Neben Experimenten führte Sänger weiterhin theoretische Überlegungen zum erdnahen Raumflug mit geringstmöglichem Energieaufwand durch. 1944 erschien ein um militärische Kapitel erweiterter Projektbericht von ihm unter dem Titel "Über einen Raketenantrieb für Fernbomber". Das dort beschriebene Raketenflugzeug “Silbervogel” diente später als Entwicklungsgrundlage, z.B. für die X-15 in den USA. Nach dem Krieg arbeitete Sänger als beratender Ingenieur in Frankreich. Sänger war Mitbegründer der Internationalen Astronautischen Föderation IAF und setzte sich intensiv für eine internationale Zusammenarbeit in der Raumfahrt ein. 1962 wurde er als Professor an den neuen Lehrstuhl für "Elemente der Raumfahrttechnik" der TU Berlin berufen, den ersten reinen Raumfahrtlehrstuhl an einer europäischen Hochschule. Am 10. Februar 1964 erlag er während einer Vorlesung einem Herzinfarkt. Anders als die Raketenpioniere Oberth, Goddard und Ziolkowski war Sänger vom aeronautischen Weg zur Weltraumfahrt überzeugt, also der Weiterentwicklung von Flugzeugen zu Raumflugzeugen. In der Entwicklung des Stratosphärenflugzeugs und des Raumtransporters sah er nur die ersten Schritte zur Raumfahrt, die er jedoch nicht überspringen wollte.Nicht zuletzt sah er in der Raumfahrt einen Weg aus den Problemen einer ständig wachsenden Rüstung, der auch für die grossen Industrie- und Forschungsbetriebe akzeptabel sei.

Last update: 25 April 2001

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