Kometen: Die aus der Kälte kommen

Die Struktur eines Kometen

Kometen sind wahrscheinlich die ältesten, weitgehend unverändert gebliebenen Reste einer gigantischen Staubscheibe, aus der unser Sonnensystem vor etwa 4,4 Milliarden Jahren entstanden ist. Während sich das Ausgangsmaterial, aus dem sich die Planeten und Monde einst bildeten, im Laufe der Jahrmilliarden Jahre durch geologische, chemische sowie biologische Prozesse ständig veränderte, blieb es in den Kometen im Urzustand erhalten.

Kometen sind zu klein und zu kalt, als dass irgendwelche Veränderungen auf ihnen stattfinden könnten. Und sie besitzen eine viel zu geringe Schwerkraft. Biologische, chemische und geologische Prozesse gelten als ausgeschlossen. Geringe Veränderungen könnten lediglich durch die kosmische Strahlung an der Oberfläche bzw. in geringer Tiefe ausgelöst worden sein.

Mit anderen Worten: In den Kometen ist die Materie aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems wie in einer kosmischen Tiefkühltruhe konserviert. Den überwiegenden Teil ihres Lebens verbringen sie in den äußeren Bereichen des Sonnensystems bei Temperaturen bis nahe am absoluten Nullpunkt. Wird einer dieser Brocken durch ein Ereignis abgelenkt und gerät auf eine sonnennahe Bahn, so bringt er Informationen aus einer Zeit vor 4,4 Milliarden Jahren mit.

Was bislang nur im Bereich Science-Fiction möglich war, soll nun mit Rosetta erprobt werden: Eine Reise, die uns in die Entstehungszeit des Planetensystems führt. Die Wissenschaftler hoffen, mit Rosetta die chemische Zusammensetzung des interstellaren Urnebels ermitteln zu können. Gelingt diese Aufgabe, kann man auf die Ursuppe und damit auf die Genese unseres Sonnensystems und die Entstehung der Erde schließen. Eine weitere existenzielle Frage – zugleich von großer philosophischer Bedeutung – ist damit berührt: Woher kommt das Leben auf der Erde?

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