Mars-Astronauten gesucht

15 Mai 2007

Auf dem Weg zum Mars – unter diesem Motto rekrutiert das Zentrum für Muskel- und Knochenforschung (ZMK) der Charité Berlin ab sofort „terrestrische Astronauten“ für die zweite Berliner BedRest-Studie, die im September 2007 anläuft. Die Langzeit-Liegestudie zur Vorbereitung zukünftiger bemannter Marsmissionen wird in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA durchgeführt.

Die Wissenschaftler vom Berliner ZMK untersuchen, wie sich die Schwerelosigkeit auf Skelett und Muskeln auswirkt. Vor allem aber soll mit der Studie eine Trainingsmethode überprüft und weiter erkundet werden, mit der sich der Muskel- und Knochenabbau bei Langzeitmissionen im All optimal verhindern lässt. „Die Studienteilnehmer leisten damit einen substanziellen Beitrag zur Realisierung des ersten bemannten Fluges zum Mars“, erläutert der Osteoporoseforscher Dieter Felsenberg, der die Studie leitet.

Simulierte Schwerelosigkeit durch Bettruhe

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Anstrengende Wochen für die Probanden: Mit dem Kopf nach unten

Dauerhafte irdische Bettruhe hat für den menschlichen Körper nahezu dieselben Folgen wie ein Langzeitaufenthalt im All. Dies gilt ganz besonders für den Bewegungsapparat.
Bei Bettlägerigen stellt sich – wie bei Astronauten – wegen dessen Minderbelastung nach einiger Zeit Muskel- und Knochenschwund ein. Wissenschaftler machen sich diese Parallelität zunutze, um in Bettruhestudien Schwerelosigkeit zu simulieren. Sie studieren die auftretenden physiologischen Veränderungen an „terrestrischen Astronauten“, denen zu diesem Zweck teils monatelanges Leben im Liegen verordnet wird.

Vibrationstraining gegen Muskel- und Knochenschwund

In der ersten Berliner BedRest-Studie 2003/2004 zeigte das Team um Felsenberg, dass sich mit einem speziellen Vibrations-Muskeltraining nicht nur der Muskel-, sondern auch der Knochenabbau im Bett oder im All effektiv verhindern lässt.
Die Hälfte der Studienteilnehmer trainierte – natürlich im Liegen – mit dem „Galileo Space“. Dieser speziell für den Einsatz in der Schwerelosigkeit entwickelte Space-Trainer simuliert im Prinzip das Stehen auf einem schnell wippenden Brett. Das Gerät erzeugt starke Vibrationen, die zu reflexhafter Muskelarbeit in den Beinen führen. Durch die erwirkte Erhaltung oder gar Zunahme der Muskelkraft erfährt auch der Knochen einen Stimulus nicht abzubauen.
„Was Muskel- und Knochenerhalt und auch Trainingseffizienz anbelangt, war die neue Trainingsmethode den bislang eingesetzten Trainingsystemen offensichtlich überlegen“, so Felsenberg. „Die zweite Berliner BedRest-Studie will mit noch kürzeren Trainingszeiten (30-60 sec/Tag) auskommen und demonstrieren, dass wirklich das Vibrationstraining den großen Unterschied macht.“

Marspioniere gesucht

Strenge Auslese: Fitness-Check für terrestrische Marspioniere

Zur Teilnahme an der zweiten BedRest-Studie sucht das ZMK der Charité Berlin ab sofort Männer zwischen 20 und 45 Jahren aus dem Raum Berlin/Brandenburg.
Interessenten müssen allerdings – wie echte Astronauten - ein anspruchsvolles medizinisches und psychologisches Auswahlverfahren bestehen, bevor sie sich als einer von 24 Marspionieren für die Weltraunmedizin ins Bett legen dürfen. Neben körperlicher und geistiger Gesundheit sind eine hohe Motivation, hervorragende Kritik- und Entscheidungsfähigkeit, gute Selbsteinschätzung sowie Teamgeist gefragt.

Den Bewerbern, die das Rennen schließlich machen, stehen 60 Tage nonstop in der Horizontalen bevor. Dabei werden die Füße etwas höher liegen als der Kopf. Mit dieser Kopftieflage von 6° lassen sich bestimmte Effekte der Schwerelosigkeit noch besser simulieren, beispielsweise die Flüssigkeitsverteilung im Körper. „Außerdem sorgt die Kopftieflage für eine optimale Vergleichbarkeit mit anderen Liegestudien der ESA“, so Felsenberg.
Damit jede größere Kraftentwicklung in den unteren Extremitäten vermieden wird, ist strikte Bettruhe oberstes Gebot. Alle Alltagsverrichtungen wie Essen, Duschen usw. finden im Liegen statt. Die terrestrischen Astronauten werden – von der Außenwelt isoliert – in Zwei- oder Dreibettzimmern in der Charité, Campus Benjamin Franklin, untergebracht. Sie müssen ein anspruchsvolles wissenschaftliches Untersuchungsprogramm über sich ergehen lassen, werden individuell betreut und rund um die Uhr videoüberwacht. Auf private persönliche Kontakte müssen sie während des gesamten virtuellen Fluges allerdings verzichten.
Den Studienteilnehmern winkt eine Aufwandsentschädigung von 8000 Euro pro Mann. Voraussetzung ist allerdings, dass sie die gesamte Studie absolvieren, inklusive einer Nachbeobachtung über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Bewerbungen

Informationen zu den Teilnahmebedingungen: www.charite.de/zmk/BBR2
Ernsthaft Interessierte melden sich bitte beim Zentrum für Muskel und Knochenforschung (ZMK) in Berlin:
Fon: +49 (0)30 8445-4261
Fax: +49 (0)30 8445-4741

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