Microjobbing - Neue Geschäftsmöglichkeiten mit Satellitentechnik

2 Mai 2013

Gegenwärtig macht das mobile Internet 13% des gesamten weltweiten Datenverkehrs aus. Allein 2012 stieg die Verbreitung von Smartphones in Deutschland um 42% Prozent.

Dr. Tobias Klug und Dr. Robert Lokaiczyk vom jungen Darmstädter IT-Start-Up "wer denkt was GmbH", Spin-Off der Technischen Universität Darmstadt und gefördert vom ESA Business Incubation Centre Darmstadt, erkannten in diesem Fortschritt die Möglichkeit einer besonderen Form des Crowdsourcings.

Die kostenlose Smartphone-Anwendung „AppJobber“ ermöglicht Nutzern das sogenannte MicroJobbing via Android oder dem Apple-Betriebssystem iOS.

Beim Microjobbing erledigen Smartphone-User kleine Aufgaben mit einem Zeitaufwand von nur wenigen Minuten und werden dafür mit Beträgen von mindestens 1 bis 2 Euro entlohnt. Die Aufträge bestehen in der Regel aus dem Übermitteln von Photos bestimmter Orte oder dem Beantworten von Fragebögen.

AppJobber informiert dabei die Nutzer mittels einer standortbezogenen Landkarte, ob in ihrem näheren Umkreis Aufträge vergeben sind, welche Tätigkeiten dabei anfallen, wie viel Belohnung sie einbringen und welche Zusatzfragen eventuell zu beantworten sind.

Somit ist der Handynutzer nicht mehr ausschließlich Konsument, sondern er kann auch mobil und flexibel seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

Deutsche Bahn lässt über 800 Auto- und Fahrradmietstationen überwachen

Unternehmen dient AppJobber als Plattform, auf der sie MicroJobs inserieren können, die dann von zehntausenden Smartphone-Nutzern gleichzeitig erledigt werden können.

Der entscheidende Vorteil für den Auftraggeber besteht in dem Wegfall von Reisezeit und den Kosten, die der Einsatz eigenen Personals mit sich bringen würde. Ganz nebenbei schont AppJobber damit auch noch die Umwelt.

Mit der Deutschen Bahn AG gewann AppJobber letztes Jahr einen namhaften Kunden. Die Bahn macht sich die stets einsatzbereite Crowd zunutze, um die mehr als 800 Auto- und Fahrradmietstationen in ganz Deutschland regelmäßig und kostensparend auf Vandalismusschäden, fehlende Hinweisschilder oder anderweitige Unregelmäßigkeiten zu überprüfen.

AppJobber wird bereits in einer Vielzahl von Bereichen eingesetzt

GALILEO
Galileo-Navigationssatelliten

Weitere Beispiele für die sinnvolle Nutzung von AppJobber bietet die folgende Übersicht:

  • Satellitennavigationsgeräte: Überprüfung und Aktualisierung von Beschilderungen und Ortspunkten im öffentlichen Straßenverkehr für Satellitennavigationsgerätehersteller
  • Branchen- und Firmenverzeichnisse: Photographieren von Ladengeschäften, Restaurants, oder Arztpraxen sowie die Kollektion von Zusatzdaten wie etwa Öffnungszeiten, Preise, Sortiment, Barrierefreiheit, Zahlungsmöglichkeiten et cetera
  • Web-Auftritte: Erstellung von Photos für Web-Auftritte, ohne dass die eigene Anreise notwendig ist
  • Vor-Ort-Preisrecherche: Vergleich von Preisen für den eigenen Bedarf oder im Handel zwecks Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz
  • Infrastrukturunternehmen: Regelmäßige Kontrolle, Überwachung und Funktionsprüfung von Infrastruktur mit weiträumiger geographischer Verteilung
  • Datenerhebung: Schnelle und kostengünstige Datenlieferung für die Einrichtung von Datenbanken
  • Marktforschung und Umfragen: Filterbare Platzierung von Umfragen an eine Crowd aus zehntausenden Smartphone-Nutzern
  • Marketing: Organisation spontaner Werbemaßnahmen wie Flashmobs oder die Kontrolle bereits laufender Promotion-Veranstaltungen

Zehntausende Aufgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz

AppJobber
Standortbezogene Anzeige der MicroJobs

Das vom ESA-Gründungsprogramm unterstützte Konzept von AppJobber erwies sich bislang mit Zehntausenden von Microjobs im deutschsprachigen Raum als recht vielversprechend und soll nach den Planungen der „wer denkt was GmbH“ auf ganz Europa ausgedehnt werden.

Seit kurzem ist die App auch in Italien und Finnland verfügbar.

„Zukünftig soll der AppJobber zur führenden Plattform werden, die Jobber und Unternehmen zusammenbringt, um einen echten Mehrwert für beide Seiten zu schaffen.“, prognostiziert                           Geschäftsführer Dr. Tobias Klug.

Gründungsförderung der ESA

Als Teil des ESA-weiten Technology Transfer Programs (TTP), wird das ESA Business Incubation Centre Darmstadt (ESA BIC) durch das Centrum für Satellitennavigation Hessen (cesah) betrieben.

Im Jahre 2006 wurde es von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und dem Land Hessen ins Leben gerufen, um erfolgversprechende Startup-Unternehmen auf dem Feld der Satellitennavigation zu unterstützen. Es betreut zur Zeit 36 Unternehmen in Darmstadt und der näheren Umgebung.

Sieben weitere ESA BICs sind in Bayern, den Niederlanden, Italien, Großbritannien und Belgien etabliert.

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.