Nächste Station: Lutetia

Rosetta auf der "Jagd" nach Asteroiden

Nicht die Liebe – Lutetia ist der antike Name von Paris – sondern ein handfester Forschungsauftrag führt Rosetta am 10. Juli 2010 in die Nähe des Asteroiden Lutetia, der sich im Hauptasteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befindet. Der ESA-Kometenjäger soll sich bis auf 3200 Kilometer dem Geheimnis umwobenen Objekt nähern.

Der kosmische Camembert

Der Himmelskörper lässt sich von der Erde aus nur mit größtem Aufwand und neuesten Technologien beobachten. Mit etwa 134 x 101 x 93 Kilometern ist Lutetia zwar recht groß, aber weit entfernt. Seine Umlaufbahn um die Sonne beträgt etwa 2,45 astronomische Einheiten und damit das 2,45fache des Abstands zwischen Erde und Sonne.
Der Asteroid wurde schon 1852 als 21. Exemplar entdeckt, konnte aber über viele Jahrzehnte nur als Lichtpunkt wahrgenommen werden. Erst in letzter Zeit gelangen Aufnahmen an den Keck-Teleskopen in 4200 Meter Höhe sowie mit dem in der chilenischen Atacamawüste in 2635 Meter Höhe gelegenen Very Large Telescope (VLT). Sie sind mit Adaptiver Optik ausgestattet und können die atmosphärischen Störungen ausgleichen. Nach der ersten Auswertung der Bilder beschreiben die Wissenschaftler den Gesteinsbrocken als „Ecke eines kosmischen Camemberts“. Analysen der Aufnahmen deuten darauf hin, dass Lutetia einen gewaltigen Krater besitzen muss.

Unbekannt ist hingegen die chemische Zusammensetzung des Himmelskörpers. Die meisten Messungen lassen einen C-Typ vermuten. Also einen Asteroiden, der aus Kohlenstoffverbindungen besteht. Andere Untersuchungen führten zu der Annahme, dass es sich um einen metallreichen M-Typ handeln könnte. Die weltweite Forschergemeinde wartet deshalb gespannt auf die Fotos und Messdaten von Rosetta.

Live-Show eines Rendezvous

Das Bodenkontrollteam am ESOC in Darmstadt bereitet den großen Showdown am 10. Juli bereits seit Wochen vor.
Seit Ende Mai sind die beiden Navigations- sowie die OSIRIS-Kameras an Bord von Rosetta auf das begehrte Ziel gerichtet. Auf diese Weise sollen Navigationsdaten gewonnen werden, um den optimalen Kurs der Raumsonde bestimmen zu können. Gegebenenfalls könnte Rosetta dann noch erforderliche Kurskorrekturen vornehmen.
Bei der nur ungenau bekannten Form und Position von Lutetia kann es durchaus erforderlich sein, im letzten Moment auch noch ein Feintuning vorzunehmen. So soll sichergestellt werden, dass bei der größten Annäherung für rund zwei Stunden ausführliches Bildmaterial gewonnen werden kann.

Rosetta kann dieses Mal nahezu ununterbrochen 36 Stunden Kontakt mit den Bodenstationen halten. Damit sind die Wissenschaftler „live“ dabei, denn Bilder und Daten werden sofort zur Erde übertragen. Die ersten Bilder sollen noch am gleichen Abend veröffentlicht werden.
Zum Einsatz kommt auch das MIRO-Instrument – Microwave Instrument for the Rosetta Orbiter. Mit ihm kann die Nachtseite des Asteroiden im infraroten Bereich erkundet werden.
Kurzum: ESA-Forscher und Flugingenieure am ESOC in Darmstadt haben alles getan, um Lutetia rund um die Uhr zu überwachen und dem Asteroiden das – vorläufig – letzte Geheimnis abzuringen.

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.