Nationales Forum für Fernerkundung und Copernicus 2014

17 April 2014

Mit einer Rekordbeteiligung von mehr als 300 Teilnehmern endete am 10. April in Berlin das „Nationale Forum für Fernerkundung und Copernicus“. Die dreitägige Veranstaltung diente dem Dialog zwischen deutschen Anbietern und Anwendern von Erdbeobachtungsdaten. Sie bot Gelegenheit, sich in zahlreichen Fachworkshops und Diskussionsrunden intensiv auszutauschen. Mehrere Anwendungsseminare sowie eine Ausstellung rundeten die Veranstaltung ab.

Hinter dem „Nationalen Forum“ verbirgt sich eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe. Sie stand in diesem Jahr unter dem Motto „Erdbeobachtung für Mensch und Umwelt“. Gastgeber waren das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das Innenministerium (BMI) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Nachhaltiges und globales Sensornetzwerk

Prof. Dr. Volker Liebig

Das Forum stand ganz unter dem Eindruck des Starts von Sentinel-1A am 3. April. Prof. Volker Liebig, ESA-Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, kennzeichnete das Ereignis als einen „Wendepunkt“ in der Erdbeobachtung. Er stellte die aus sechs Gruppen bestehende Satellitenfamilie Sentinel vor, die als dauerhafter Datenlieferant neue Standards in der globalen Umweltbeobachtung setzen soll. Eine weiterentwickelte zweite Satelliten-Generation wird sich nahtlos anschließen.

Die Stärke des im Aufbau befindlichen und auf mehrere Jahrzehnte ausgelegten Systems Copernicus sei auf die enge Verzahnung von Fernerkundungsdaten aus dem Weltraum mit In-situ-Messdaten von der Erdoberfläche zurückzuführen, so Liebig. Auf diese Weise entstehe ein „nachhaltiges Netzwerk von globaler Bedeutung“.

Umweltdaten für interessierte Bürger kostenlos nutzbar

Ein wichtiges Feld der Marine-Anwendungen ist die Detektion von Ölverschmutzungen

Die Daten des aus Steuermitteln finanzierten, von der Europäischen Kommission in Partnerschaft mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Europäischen Umweltagentur EEA getragenen Programms Copernicus, stehen allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

Damit können Unternehmen innerhalb und außerhalb Europas ihre Geschäftsfelder auf- und ausbauen. Liebig verglich das Prinzip mit den Navigationssatelliten: „Auf der Basis der frei verfügbaren Navigationssignale sind im Laufe der Jahre viele Unternehmen entstanden, die das Signal als Geschäftsgrundlage nutzen." Dieser wirtschaftliche Erfolg soll mit Copernicus wiederholt werden.

Deshalb gilt es, Europas Leuchtturmprojekt in Deutschland auf breite Schultern zu stellen und dafür potentielle Anbieter und Nutzer, von Behörden über Forschungsinstitutionen bis zu jungen Start-Ups zu interessieren. Denn, so Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMVI, „Deutschland spielt eine Vorreiterrolle bei der Fernerkundung. Es ist technisch führend auf diesem Gebiet.“

Mit Copernicus soll die Unabhängigkeit Europas bei der Gewinnung satellitengestützter Informationen angestrebt werden, weil „ein freier Zugang zu den Daten das Schlüsselelement einer prosperierenden Wirtschaft ist“, so Bär.

Breit gefächerter Nutzen und 80 000 Arbeitsplätze in Europa

Der Urban-Atlas ist ein Produkt, das die Daten des Copernicus-Programms nutzt.

Das bestätigte Dr. Gerd Gruppe, DLR-Vorstand für das Raumfahrtmanagement, der Copernicus als das ambitionierteste Erdbeobachtungsprogramm zur Erkundung und Überwachung unseres Heimatplaneten kennzeichnete. Es sei „weltweit erstmalig und einmalig“, zudem marktorientiert und würde „in Europa etwa 80 000 Arbeitsplätze schaffen“.

Das soll durch die Einbindung der immer breiter werdenden Nutzerinteressen in das System gelingen. Auf dem Forum wurden entsprechende Projekte, Dienstleistungen und Produkte vorgestellt:  

  • Überwachung der Wasserqualität von Flüssen und Seen
  • Erfassung der Auswirkungen des Klimawandels
  • verbesserte Gesundheitsprävention durch Überwachung und Vorhersage der Luftqualität (Hautkrebs, Allergien, Asthma)
  • Thematischer „Urban Atlas“ bietet Stadtplanern präzise Daten für eine Vielzahl deutscher Städte
  • Beobachtungsdienste für ein besseres Abfallmanagement auf lokaler Ebene
  • Landwirtschaft: optimiertes Wassermanagement durch Überwachung der Bodenfeuchteschwankungen
  • Ernteprognosen
  • Forstwirtschaft: Rasche und genaue Informationen über das Ausmaß von Waldschäden
  • Überwachung der Landnutzungsentwicklung
  • Warnung vor Erdrutschen und Bodenabsenkungen
  • Beobachtungen hochwassergefährdeter Küstenebene
  • Maritime Sicherheit: Vermeiden von Schiffskollisionen, Aufspüren von Eisbergen, Auffinden entführter Schiffe, Aufdecken illegaler Aktivitäten wie das Verklappen von Öl

Weitere Beispiele finden Sie in einem Special über das Copernicus-Programm.

Erdbeobachtungssatelliten wie Sentinel dokumentieren kontinuierlich den dynamischen Zustand der Erde. Je länger und genauer dies geschieht, desto besser lassen sich Veränderungen feststellen und Entwicklungstendenzen ablesen. Copernicus mit seinen Sentinel-Satelliten steht daher eine große Zukunft bevor.

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