Norddeutsche Oberstufen

Die EPS-Oberstufe der Ariane 5

Auch EADS Astrium in Bremen liefert entscheidende Beiträge für das Ariane-Programm der ESA. Hier entstehen vor allem die Strukturen für die Oberstufen der Trägerraketen.
In Bremen wird seit 1974 für das Ariane- Programm gearbeitet. In jenem Jahr erhielt das damals noch unter dem Namen ERNO Raumfahrttechnik firmierende Unternehmen den Auftrag zur Entwicklung der Strukturen für die zweite Stufe, des Wasserstofftanks und der Integration der Baugruppen. Beim Jungfernflug der Ariane 1 an Heiligabend 1979 bewährten sich die Systeme aus Bremen mit Bravour und nach dem Start der Serienproduktion begannen recht schnell auch die Arbeiten zur Leistungssteigerung an den Komponenten für die Folgeversionen Ariane 2 bis 4.

Mit Bremer Stufen zielgenau ins All

1982 folgte der Auftrag zur Entwicklung von Flüssigtreibstoff-Zusatzraketen für die Ariane 4. Die ersten dieser Booster bestanden am 15. Juni 1988 erfolgreich ihre Feuertaufe. Bis zur Außerdienststellung der Ariane 4 am 15. Februar 2003 gab es mit ihnen keinen einzigen Versager.

Auch die zweite Stufe hatte sich durch ihre hohe Zuverlässigkeit ausgezeichnet. Das gab den Ausschlag, den Entwicklungsauftrag für die Ariane 5-Oberstufe 1987 erneut an Bremen zu vergeben. Der zweiten Ariane 5-Stufe fällt die Aufgabe zu, nach der Abtrennung von der Hauptstufe die Nutzlasten zielgenau auf den gewünschten Positionen in der Erdumlaufbahn auszusetzen. Auch geringe Fehlfunktionen dieser Stufe können also über Erfolg oder Misserfolg einer Mission entscheiden.
Wegen des Fehlstarts der ersten Ariane 5 am 4. Juni 1996 konnte die neue Oberstufe ihre Einsatzbereitschaft erst am 30. Oktober 1997 unter Beweis stellen. Dann aber, wie auch bei den Folgeflügen, zur vollsten Zufriedenheit. Eine veränderte Version brachte im März 2008 auch den europäischen ISS-Frachter ATV auf Kurs in Richtung ISS.

ECA - Neue kryogene Oberstufe

Die leistungsstarke Oberstufe ECA

Das 1995 von der ESA aufgelegte Programm zur Leistungssteigerung der Ariane 5 sah in einem seiner Kernbereiche die Entwicklung einer neuen Oberstufe (der ECA-Stufe) vor. Sie sollte auf kryogener Antriebstechnik basieren, d. h. mit tiefkalten, hochenergetischen Treibstoffen – hier Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff - arbeiten und natürlich „Made in Bremen“ sein. Der Umgang mit derartigen Treibstoffen ist, obwohl inzwischen seit Jahren Erfahrungen damit bestehen, nicht ganz unproblematisch. So können Ventile schnell vereisen und es ist darauf zu achten, dass die Komponenten Wasserstoff und Sauerstoff nicht vor der Zündung des Triebwerks zusammenkommen (Knallgasbildung). Sowohl an die Fertigungstechnologie als auch an die Sicherheitseinrichtungen werden deshalb in diesem Bereich hohe Anforderungen gestellt.

Auch diesmal konnte die neue Oberstufe erst bei der zweiten Mission am 12. Februar 2005 zeigen, was in ihr steckte, da der Erstflug der neuen Ariane 5 ECA am 12. Dezember 2002 scheiterte.

Neben den Oberstufen ist Bremen seit Oktober 2005 auch für die Strukturen der Steuerungseinheit der Ariane 5 verantwortlich. 2007 kam noch die Triebwerksaufhängung hinzu, sodass jetzt das gesamte obere Segment der Rakete in der Stadt an der Weser integriert wird.

Neue Oberstufe mit Vinci

Der Strukturring VEB mit der Steuerungselektronik der Ariane

Zur Optimierung der Produktionsprozesse und damit der Senkung der Kosten baute EADS Astrium neben dem neuen Ottobrunner Triebwerks-Fertigungszentrum in Bremen ein modernes Ariane-Logistikzentrum für vier Millionen Euro. das im Juli 2008 seinen Betrieb aufnahm. Damit wurde einerseits der Produktionsausstoß erhöht, andererseits der zunehmenden Aufgabenfülle Rechnung getragen. Denn inzwischen arbeiten die Bremer bereits an einer neuen kryogenen Oberstufe mit dem wiederzündbaren Vinci-Triebwerk. Es soll bei der Ariane 5 ME zum Einsatz kommen. Das künftige ESA-Flaggschiff wird eine höhere Nutzlastkapazität besitzen und ab 2016 einsatzbereit sein.

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