Polarforschung: gestern – heute – morgen

19 März 2006

Am 29. März lädt das Odenwaldmuseum in Michelstadt zu einem wichtigen Event der Polarforschung ein. Im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Vortragsveranstaltung und einer Sonderausstellung steht die Geschichte der Erkundung der Polarregionen - von der erdgebundenen Forschung zur satellitengestützten Beobachtung aus dem All. Die ESA unterstützt den Event mit Space-Hardware „zum Anfassen“.

Der Name Carl Weyprecht dürfte vielen noch ein Unbekannter sein. Carl Weyprecht, der Entdecker des Franz-Joseph-Landes in der Arktis, steht im Mittelpunkt einer umfangreichen Ausstellung zur Entwicklung der Polarforschung, die vom 29. März bis zum 6. August 2006 anlässlich seines 125. Todestages in Michelstadt im Odenwald veranstaltet wird. Am ersten Tag der Ausstellung wird es auf dem Areal des Odenwaldmuseums einen „Carl-Weyprecht-Tag“ mit Vorträgen zur „Polarforschung gestern – heute – morgen“ geben.

Carl Weyprecht: Deutschlands Pionier der erdgebundenen Polarforschung

Carl Weyprecht
Carl Weyprecht

Der 1838 in Darmstadt geborene Carl Weyprecht gehörte zu den Initiatoren des ersten Internationalen Polarjahres 1882, bei dem 14 Polarstationen eingerichtet wurden. Er gilt als Begründer und Visionär der modernen Polarforschung. Schon im 19. Jahrhundert vertrat er die – heute allgemein anerkannte – Auffassung, dass die Polarregionen wesentliche Auswirkungen auf den gesamten Planeten haben.

Gegenwärtig wird das vierte Internationale Polarjahr 2007 vorbereitet, an dem mehr als 50 000 Wissenschaftler aus 60 Nationen teilnehmen, die unterschiedlichste Disziplinen vertreten. Ein Schwerpunkt des Projektes ist der Einfluss der Polarregionen auf das weltweite Klima und die Folgen des aktuellen Klimawandels.

Deutschland wird sich am Polarjahr in vielfältiger Weise von der Erde und aus dem All beteiligen. 2008 soll eine neue hochmoderne Antarktisstation „Neumayer III“ in Betrieb gehen. „Neumayer III“ wird unweit der alten deutschen Station auf dem Ekström Schelfeis nahe der Atka-Bucht errichtet (70.41° südl. Breite, 8.16° westl. Länge), um die Kontinuität der laufenden Forschung zu gewährleisten.

ESA: Europas Pionier der satellitengestützten Polarforschung

Envisat über der Erde

Aufgrund der gewaltigen Größe von Arktis und Antarktis sind fundierte flächendeckende Kenntnisse über Wechselwirkungen zwischen Eis, Ozean und Atmosphäre am unwirtlichsten Ort der Erde nur über Satelliten möglich.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat sich frühzeitig diesen Herausforderungen gestellt. 1991 begann sie mit dem Satelliten ERS 1 ein sehr erfolgreiches globales Erkundungsprogramm, dem 1995 der Ozonwächter ERS 2 sowie 2002 Europas Umweltsatellit Envisat folgten.

Der 25 Meter hohe, 10 Meter breite und 8 Tonnen schwere Envisat erfasst als erster Satellit die vielgestaltige Umwelt komplex. Die hervorragende Vergleichbarkeit der Daten bildet zugleich die entscheidende Voraussetzung für das Erkennen von Prozessabläufen auf der Erde. Zudem ist er mit guten Augen ausgestattet. Seine zehn Instrumentensysteme bieten alles, was sich Wissenschaftler im Einsatz des von Umweltgefahren bedrängten Heimatplaneten wünschen. Das hochauflösende Radar ermöglicht zudem tageszeit- und wetterunabhängige Aufnahmen. Dem Späher aus dem All entgeht damit so gut wie nichts.

Im Rahmen ihres Programms „Living Planet“ bereitet die ESA in den nächsten Jahren den Start einer größeren Zahl spezialisierter Erdbeobachtungssatelliten vor, darunter auch den neuen Eisforschungssatelliten CryoSat 2 (2009). Auch darüber wird am „Weyprecht-Tag“ berichtet.

Odenwald-Museum: Sonderausstellung über drei Ebenen

Gleich im Eingangsbereich kann sich der Besucher mit der Polarforschung von heute vertraut machen. Aktuelle Ausrüstungsgegenstände vermitteln ein hautnahes Bild vom Leben, Forschen und Überleben in der unwirtlichen Welt.
In der ersten Etage sind historische Schätze von den Anfängen der Polarforschung zu bewundern, einmalige Leihgaben verschiedener Museen und Organisationen. In der 2. Etage erlebt der Besucher unter einem künstlichen Sternenhimmel die moderne satellitengebundene Beobachtung der Polarregionen. Schautafeln zur Raumfahrt und Weltraumforschung sowie Modelle des Umweltsatelliten Envisat oder Europas größter Trägerrakete Ariane 5 führen den Besucher von der Überwachung des Planeten Erde in die unendlichen Weiten des Universums und seine vielen Geheimnisse.

Öffnungszeiten der Ausstellung

POLARFORSCHUNG: GESTERN – HEUTE – MORGEN
29. März bis 6. August 2006, Montag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr
im Odenwaldmuseum, Einhartspforte 3, 64720 Michelstadt
Tel.: 06061- 706139

„Weyprecht-Tag“

Anlässlich des 125. Todestages von Carl Weyprecht wird von der „Akademie für lebenslanges Leben“ gemeinsam mit der „Deutschen Gesellschaft für Polarforschung“ der Weyprecht-Tag am 29. März 2006 von 9.30 bis 17.30 Uhr ausgerichtet. Die Veranstaltung findet, wenige Meter vom malerischen Odenwald-Museum entfernt, im historischen Gemäuer des Schenkenkellers statt.
Auf dem Tagungsprogramm stehen spannende Vorträge und Videopräsentationen, bei denen Polarforschung und Weltraumwissenschaften auf unterschiedlichste Weise die Erde erklären.
Detaillierte Informationen zum Tagungsprogramm: www.vhs-odenwald.de

Interessenten, die am „Weyprecht-Tag“ teilnehmen möchten, werden gebeten, sich anzumelden bei:
Akademie für lebenslanges Lernen
Frau Wilhelm
Telefon (0 60 62) 952-131
Fax (0 60 62) 952-29
E-Mail: wilhelm @ vhs-odenwald.de

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