Raumfahrttechnologie filtert gefährliche Mikroben aus der Luft

Space technology eliminates hazardous germs in hospitals
Raumfahrttechnologie gegen gefährliche Keime in Krankenhäusern
15 Juli 2004

Was einst zur Reinigung der Luft an Bord von Raumstationen entwickelt wurde, soll nun in Krankenhäusern Pilze, Bakterien, Sporen und Viren aus der Luft filtern und zerstören. Selbst für Erkrankungen wie SARS, Ebola, Pocken, Tuberkulose und Milzbrand verantwortliche Mikroorganismen lassen sich durch diese komplexe Technologie beseitigen.

Die meisten Mikroorganismen in unserer Umgebungsluft stellen keine große Gefahr für gesunde Menschen dar, können aber für Personen mit geschwächtem Immunsystem äußerst bedrohlich sein. Mit der Raumfahrttechnologie 'Plasmer TM ' steht nun eine innovative Lösung zur Verfügung, die bereits in mehreren europäischen Krankenhäusern für saubere Luft sorgt.

The intensive care unit, Calmette hospital in Lille, France
Intensivstation

Plasmer TM ist ein Mehrphasen-System. Mithilfe von starken elektrischen Feldern und Kaltplasma-Kammern zerstört es in der Luft befindliche Mikroben. Diese Technik hat das Unternehmen AirInSpace mit Unterstützung des Technology Transfer and Promotion Office der ESA in eine mobile Schutzeinheit für den Einsatz in Krankenhäusern und Notfallszenarien gepackt. Einheiten, die es ermöglichen, ohne großen Aufwand Reinräume zu erzeugen.

"Dank der speziellen Plasmer-Technologie ist es uns gelungen, eine neuartige Lösung zur Bereitstellung sauberer Luft zu entwickeln, durch die mehr als 99,9 % der Mikroorganismen zerstört werden. Dieses Ergebnis wird den besonderen Anforderungen immungeschädigter Patienten in Krankenhäusern gerecht," so Laurent Fullana, Generaldirektor von AirInSpace.

ImmunairTM protective 'tent'
Schutzzelt

"In unserem 'Immunair TM '-System kommen fünf Plasmer-Reaktoren zum Einsatz, die ein keimfreies Reinluftzelt über dem Patientenbett erzeugen. Der primäre Anwendungsbereich des Systems sind die Immunhämatologie, die Reanimation sowie Krebs- und Transplantationsstationen in Krankenhäusern. Außerdem haben wir eine kleinere Version, 'Cool Plasmair', ohne Zelt entwickelt, die für weite Bereiche von Krankenanstalten geeignet ist, in welchen die Gefahr von Kreuzinfektionen besteht."

Seit Anfang 2001 wurde das System in fünf Krankenhäusern über jeweils 12 Monate getestet. Dr. Svetlana Challier des Hôpital Necker in Paris: "Mit Immunair kann der Bakteriengehalt in der Luft bedeutend verringert werden."

Space technology protects patients
Raumfahrttechnologie zum Schutz von Patienten

Ein weiterer Anwender des Systems, Professor François Demeocq des CHU/Hôtel-Dieu in Clermont-Ferrand, berichtet: "Der biologische Schutz durch das Immunair-System ist sehr zufrieden stellend und selbst für den Bedarf von Kindern, deren Immunsystem in Folge von Chemotherapien stark beeinträchtigt ist, gut geeignet. Es könnte ebenso zum Schutz von Transplantationspatienten eingesetzt werden."

Demeocq weiter: "Den Kindern und ihren Eltern schenkt dieses Gerät einen besseren Alltag. Es ermöglicht den emotionellen Kontakt, der für diese Kinder, die sehr lange Zeit isoliert bleiben, ungeheuer wichtig ist."

Mir space station
Raumstation MIR

Die Plasmer TM -Technologie für die biologische Reinigung der Luft an Bord von bemannten Raumschiffen wurde Anfang der neunziger Jahre von einem Team russischer Wissenschaftler entwickelt. 1997 wurde die russische Raumstation MIR mit Plasmer-Reaktoren ausgestattet, die sowohl die Kosmonauten als auch die elektronischen Anlagen wirkungsvoll vor Bakterien, Viren und Pilzbefall schützten.

Cosmonaut Nikolai M. Budarin near air cleaner on ISS
Kosmonaut Budarin in der Nähe der Luftaufbereitungsanlage

Im April 2001 wurden Plasmer-Reaktoren in den russischen Segmenten der internationalen Raumstation installiert, um auch dort für mikrobenfreie Luft zu sorgen. Jetzt hat Plasmer den Weg zur Erde gefunden und bietet Schutz für immungeschädigte Patienten in Krankenhäusern.

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