Rosetta nimmt Zielasteroiden ins Visier

Asteroid Steins, aufgenommen von Rosettas OSIRIS-Kamera am 7. und 11.08.08
18 August 2008

Am 14. August führte die Sonde Rosetta ein erfolgreiches Bahnkorrekturmanöver durch, das erstmalig auf Daten der optischen Verfolgung einer Asteroidenbahn basierte. Bilder der Bordkamera wurden genutzt, um die Position des Asteroiden (2867) Steins zu berechnen und die Flugbahn der Sonde für die geplante Begegnung mit ihm Anfang September zu optimieren.

Rosettas erstes großes Korrekturmanöver in der Annäherungsphase wurde durchgeführt, als die Sonde knapp 17 Millionen km von Steins entfernt war. Ihre Triebwerke zündeten um 13:42 MESZ für ungefähr 2 Minuten. Dadurch wurde eine Änderung in Rosettas Geschwindigkeit von 12.8 cm pro Sekunde relativ zu Steins erreicht.

Diese relativ geringe Änderung reicht schon aus, um die Distanz während des Vorbeiflugs an Steins am 5. September um 250 km zu korrigieren. Ohne dieses Manöver hätte die Flugbahn der Sonde zum Zeitpunkt der größten Annäherung zu nah an den Asteroiden heran geführt. Aus steuerungstechnischen Gründen sollte Rosetta nicht näher als 800 km an Steins herankommen.

Regelmäßige Aufnahmen

Rosettas Vorbeiflug an Steins - grafische Darstellung

Rosettas wissenschaftliche Kamera OSIRIS (Optical, Spectroscopic, and Infrared Remote Imaging System) und ihre Navigationskameras haben am 4. August begonnen, zweimal pro Woche Bilder von Steins aufzunehmen, insgesamt bereits 52. Die Spezialisten für Flugdynamik im ESA-Kontrollzenrum ESOC in Darmstadt benutzten diese um die Triebwerkszündung am 14. August zu berechnen. Die optische Bahnverfolgung von Steins wird noch bis 22. August zweimal pro Woche fortgesetzt und zwischen 25. August und 4. September sogar täglich erfolgen - wenn der Asteroid näher ist.

"Je näher wir Steins kommen, desto präziser wird unsere Kenntnis seiner Position relativ zu Rosetta sein," so Trevor Morley, Leiter des Rosetta Flugdynamik-Teams im ESOC in Darmstadt. "Dank der Rosetta Kameras werden wir immer präzisere Messungen bekommen, die uns erlauben, Rosettas Orbit gegebenenfalls noch einmal zu justieren um einen optimalen Vorbeiflug am Asteroiden zu gewährleisten."

Mögliche Zeitfenster für Bahnkorrekturmanöver vor dem Rendez-vous mit Steins gibt es am 28. August, 2., 4. and 5. September.

Außergewöhnlich gute Resultate

Laut Andrea Accomazzo, Rosetta-Flugleiter im ESOC, liefert die optische Navigationsprozedur bislang außergewöhnlich gute Resultate, die die Erwartungen weit übertreffen.

Steins, aufgenommen von Rosettas Navigationskamera "A" am 04.08.08

"Beide Navigationskameras an Bord der Sonde konnten den Asteroiden bereits vom Beginn der aktuellen Bahnberechnung an sehen, obwohl die Distanz zu Steins noch sehr groß war. Das hatten wir nicht erwartet," so Accomazzo.

"Die außergewöhnliche Qualität der wissenschaftlichen OSIRIS- Kamera - besonders ihre Winkelauflösung - hat uns wie erwartet sehr akkurate Daten geliefert und unsere Flugbahnberechnungen sehr präzise gemacht."

Rosettas optische Bahnverfolgung ist ein wichtiger Meilenstein im Bereich der ESA-Satellitenkontrolle. "Wir haben zum ersten Mal überhaupt optische Instrumente an Bord einer wissenschaftlichen Sonde für deren Navigation benutzt, normalerweise dienen dazu Techniken, die auf der Analyse von Radiosignalen basieren" sagt Morley. "Die guten Resultate machen uns Mut und wir freuen uns darauf, diese Technik in Zukunft wieder zu benutzen, wenn es möglich ist."

Die optische Bahnverfolgung von Steins wird noch bis zum Vorbeiflug am 5. September um 20:58 MESZ weiter geführt.

Weitere Informationen erteilen:

Andrea Accomazzo, ESA Rosetta Spacecraft Operations Manager
email: Andrea.Accomazzo [@] esa.int

Gerhard Schwehm, ESA Rosetta Mission Manager
email: Gerhard.Schwehm [@] esa.int

Rita Schulz, ESA Rosetta Project Scientist
email: Rita.Schulz [@] esa.int

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