Rosetta stellt ESA vor neue Herausforderung

Rosetta swings by Earth
27 Januar 2003

Nach der anfänglichen Enttäuschung über die Verschiebung der Mission Rosetta hat der Wissenschaftsdirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), David Southwood, seine feste Entschlossenheit bekundet, die Verzögerung als Herausforderung zu betrachten und diese Herausforderung anzunehmen.

Ausdrücklich lobte er die an der Mission beteiligten Wissenschaftler, Ingenieure und Industrieteams: „In problematischen Situationen wie dieser sind das die Leute, die man um sich herum haben will, weil sie den Pioniergeist und die Hingabe von Weltraumforschern besitzen“. Rosetta ist und bleibt eins der ehrgeizigsten interplanetaren Forschungsvorhaben, die je unternommen wurden: Mit ihrer einzigartigen Kombination aus Orbiter und Landegerät ist sie die weltweit komplexeste Kometenmission.

Die Entscheidung, den Start von Rosetta - für den innerhalb des errechneten Startfensters alles bereit war - zu verschieben, wurde gemeinsam von der ESA und Arianespace getroffen. Der Start wird nun frühestens in einem Jahr stattfinden. Unterdessen wird das Ariane-5-Programm einer eingehenden Überprüfung unterzogen. Die ESA ist zuversichtlich, daß Arianespace sachgerechte Qualifikations- und Überprüfungsverfahren für das Ariane-5-System gewährleisten wird.

Rosetta’s orbiter
Rosetta’s orbiter

Ihr ursprüngliches Ziel, den Kometen Wirtanen, kann Rosetta nicht mehr erreichen. Das Rosetta-Team hält nun nach geeigneten anderen Kometen Ausschau, die Rosetta nach einem Start innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre anfliegen könnte. Für die Auswahl sind drei Kriterien entscheidend: höchstmögliche wissenschaftliche Ausbeute, minimale technische Risiken für die Sonde und möglichst genaue Abschätzung der notwendigen Zusatzfinanzierung.

Die durch die Startverzögerung verursachten Mehrkosten werden gegenwärtig auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt. Eine Liste in Frage kommender anderer Kometen wird dem Ausschuß für das Wissenschaftsprogramm (SPC) in dessen Sitzung am 25./26. Februar zu ersten Beratungen über ihre Eignung vorgelegt; die endgültige Entscheidung über den neuen Zielkometen und das Missionsprofil wird spätestens für Mai dieses Jahres erwartet.

Die Rosetta-Mission wird also anders laufen als geplant. Projektwissenschaftler Gerhard Schwehm läßt sich hiervon jedoch nicht entmutigen: „Während der zehn Jahre, in denen Rosetta entwickelt und gebaut wurde, hat es eine ganze Reihe von Schwierigkeiten gegeben, die alle bewältigt worden sind, und wir werden uns auch dieser neuen Herausforderung mit Entschlossenheit und Enthusiasmus stellen und sie letztendlich erfolgreich meistern“, so Schwehm.

Artist's impression of the Rosetta orbiter and lander

Die Sonde selbst muß nun erst einmal unter sicheren, d.h. vor allem Reinheitsbedingungen, eingelagert werden. Die Ingenieure werden ihre Batterien und die Harpune des Landegeräts ausbauen und die Treibstofftanks leeren. „Die Sorgfalt, mit der die Sonde gebaut wurde, wird nun auch auf ihre Aufbewahrung angewandt, so daß sie in optimalem Zustand gestartet werden kann, wenn es soweit ist“, so Projektleiter John Ellwood.

Zwar ist das Rendezvous zwischen Rosetta und Wirtanen geplatzt, aber in Kürze wird ein neuer Schweifstern gefunden sein, dessen Name den europäischen Kometenforschern bald ebenso geläufig sein wird wie Wirtanen.

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