Roter Thunfisch durch die "Deepwater Horizon"-Katastrophe schwer getroffen

Ausmaß des Ölteppichs Mitte Mai
22 Oktober 2010

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hätte sich für den roten Thunfisch zu keinem schlimmeren Zeitpunkt ereignen können: Die Fische waren in dieses Gebiet gekommen, um zu laichen. Satelliten helfen, das Ausmaß der Katastrophe auf dieses Laichgebiet einzuschätzen.

Der majestätische atlantische rote Thun, einer der Fische, dessen Größe die Ausmaße eines VW Käfers erreichen kann, kommt jedes Jahr von Januar bis Juni in den Golf von Mexico. Die Hauptlaichzeit im Golf ist im April und Mai, genau zu dem Zeitpunkt, als sich nach der Explosion d–er Deepwater Horizon-Bohranlage am 20. April um die 10 Millionen Liter Öl täglich in den Golf ergossen.

Der für den Handel wertvolle Fisch laicht im Oberflächenwasser, wo die weiblichen Fische ihre Eier hinterlassen, die anschließend von den Männchen befruchtet werden. Öl an der Wasseroberfläche stellt eine potentielle Gefahr für die Eier, die Larven und sogar die ausgewachsenen Fische dar. Da in den letzten 30 Jahren die Laichbestände des westatlantischen Thunfischs um 82% gesunken sind, ist eine ungestörte Vermehrung unerlässlich.

Im Golf gibt es zwei zentrale Laichgebiete: eines im Nordwesten und eines im Nordosten, welche sich teilweise mit dem verunreinigten Gebiet decken.

Impact of oil spill on tuna spawning habitats
Auswirkung des Öls auf die Laichgebiete

Um diese Laichgebiete zu schützen, musste die „Ocean Foundation“, eine gemeinnützige Organisation, deren Aufgabe der Schutz der Ozeane ist, herausfinden, welche Lebensräume im nordöstlichen Teil des Golfs am meisten betroffen waren.

Hierzu benötigte man die genauen Ausmaße des Ölteppichs und die Lage der Gebiete, die gute Voraussetzungen für das Laichen der Thunfische boten.

Auswirkung des Öls auf die Laichgebiete Radardaten des Envisat -Satelliten der ESA und anderer europäischer und internationaler Satelliten wurden zu Karten umgesetzt, die jede Woche Lage, Form und Größe des Ölteppichs zeigten.

Um die Entwicklung der Laichgebiete und der Larven des roten Thuns nachzuvollziehen, benutzten Wissenschaftler elektronisch markierte Thunfische und ein Ozeanmodell. Letzteres basiert auf Temperaturen der Wasseroberfläche, gemessen von Radaraltimetern an Bord von Envisat und Daten des Jason-Satelliten der NASA sowie Farbinformationen, gemessen von Envisats MERIS-Instrument und MODIS auf dem Aqua-Satelliten der NASA. Die Färbung desWassers kann ein Hinweis auf Plankton sein, von dem der Thunfisch sich ernährt.

Legte man Karten des Ölteppichs mit denen des “Laichgebietindexes” übereinander, konnte man sehen, wo und wie oft sich Ölteppich und Laichgebiete zwischen dem 20. April und 29. August überschnitten.

Affected shoreline
Betroffene Küstenlinie

Kurz nach dem Schlüpfen sucht eine Larve in der Nähe der Wasseroberfläche nach Futter, weshalb das Vorhandensein von Öl in solchen Gebieten für solch kleine Organismen tödlich sein kann.

Da sich das Gebiet des Ölteppichs mit den bevorzugten Laichgebieten am Ende der Brutzeit deckte, konnten die Forscher nachweisen, dass die Ölkatastrophe die Anzahl der Jungfische um mehr als 20% reduziert hat.

Glücklicherweise war das zentrale Laichgebiet im Westen nicht durch die Verschmutzung betroffen, wie man anhand von Satellitenbildern erkennen kann.

"Diese Analyse wird uns und unseren Kollegen helfen, unser Verständnis über solche Auswirkungen zu vertiefen und die Entwicklung von strengeren Verfahrensempfehlungen voranzutreiben”, sagt Dr. David Guggenheim von der Ocean Foundation.

"Sie stellt auch in Zukunft eine Hilfe dar, wenn sie Forschern und Entscheidungsträgern zur Verfügung steht, sollten wir jemals wieder mit einer vergleichbaren Umweltkatastrophe konfrontiert werden.“

Als das Leck der Deepwater Horizon am 15. Juli endlich gestopft war, hatten sich um die 750 Millionen Liter Rohöl in den Golf ergossen.

Erdbeobachtungssatelliten haben bei unserem Verständnis für diese Katastrophe eine entscheidende Rolle gespielt. Bereits wenige Tage nach der Explosion wurde die Situation überwacht und Daten in nahezu Echtzeit an die für die Aufräumarbeiten zuständigen US-Behörden übermittelt.

Nun helfen die Satelliten den Wissenschaftlern, die dringlichsten Fragen über die Konsequenzen der Katastrophe zu beantworten. Karten, basierend auf ESA-Daten, zeigen auch die Auswirkungen des Ölteppichs auf die natürlichen Lebensräume der Küsten und die Nistgebiete von Seeschildkröten.

Der Schutz natürlicher Lebensräume auch wird im Fokus der UN-Konvention für Biodiversität sein, deren 10. Konferenz (COP 10) diese Woche in Nagoya in Japan stattfindet. ESA nimmt bei der COP 10 mit einem Ausstellungsstand und bei einer Nebenveranstaltung teil.

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