Satelliten erfassen die vulkanische Heimat bedrohter Gorillas in Afrika

Gorilla territory
Virtueller Flug über den Volcanoes National Park auf Grundlage von BEGo-Daten
7 Juli 2004

Mitarbeiter der Umweltschutzorganisationen werfen einen ersten Blick auf die aus Satellitendaten erstellten kartographischen Produkte, die einen entlegenen Lebensraum der bedrohten afrikanischen Berggorillas zeigen. Nie zuvor wurde dieses Gebiet in derartigem Detail dargestellt. Produktionsversionen dieser Kartenprototypen sollen die Maßnahmen zum Schutz der weniger als 700 noch lebenden Tiere dieser Art unterstützen.

"Es ist schon aufregend, einen Blick auf einige der Produkte werfen zu können, mit denen wir in der Zukunft praktisch arbeiten werden", meint Maryke Gray von der regionalen Überwachung des Internationalen Gorilla-Schutzprogramms IGCP. “Bei dem erfassten Bereich handelt es sich um ein oft schlecht zugängliches Vulkanmassiv. Die davon verfügbaren Landkarten sind mehr als 30 Jahre alt und häufig ungenau. Für einige Gebiete liegen uns überhaupt keine Karten vor."

Dennis Babasa, Koordinator der ökologischen Überwachung am Institute of Tropical Forest Conversation von Uganda (ITFC) meint weiter: "Solche Karten wollten wir schon früher erstellen, hatten aber einfach nicht die nötigen Hilfsmittel. Die Fernerkundung ist eine wichtige Ressource für unsere Arbeit."

Dian Fossey Gorilla Fund
Ein Baby-Gorilla

Berggorillas siedeln in den hoch gelegenen Wäldern in dem Gebiet um die Grenzen zwischen Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Dieses Gebiet umfasst fünf Nationalparks, von welchen drei zum Weltnaturerbe der UNESCO ernannt wurden und die beiden anderen für denselben Status nominiert sind.

Aufgrund der politischen Unruhen in der Region sind die Bereiche um die Parks herum jedoch zum Ziel starker Flüchtlingsbewegungen geworden. Waldrodung zum Zweck des Ackerbaus oder zur Gewinnung von Brennmaterial sowie Wilderei aus Nahrungsmangel haben die Parks beschädigt und den Lebensraum der Gorillas weiter eingeschränkt.

Die Länge der Parkgrenzen, die sich durch äußerst unzugängliches und kartographisch kaum erfasstes Gelände ziehen, erschwert die Anstrengungen zum Schutz der Parks. Das von der Europäischen Weltraumbehörde ESA geleitete Projekt BEGo - Build Environment for Gorilla - nutzt Erdbeobachtungsressourcen zur Erfassung der Region, um die vor Ort tätigen Umweltgruppen und Behörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Am 10. und 11. Juni trafen sich im europäischen Raumforschungsinstitut ESRIN in Frascati bei Rom Vertreter der BEGo-Partner, darunter Mitarbeiter der UNESCO, des IGCP, der Abteilung für das Ostafrikaprogramm des WWF (WWF-EAPO), Institute Congolese of Nature Conservation (ICCN) und des ITFC, zu einer Begutachtung der ersten kartographischen Produkte.

BEGos Hauptinteressensgebiet

Dazu gehören eine Basiskarte im Maßstab 1:50.000, eine Landbedeckungskarte und ein digitales Höhenmodell (DEM) des Gebiets um den Volcanoes National Park in Ruanda.

Die Basiskarte wurde den Teilnehmern des zweitägigen Treffens in Papierform vorgelegt. Außerdem wurde durch Überlagerung des digitalen Höhenmodells mit der Basis- und der Landbedeckungskarte eine räumliche Darstellung der Landschaft erzeugt. Ein simulierter Flug über das Gebiet im Virtual Reality Theatre von ESRIN sollte den BEGo-Partnern helfen, sich mit den Produkten vertraut zu machen.

Diese Sitzung kennzeichnete den Abschluss der ersten Phase BEGos, erklärte Mario Hernandez von der UNESCO: "Bis jetzt hat das Projekt 'Prototypen' hervorgebracht. Ziel dieser Zusammenkunft war es, diese Prototypen auszuwerten und über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

"Das Aufregende ist, dass wir nun weiter voranschreiten. Wir beginnen sozusagen nun mit der Produktionsphase, während der alle Karten für sämtliche ausgewählte Regionen des BEGo-Projekts ausgearbeitet werden sollen. Der Test der Prototypen ist demnach als erfolgreich zu beurteilen!"

Virunga volcanoes
Virunga-Vulkane

Gray fügt dem hinzu: "Unsere Aufgabe hier ist, anhand unserer Fachkenntnisse geringe Klassifizierungsfehler oder andere Probleme ausfindig zu machen. Die Arbeit ist zu 95 % bereits erledigt, an den verbleibenden 5 % ist noch einiges zu tun. Die neuen Produkte stellen eine deutliche Erleichterung der Koordination von Patrouillen und ähnlichen Aktivitäten dar. Wir können uns nun auf eine einzige, die Grenzen dreier Länder übergreifende Karte stützen. Zuvor mussten wir uns mit mehreren nationalen Landkarten in unterschiedlichen Maßstäben begnügen."

Marc Languy von WWF-EAPO betonte die Ausmaße des erfassten Territoriums: “Die Karte erstreckt sich weit über die Parkgrenzen hinaus. Darin spiegelt sich die Tatsache wider, dass die Nationalparks nicht als allein stehende Inseln gesehen werden können, sondern als Teil eines umfassenden Landstrichs und dass auf die Entwicklungsbedürfnisse der örtlichen Siedlungen eingegangen werden muss, die Alternativen zu der ihnen sowieso nur kurzfristig weiterhelfenden Abgrasung der Parkflächen brauchen. Dabei ist die Karte eine große Hilfe. Sie ermöglicht beispielsweise die Planung eines Ökotourismus zugunsten der örtlichen Bevölkerung.”

In der nächsten Phase soll dann auch der Rest des Habitats der Berggorillas erfasst werden: der Kahuzi-Biega National Park und der Virunga National Park in der Demokratischen Republik Kongo, der Bwindi National Park in Uganda (alle drei Weltnaturerbe-Standorte) sowie der Mgahinga National Park in Uganda. Zusätzlich sollen Karten über die Veränderung der Landbedeckung seit 1990 bereitgestellt werden.

“Der Druck durch die Bevölkerung an den Parkgrenzen ist nach wie vor groß. Material über die Veränderung der Landbedeckung wird uns dabei helfen, gefährdete Bereiche zu identifizieren”, fügte Hernandez hinzu. “Künftig wird es natürlich auch möglich sein, die Techniken BEGos auf andere bedrohte Weltnaturerbe-Standorte auszudehnen. Allein in der Demokratischen Republik Kongo sollen drei weitere solcher Gebiete auf ähnliche Weise kartographiert werden.”

Letztes Jahr formalisierten ESA und UNESCO eine Initiative zur Unterstützung der Weltkulturerbe-Konvention durch den Einsatz von Weltraumtechnologien. Weitere Weltraumorganisationen haben sich dieser Initiative angeschlossen. So beabsichtigt beispielsweise das belgische PÖD föderale Wissenschaftspolitik, anhand von Weltraumtechnologien sämtliche Weltnaturerbe-Standorte in der Demokratischen Republik Kongo kartographisch zu erfassen und einen vollständigen Austausch dieser Daten und der Erfahrungen zwischen dem eigenen Projekt und BEGo anzustrengen.

BEGo ist ein Service-Demonstrationsprojekt im Rahmen des ESA-Programms Data User Element (DUS). Wichtigster Lieferant ist das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Synoptics.

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