Satelliten haben die Aschewolke des Vulkans Merapi im Blick

Bewegung der Schwefeldioxidwolke (Infrarot)
16 November 2010

In einer Reihe tödlicher Eruptionen speit der Merapi auf Java Wolken voller Vulkanasche in die Luft. Satellitendaten sind unerlässlich, um mögliche Gefahren für Luftverkehr und öffentliche Sicherheit zu bewerten.

Der Merapi brach am 26. Oktober aus und hat seitdem mehr als 200 Menschen den Tod gebracht. Eine Vielzahl internationaler Flügen aus und nach Indonesien mussten aufgrund der Aschewolken annulliert werden. Das Durchfliegen solcher Aschewolken birgt ein hohes Risiko, denn die Aschepartikel können zum Ausfall der Triebwerke führen.

Dies zeigt zum Beispiel der Fall eines Thomas Cook Scandinavia Airbus, der am 28. Oktober auf dem Weg von Indonesien nach Saudi-Arabien durch die Merapi-Wolke geflogen war. Beim Zwischenstopp in Batam wurde entdeckt, dass die Triebwerke schwer beschädigt waren und ausgetauscht werden mussten.

Sogenannte Vulkanasche-Beratungsstellen (Volcanic Ash Advisory Centres, VAACs) sind für das Zusammenstellen von Informationen über derartige Aschewolken zuständig und bewerten die Risiken für den Luftverkehr. Das australische Darwin VACC nutzt Satellitendaten der Rauchfahne um seine Vorhersagen zu treffen.

Merapi plume height and movement
Höhe und Bewegungsrichtung der SO2-Wolke

Dr. Andrew Tupper vom dortigen Büro für Meteorologie sagt: „Die Informationen der ESA waren sehr hilfreich für das Darwin VAAC, da wir sie in Echtzeit erhielten. Und auch in der Analyse nach dem Ausbruch werden wir in der Lage sein, sehr wertvolle Daten zu präsentieren.“

Satelliten helfen den VAAC-Stellen mit Informationen über Asche und Spurengase, wie zum Beispiel Schwefeldioxid, die in die Atmosphäre gelangen.

Die ESA sendet Schwefeldioxid-Warnungen per E-Mail in nahezu Echtzeit. Diese enthalten auch eine Karte der Region um die Schwefeldioxid-Spitze, welche auch online veröffentlicht wird.

Diese Unterstützung der Luftverkehrkontrolle basiert auf Daten des ESA-Satelliten Envisat, des EUMETSAT-Satelliten MetOp und des Aura-Satelliten der NASA. Die Animation zeigt die Schwefeldioxidwolke, wie sie zwischen dem 4. und 13. November von Indonesien nach Australien zieht

Um zu wissen, ob ein Flugzeug sicher unter- oder oberhalb einer Aschewolke passieren kann und um die Bewegungsrichtung der Wolke vorauszusagen, brauchen die VAAC-Stellen genauere Informationen über die Höhe und die vertikale Größe der Aschewolke.

Merapi plume movement (ultraviolet)
Bewegung der Schwefeldioxid (SO2)-Wolke des Merapi (Infrarot)

Die ESA hat dazu das Projekt zur Unterstützung der Luftfahrt bei der Vermeidung von Vulkanaschewolken (Support to Aviation for Volcanic Ash Avoidance ) ins Leben gerufen. Dabei werden anhand von Satellitendaten und Windmessungen die Höhen, in die Material bei Vulkanausbrüchen geschleudert wird, berechnet.

Die Animation rechts zeigt Modelle der Höhe der Schwefeldioxidwolke und ihrer Bewegungsrichtung.

Die Unterbrechungen des Flugverkehrs aufgrund der Aschewolke des Merapi erinnern an die Situation in Europa im April und Mai diesen Jahres, als der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und eine Vielzahl von Flügen annulliert werden musste.

Im Mai organisierten ESA und EUMETSAT daraufhin Treffen weltweit führender Wissenschaftler um zu erarbeite006E, wie Erdbeobachtungssatelliten die VAAC-Stellen unterstützen können. Beide Organisationen arbeiten nun an der Umsetzung der Empfehlungen, die bei diesem Treffen gegeben wurden.

Operationelle Satelliten wie der europäische Meteosat der dritten Generation, und die geplanten Sentinel-Satelliten des Programms für Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (Global Monitoring for Environment and Security, GMES) werden darüber hinaus sicherstellen, dass auch in Zukunft Vulkanasche aus dem All beobachtet werden kann.

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