Sechs Grad Neigung

Bedrest volunteer on resistive vibrating exercise machine
Bereit zum Training
6 Dezember 2012

Stellen Sie sich vor, Sie liegen wochenlang in einem geneigten Bett, Ihr Kopf befindet sich am unteren Ende und Ihr Körper beginnt sich zu verändern, als ob er vorzeitig altern oder im Weltraum leben würde. Zwölf freiwillige Probanden der neuen ESA-Bedrest-Studie werden die Testerfahrung auf sich nehmen.

Die Freiwilligen müssen 21 Tage lang in einem Bett liegen, das um 6° geneigt ist. Dabei müssen sie beachten, dass zumindest eine Schulter und ihre Hüften permanent das Bett berühren, auch wenn sie essen, sich waschen oder zur Toilette müssen.

Während die Muskeln schwinden - ein Teilnehmer hat fast vier Kilogramm verloren - werden die Probanden vom medizinischen Personal der MEDES-Raumfahrtklinik in Toulouse (Frankreich) überwacht.

„Wir suchen nach der bestmöglichen Lösung gegen die Auswirkungen des Aufenthalts im Weltraum oder von Inaktivität, wenn Muskeln und Knochen nicht regelmäßig benutzt werden“, erklärt ESA-Spezialist Vittorio Cotronei. 

Bedrest exercise on a resistive vibration machine
Bedrest Übungen

Zwei Gruppen von Freiwilligen absolvieren ein kurzes, aber intensives Trainingsprogramm auf einer Vibrationsplatte, die die Beinmuskulatur zu Kontraktionen anregt, während diese die Auf- und Abbewegung absorbieren. Dabei werden die Testpersonen von Gurten mit einer Kraft von 100-200 Kilogramm auf die Platten gezogen, während sie mit dem Kopf nach unten liegend für einige Minuten "Beinpress-Übungen" absolvieren.

Diese Übung wird alle drei Tage wiederholt. „Es dauert nicht lange, aber man spürt es definitiv“, sagt Eddy aus der Trainingsgruppe.

Eine der Gruppen macht die Übungen und nimmt Proteinpräparate zu sich, um ihre Muskelmasse zu erhöhen. Eine dritte Kontrollgruppe wird zum Vergleich der Resultate überwacht.
 

Motivation ist alles

Bedrest staff checks on volunteer
Überprüfung des Flüssigkeitshaushalts

Regelmäßige Untersuchungen, Bluttests, Muskelbiopsien, Rückenschmerzen und endlose Fragebögen mögen lästig sein, aber die Teilnehmer sind bei guter Laune.

„Manche denken, wir seien Versuchskaninchen, aber wir wissen genau was wir tun und sind alles andere als Laborratten“, sagt Marc, dessen Gruppe die Kraftübungen und das Ernährungsprogramm absolviert.

Die Probanden haben Zugang zum Internet und alle sind sich einig, dass sie durch soziale Kontakte motiviert werden.

Jeweils zwei Freiwillige teilen sich einen Raum und alle Probanden können sich per Gruppenchat über die Abläufe unterhalten. Die Experimente werden von Ärzten aus Frankreich, Deutschland (DLR Köln, Universitäten Berlin, Bonn, Köln) Italien, Österreich (IAP Graz) und Kanada durchgeführt.

Bedrest volunteers eating a snack
Zeit für einen Snack

„Die Mediziner haben eine Leidenschaft für ihre Experimente und sind sehr freundlich“, sagt Marc. „Wir sind im regelmäßigen Kontakt mit unseren Familien und Freunden sowie den ans Bett gefesselten Kollegen und das hält uns bei Laune.“

Die Studie ist ein Teil des Europäischen Programms für lebenswissenschaftliche und physikalische Grundlagen- und angewandte Forschung (ELIPS) und wird durch die französische Raumfahrtagentur CNES mitgefördert.
  
  
  Nicolas aus der Kontrollgruppe rät allen, sich für künftige Studien freiwillig zu melden: „Bedrest ist eine Chance, mehr über sich selbst zu erfahren und eine hervorragende Möglichkeit, am Abenteuer der Menschheit im Weltraum teilzunehmen.“

Eddy fügt hinzu: „Die Forschungsergebnisse werden für das tägliche Leben nützlich sein und das macht mich stolz“.

Die Probanden freuen sich auf das Jahresende, wenn sie dann ihre schiefen Betten nach 21 Tagen für 4 Monate zur Erholung verlassen können. Sie werden für ein weiteres Pensum von 21 Tagen zurückkehren, und sind dann jedes Mal in einer anderen der drei Gruppen.

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