Skyplex: Der Hochgeschwindigkeits-Datenaustausch

Der leistungsfähigste Kommunikatiossatellit W3A
Der leistungsfähigste Kommunikatiossatellit Eutelsat W3A
1 April 2004

Seit dem 16. März 2004 umkreist der weltweit leistungsfähigste Kommunikationssatellit Eutelsat W3A in einer geostationären Umlaufbahn die Erde. An Bord befinden sich erstmals Skyplex-Systeme einer neuen Generation zur kostengünstigen Bündelung und Übertragung von Internet-Diensten und TV-Programmen. Die Skyplex-Technologie wurde von der Europäischen Weltraumorganisation ESA zusammen mit Alenia Spazio und Eutelsat entwickelt.

Bis Ende der 90-er Jahre war die Übertragung von TV- und Radioprogrammen sowie Datendiensten über geostationäre Satelliten ein aufwendiges Geschäft - gewissermaßen „Steinzeitalter“. Jeder Anbieter musste seine Programminhalte über Kabel an eine der zentralen Bodenstationen schicken. Dort wurden die verschiedenen Programme in einem Signal gebündelt, zum Satelliten geschickt, um von dort auf einem anderen Frequenzband wieder abgestrahlt zu werden. Durch diese Prozedur hatte das Signal bis zu seinem Ziel lange Wegstrecken zurückzulegen. Die einzige Alternative waren so genannte VSAT-Netze (Very Small Ground Terminals), die sich aus Kostengründen aber nur große Unternehmen leisten können. Aber auch diese Netze mussten ihre Signale in einer zentralen Bodenstation aufbereiten lassen.

Skyplex: Direkt und kostengünstig

W3A - SkyPlex
Ohne Bodenstation vebindet Skyplex Anbieter und Nutzer

Um kleinen und mittleren Unternehmen eine kostengünstige Lösung anbieten zu können, entwickelte die ESA gemeinsam mit Alenia Spazio und dem Satellitenbetreiber Eutelsat das Skyplex-System. Es besteht aus einem Hardwareteil an Bord eines geostationären Kommunikationssatelliten, das einzelne Signale von der Erde empfängt, speichert und sie anschließend über ein bestimmtes Zielgebiet gebündelt abstrahlt (Multiplex). Der aufwendige Weg über eine zentrale Bodenstation auf der Erde entfällt damit.

1998 wurde ein Skyplex-System erstmals an Bord von HotBird 4 erprobt. So konnten auch kleine TV- und Radiostationen ihre Sendungen zu einem moderaten Preis verteilen (Broadcasting). Andere Nutzer wiederum bauten kleine firmeninterne Netze auf, um Schulungs- oder Informationsvideos in ihre Filialen weiterzuleiten (Multicasting). Auch Internet-Serviceprovider nutzten die kostengünstigen Systeme.

Nach der erfolgreichen Erprobung befinden sich jetzt 18 Skyplex-Einheiten im Weltraum:

  • HotBird 4 (eine Einheit)
  • Eurobird 2 (drei Einheiten)
  • HotBird 6 (8 Einheiten)
  • Eutelsat W3A (6 Einheiten, davon eine mit verbesserten Systemen)

Dieses Enhanced Skyplex-System an Bord des W3A stellt einen Meilenstein in der Entwicklung dar. Es ist nur noch halb so groß. Zudem verbessern neuartige digitale Filter das Empfangs- und Sendeverhalten der Einheit. Die Entwicklung der revolutionären Technologien lag wiederum in den Händen der ESA zusammen mit Alenia Spazio aus Italien und dem kanadischen Unternehmen EMS.

Zwei-Wege-Datendienste

Links die alte Skyplex-Box und rechts das neue System

Eutelsat hat im Zusammenspiel von Skyplex und dem hochfrequenten Ka-Band den Dienst weiterentwickelt und Skyplex Data kreiert. Damit werden der schnelle Aufbau breitbandiger Netze, der Hochgeschwindigkeits-Datenaustausch oder die Zulieferung von Video-Inhalten auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Vor allem in den terrestrischen „Versorgungswüsten“ der irdischen Telkommunikationsunternehmen bezüglich schneller DSL-Internetzugänge ist das ein attraktives Angebot. Für den Empfang und das Senden von Daten genügen ein kleines Terminal mit zwei Watt Leistung und eine 90-Zentimeter-Antenne. Jeder Standort kann Daten oder digitale TV (DVB)-Signale senden. An Bord des Satelliten leitet Skyplex den Datenstrom dann an den richtigen Transponder zum Abstrahlen an die anderen Netzteilnehmer weiter. Damit wird eine breite Palette von Diensten möglich. Eutelsat denkt beispielsweise an Unternehmens-TV, Fernunterricht, die Übertragung von Live-Events und das Verteilen von großen Dateien. Skyplex Data kann aber auch zur Realisierung von Internet-Diensten genutzt werden.

Durch die intelligente Verbindung von Ka-Band und Skyplex sinken die Zugangskosten der überirdischen Relaisstationen auf ein Drittel gegenüber herkömmlichen VSAT-Systemen. Der Preis für ein interaktives Terminal liegt derzeit bei 3000 Euro. Er dürfte aber bald weiter fallen. Es gibt bereits verschiedene Dienste-Anbieter, die auf der Basis dieser Technologie attraktive Angebote für kleine Büros und Unternehmen zur Verfügung stellen. In Deutschland ist das u.a. die STG Kommunikations- und Nachrichtentechnik GmbH Bochum und in Österreich die GCS GmbH Salzburg, die übrigens auch für Skyplex die Bodenstation, das Open Skyplex Gateway entwickelt hat.

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