Space-Flitzer Nuna auf Europa-Tour

Das schnittige Nuna-Fahrzeug
Das schnittige Nuna-Fahrzeug
17 November 2002

Nuna ist ein einmaliges Weltraum-Rennauto: Solargetrieben. Mit ESA-Spitzentechnik made in space. Sieger des „World Solar Challenge“. Der von holländischen Studenten gebaute Space-Flitzer schafft Spitzengeschwindigkeiten von 160 km/h. Vielleicht schon bald eine Alternative zum Benzin- oder Dieselgetriebenen PKW?
Jetzt können alle Erdlinge, Technikfreaks und Interessenten die Wundermaschine aus nächster Nähe begutachten. Der Solar-Star geht auf Europa-Tournee. 35 Städte in 12 Ländern stehen auf dem Besuchsprogramm. Vom 18. bis 20. November kann Nuna auch in Deutschland bewundert werden.

Es ist schon ein ungewöhnliches Projekt. Acht Studenten der Universitäten Amsterdam und Delft schlossen sich im "Alpha Centauri Team" zusammen, um ein durch Sonnenenergie getriebenes Fahrzeug zu bauen. Am Anfang war die Idee nicht einmal originell, da bereits Dutzende Vehikel dieser Art erprobt wurden. Seit 1987 wird in Australien der „World Solar Challenge“ ausgetragen, gewissermaßen das inoffizielle „Formel-1-Weltmeisterschaftsrennen“ für derartige Gefährte. Um jedoch gewinnen zu können, benötigen die Teilnehmer heute nicht nur gute Ideen, sondern auch Materialien und Bauteile aus der Hightech-Industrie. Das Alpha Centauri Team konnte sich schließlich die Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation ESA sichern, die über ihr Technologie-Transfer-Programm bereits im Weltall Erprobtes zur Verfügung stellte. Und so entstand ein überaus originelles Gefährt der Superlative.

Erfolg mit kosmischer Technik

Nuna besteht aus besonders leichten Materialien aus der Raumfahrt

Großzügig durch weitere Sponsoren unterstützt, konnten die Mitarbeiter des Projekts alle Register modernster Technologien und Arbeitsmethoden ziehen. So ermittelte man die optimale Form des Fahrzeuges im Windkanal. Aus der Raumfahrt wurden besonders stabile und zugleich extrem leichte faserverstärkte Kunststoffe übernommen. Nuna´s Solarzellen stammen aus der Raumfahrttechnik. Die auf Basis von Gallium-Arsenid – einem sehr effizienten aber auch teuren Halbleitermaterial – aufgebauten Zellen sind mehrlagig ausgelegt, dadurch absorbiert jede Lage einen bestimmten Anteil des Gesamtspektrums des einfallenden Sonnenlichts. Auf diese Art und Weise konnte der Wirkungsgrad wesentlich erhöht werden. Hier gingen die ESA und die beteiligten Firmen ausnahmsweise einmal den umgekehrten Weg, denn die kosmische Feuertaufe dieser Solarzellen soll erst Anfang 2003 erfolgen. Das Solarmobil war gewissermaßen der irdische Erprobungsträger. Über acht Quadratmeter seiner Oberfläche sind von diesen Wunderzellen bedeckt.
Als Energiespeicher dient eine besonders effiziente und dabei auch leichte Lithium-Ionen-Batterie, die natürlich auch aus der Raumfahrt stammt. Zusammen mit einem raffinierten Energie-Management-System wird den Verbrauchern an Bord die benötigte Energie auch bei schlechterem Wetter mit wenig Sonnenenergie zur Verfügung gestellt. Angetrieben wird der Solar-Flitzer durch vier in die Radnaben integrierte Elektromotoren - die Mondfahrzeuge der Apollo-Astronauten lassen grüßen. Elektroantriebe sind aber nicht nur schadstofffrei, sondern auch leise.
Ein besonders interessantes Detail stellt der Einsatz von Solarzellen dar, die ihre Arbeit bereits im Weltraum verrichteten. 1993 hat der europäische Astronaut Claude Nicollier bei einer Reparatur-Mission am Hubble-Space-Teleskop ausgetauschte Solarzellenpaddel wieder zur Erde zurück gebracht. Ein Teil der Zellen hat nun einen zweiten Job auf der Erde erhalten. Diese Solarzellen sind seitlich als schmaler Streifen an Nuna angebracht und dienen der Versorgung der Telekommunikationsgeräte.

160 Stundenkilometer Spitze

Das Solar-Rennauto Nuna
Nuna auf der Zielgerade

Der Aufwand hat sich schließlich gelohnt. Obwohl die Niederländer erstmals an dem Rennen in Australien teilnahmen, konnten sie sofort den Sieg erringen und außerdem noch einige Rekorde erzielen. Sie erreichten mit 91,8 km/h die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit eines Solarfahrzeuges, wobei Rekord-Spitzengeschwindigkeiten um die 160 km/h im Rennverlauf erzielt wurden. Nuna bewältigte die 3010 km lange Strecke in 4 Tagen, 9 Minuten und 20 Sekunden. Am letzten Tag schaffte das Team dabei 830 km.
Wenn die Rennen der Solarmobile auch noch Exoten im Rennsport sind und von so manchem Motorsportfreak belächelt werden, steckt in den Fahrzeugen inzwischen mindestens genauso viel Hochtechnologie wie in einem Formel-1-Boliden. Ein Grund, sich das Wunderwerk von Menschenhand einmal näher zu betrachten. In Deutschland ist dies an drei Tagen an folgenden Orten möglich:

- 18.11. Düsseldorf    Schlossgymnasium Benrath
- 19.11. Daun    Geschwister-Scholl-Gymnasium
- 20.11. Darmstadt    Lichtenbergschule

Das in einem speziellen LKW-Anhänger untergebrachte Nuna-Fahrzeug ist an diesen Standorten jeweils von 8.30 Uhr bis 17.00 Uhr zu besichtigen. Videovorführungen ergänzen die Schau. Mit auf Tour sind zwei Mitglieder des Alpha-Centauri-Teams, die den Aufbau des Solarmobiles und den Einsatz von Weltraumtechnologie erläutern.

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