Träumen Sie von einer Reise zum Mars?

10 Dezember 2004

Können Sie sich vorstellen, acht Wochen im Bett zu verbringen? Für eine Studie, die ab Ende Februar nächsten Jahres im französischen Toulouse durchgeführt wird, sucht die ESA freiwillige Frauen, die genau dazu bereit sind.

Wenn Sie eine Frau im Alter von 25 bis 40 Jahren, Nichtraucherin, bei guter Gesundheit und wirklich motiviert sind, die Herausforderung von 60 Tagen in horizontaler Position anzunehmen, dann könnten Sie eine der Versuchspersonen sein, die ESA für die Teilnahme an der Studie namens Women International Space Simulation for Exploration (WISE) sucht.

Die Studie ist eine gemeinsame Unternehmung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), des Französischen CNES, der Kanadischen Weltraumorganisation (CSA) und der US-amerikanischen NASA.

Sechs Grad unter horizontal

Zwei Monate lang werden 24 Frauen mit ihrem Kopf leicht nach unten geneigt in sechs Grad unter horizontaler Lage das Bett hüten. Jede einzelne Tätigkeit muss in dieser Position erfolgen. Die spezialisierte Bettruheeinrichtung im Institut für Weltraummedizin und -psychologie MEDES ist allerdings bestens für das Leben in der Horizontalen gerüstet, und für den Bedarfsfall steht stets Pflegepersonal bereit.

In den Doppelzimmern stehen jeder Freiwilligen ein Fernsehgerät, ein Laptop-Computer mit Internetzugang und ein Telefon zur Verfügung. Die Mahlzeiten werden am Bett serviert, und Duschräume mit speziellen kunststoffbeschichteten Betten sorgen dafür, dass die persönliche Körperpflege auch tatsächlich persönlich bleibt.

Gegenmaßnahmen

Für die Freiwilligen könnte das die ideale Gelegenheit sein, endlich alle Bücher zu lesen, die schon so lange im Regal warten, eine neue Fremdsprache zu erlernen oder ganz einfach total zu entspannen und über das Leben zu meditieren. Für die an der Studie beteiligten Wissenschaftler ist dies eine Chance, mehr über die Auswirkungen längerer Aufenthalte im Weltraum auf den Körper der Frau herauszufinden.

Die Einnahme dieser Lage über einen langen Zeitraum löst körperliche Veränderungen wie den Abbau von Muskel- und Knochenmasse sowie Veränderungen des Blutdrucks und des Pulses aus. Ähnliche Veränderungen, wie sie Astronauten bei längeren Aufenthalten im Weltraum erfahren.

„Die ersten Tage, bis Ihr Körper sich an die neue Situation gewöhnt hat, können unangenehm sein,” warnt Dr. Laurent Braak, Leiter von MEDES. „Genau wie bei Astronauten, wenn sie das Weltall erreichen, können bei einigen Personen zu Beginn Kopfschmerzen und Schmerzen im unteren Rückenbereich auftreten.” Ein Team von Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Psychologen und Diätetikern wird sämtliche Aspekte des Zustands aller Freiwilligen genauestens überwachen.

Durch die Studie soll die Rolle der Ernährung und einer Kombination von physischen Betätigungen als Gegenmaßnahmen zu den körperlichen Veränderungen ermittelt werden. Ziel der Wissenschaftler ist eine Optimierung der vorhandenen und bereits von Astronauten im Weltraum eingesetzten Gegenmaßnahmen sowie die Entwicklung von spezifischen Gegenmaßnahmen für weibliche Astronauten.

Auf zum Mars

„Dies ist eine einmalige Gelegenheit, eine Pionierin der Weltraumforschung für künftige bemannte Langzeitweltraumflüge zu werden,” erklärt Dr. Peter Jost, ESA-Projektleiter für die WISE-Studie. „Das Wissen, das wir aus dieser Studie erhalten, wird direkt der Gesundheit und dem Wohlbefinden von Raumfahrern zugute kommen. Letzten Endes werden die Freiwilligen dem Menschen auf die Reise über die Internationale Raumstation hinaus und bis hin zum Mars verhelfen. Hier auf der Erde könnten die Forschungsergebnisse außerdem zu einer Verbesserung der Rekonvaleszenzmethoden für bettlägerige Patienten beitragen.”

Ein weiterer Nutzen für die Medizin besteht in den dabei gewonnenen Kenntnissen über die medizinischen Bedingungen im Zusammenhang mit einer sitzenden Lebensweise. Diese Bedingungen sind in der industrialisierten Welt sehr verbreitet, und die Studienresultate könnten schlagkräftige Argumente für einen gesunderen Lebensstil liefern.

Herausforderung

Wie bei der Auswahl von Astronauten stellt auch hier eine Reihe von psychologischen Tests einen wichtigen Bestandteil des Auswahlverfahrens dar. „Es kann manchmal schon recht hart werden, und wir brauchen Frauen, die darauf eingestellt sind, die Herausforderung anzunehmen und die Studie bis zum Ende durchzustehen,” erklärt Dr. Jost. „Aber,” fährt er fort, „wir werden unser Bestes tun, damit sich die Teilnehmerinnen wie zu Hause fühlen.”

Weitere Informationen zur WISE-Studie, den persönlichen Voraussetzungen und genaue Angaben zur Bewerbung für die Teilnahme finden Sie auf der Website: http://www.medes.fr/ltbrw

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