Übergabe der Galileo-Satelliten an das Kontrollzentrum in Deutschland

Die ersten beiden Galileo-IOV-Satelliten
8 November 2011

Die ersten zwei Galileo-Satelliten Europas haben ihre endgültigen Umlaufbahnen erreicht und können jetzt die für die Navigation verantwortlichen Nutzlasten aktivieren und testen.

Mit dem offiziellen Abschluss der LEOP-Phase (Launch and Early Operation Phase, Start- und erste Steuerungsphase) wurde gestern die Kontrolle der Satelliten von der französischen Raumfahrtagentur CNES an das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, Deutschland, übergeben.

Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen wird für die Steuerung der Satelliten während ihrer gesamten zwölfjährigen Lebensdauer zuständig sein.

Die beiden Galileo-Satelliten waren am 21. Oktober an Bord einer Sojus-Rakete von Französisch-Guayana aus gestartet worden. Drei Stunden und 49 Minuten nach dem Start wurden sie von ihrer Fregat-Oberstufe in die geplante Umlaufbahn in 23.222 km Höhe gebracht, wo sie gleichzeitig ausgesetzt wurden.

Galileo dispenser
Galileo-Satelliten werden ausgesetzt

An diesem Punkt übernahm ein Team aus Mitarbeitern des CNES und dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum der ESA (ESOC) die entscheidende Aufgabe, die beiden Navigationssatelliten zu aktivieren.

Die ersten Signale gingen beinahe gleichzeitig ein und bestätigten die Funktionstüchtigkeit der Satelliten, die aufrechtzuerhalten noch ein gutes Stück Arbeit erforderte.

Wie Fallschirmspringer aus einem Flugzeug wurden die Satelliten ausgesetzt und wirbelten durch den Raum. Ihre Drehung musste zunächst unter Kontrolle gebracht werden, bevor die Solarpaneele zur Stromerzeugung sicher entfaltet werden konnten und die Satelliten nicht mehr auf den schnellschwindenden Batteriestrom angewiesen waren.

Joint ESA/CNES team to manage initial Galileo operations
Galileo LEOP-Kontrollraum, Toulouse

Nach Stabilisierung der Satelliten mithilfe ihres Lageregelungssystems, etwa 70 Minuten nach der Trennung, richteten sie sich zur Sonne hin aus und begannen mit dem Aufladen ihrer Batterien.

Anschließend wurden die Triebwerke getestet. Dieser Schritt war besonders wichtig, da die Satelliten, nachdem sie von der Fregat-Oberstufe freigegeben worden waren, die letzten ca. 100 km bis zu ihren Zielorbits selbst zurücklegen mussten.

Das Satellitenpaar richtete sich dann mithilfe von Infrarotsensoren, die unseren Planeten als warmes Objekt inmitten der Kälte des Weltalls erkennen, von der Sonne auf die Erde aus.

Galileo's Ground Control Segment
Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen

Im Anschluss daran richteten sich die Satelliten für den Normalbetrieb aus, Solarpaneelen in Richtung Sonne und Navigationsantenne in Richtung Erde.

Die Sektion, in der sich die hochempfindlichen Atomuhren - die präzisesten, die je zur Satellitennavigation ins All gebracht wurden - befinden, wird permanent im Schatten gehalten und gekühlt, um deren Leistung zu stabilisieren.

In dieser Konfiguration löste das CNES Kontrollzentrum in Toulouse einige Triebwerkszündungen aus, um die Satelliten in die angestrebten Orbits mit einem Neigungswinkel von 56° zum Äquator zu bringen.

Redu Galileo IOT L-band antenna
Galileo IOT L-Band Antenne in Redu

Die Übergabe an Oberpfaffenhofen fand direkt nach Abschluss der LEOP-Phase, am 3. November um 22:00 MEZ, statt.

Die Flugingenieure begannen mit der verschlüsselten Übertragung von Telemetrie und Telekommandos begonnen, um eine sichere Satellitensteuerung zu gewährleisten. Daraufhin wurde die Plattform in Betrieb genommen und überprüft, ob alle primären und redundanten Subsysteme erwartungsgemäß funktionieren.

In den nächsten Tagen werden die Navigationsinstrumente aktiviert. Damit können dann Tests der Galileo-Satelliten im Orbit beginnen. Diese strenge Überprüfung der Navigationssignale wird von der ESA-Bodenstation in Redu, Belgien, aus durchgeführt.

Eine Antenne mit 20 m Durchmesser nimmt eine hochpräzise Messung der genauen Form der Navigationssignale vor.

Sobald die Navigationsnutzlasten vollständig geprüft und in Betrieb genommen worden sind, werden sämtliche Navigationsdienste von einem zweiten Galileo-Kontrollzentrum aus überwacht, das sich in Fucino, Italien, befindet und von Telespazio betrieben wird.

Sämtliche an diesem Programm mitwirkenden Kontrollzentren (ESA/ESOC, CNES, DLR und Telespazio) gehören vertraglich SpaceOpal an, einem gemeinschaftlichen Tochterunternehmen von DLR und Telespazio, das für den Betrieb der Galileo-Satelliten zuständig ist.

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