Vor 25 Jahren: Mission Spacelab-D1
Sternstunde der europäischen Raumfahrt

Die Besatzung der Mission STS-61A/Spacelab D1
1 November 2010

Die Mission STS-61A mit der US-Raumfähre Challenger und den drei Astronauten Wubbo Ockels (ESA/NL), Reinhard Furrer (D) und Ernst Messerschmid (D) gehört nicht nur zu den ersten Space-Shuttle-Flügen mit europäischer Beteiligung. Mit ihr eng verbunden ist eine Reihe von Premieren der bemannten europäischen Raumfahrt, darunter der erste Flug eines Niederländers.

Vom 30. Oktober bis zum 6. November 1985 führten die drei europäischen Nutzlastspezialisten gemeinsam mit ihren fünf NASA-Kollegen wissenschaftliche Experimente in der Umlaufbahn durch. Die Besatzung umfasste somit acht Personen an Bord eines Raumschiffs – ein Rekord, der bis heute Bestand hat.

ESA-Weltraumlabor und deutsches Management

Wubbo Ockels bei Forschungsarbeiten im Spacelab D1

Das von der ESA entwickelte und im Frachtraum der Raumfähre Challenger untergebrachte Weltraumlabor Spacelab absolvierte seinen vierten Einsatz. Erstmals wurde sein Wissenschaftsbetrieb von einem Raumfahrtkontrollzentrum außerhalb der USA überwacht und gesteuert.

Das Missionsmanagement der unter Spacelab-D1 firmierenden Mission lag in den Händen der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR), dem heutigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), eine Premiere für die deutsche Institution. Gesteuert wurde die D1-Mission von dem nahe München gelegenen Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen, dem German Space Operations Center (GSOC).

Wubbo Ockels war nach dem Deutschen Ulf Merbold der zweite ESA-Astronaut, der in den Weltraum flog und zugleich der erste Niederländer im All. Er hatte Glück, denn fünf Monate zuvor umrundete bereits der in den Niederlanden geborene Lodewijk van den Berg die Erde, jedoch als amerikanischer Staatsbürger.
Reinhard Furrer und Ernst Messerschmid sind – nach Sigmund Jähn und Ulf Merbold – der dritte und vierte deutsche Raumfahrer.
Zur NASA-Crew gehörten Kommandant Henry Hartsfield, Pilot Steven Nagel sowie die Missionsspezialisten Bonnie Dunbar, James Buchli und Guion Bluford.

Im Verlaufe des Fluges führte die Besatzung 75 Experimente aus den Bereichen Physiologie, Materialwissenschaften, Biologie und Navigation durch. Dabei umrundetenen sie 110 Mal die Erde. Nach 168 Stunden Weltraumaufenthalt kehrten die drei europäischen Astronauten Ockels, Messerschmid und Furrer mit ihren fünf US-Kollegen zur Erde zurück.

Wubbo Ockels

Guion Bluford führt medizinische Untersuchungen bei Ernst Messerschmid durch

Der Kernphysiker Wubbo Ockels wurde 1978 von der ESA gemeinsam mit Deutschen Ulf Merbold und dem Schweizer Claude Nicollier für den Einsatz als Nutzlastspezialist für Spacelab-Missionen ausgewählt. Im Mai 1980 begann er am Johnson Space Center der NASA im texanischen Houston ein Basistraining für die Ausbildung zum Space-Shuttle-Missionsspezialisten.

Nach Abschluss des Trainings im August 1981 wurde Ockels als Backup-Nutzlastspezialist für die erste ESA-Spacelab-Mission nominiert. Bei diesem Flug im Jahre 1983 fungierte er als Verbindungsmann und unterstützte die Besatzung von STS-9/Spacelab-1 vom Boden aus.

Nach der D1-Mission arbeitete er am Europäischen Weltraumtechnologie-Zentrum ESTEC der ESA in Noordwijk (NL) und leitete dort das Bildungsbüro. 2003 verließ Wubbo Ockels die ESA, um an der Universität Delft über die Nutzung alternativer Energiequellen zu forschen.

Ernst Messerschmid

Ernst Messerschmid, ebenfalls Physiker, nahm – wie Ockels – am selben Auswahlverfahren für ESA-Astronauten teil, kam aber nicht in den Endausscheid. Daraufhin ging er zur DFVLR nach Oberpfaffenhofen und befasste sich dort mit Problemen der Satellitenkommunikation.

Als das DFVLR Astronauten für eine deutsche Spacelab-Mission suchte, bewarb er sich erneut. Diesmal hatte er Glück. Nach seiner Auswahl 1983 absolvierte er eine zweijährige Grundausbildung zum Nutzlastspezialisten für die D1-Mission.

Nach dem Flug wurde der zum Professor berufene Ernst Messerschmid zunächst Direktor am Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart. Von 2000 bis 2004 leitete er das ESA-Astronautenzentrum in Köln. Heute ist Prof. Ernst Messerschmid u.a. im Lenkungsausschuss des Innovationsrates von Baden-Württemberg tätig.

Reinhard Furrer

Reinhard Furrer

Auch Reinhard Furrer wurde 1983 für die Spacelab-D1-Mission ausgewählt. Der 1940 in Österreich Geborene studierte Physik an der Universität Kiel und an der Freien Universität Berlin. In Berlin promovierte er 1972, ging 1974 als Assistenzprofessor nach Stuttgart, habilitierte 1979 und arbeitete von 1980 bis 1981 in Chicago an der dortigen Universität sowie dem Argonne National Laboratory.

Nach seinem Raumflug ging er als Professor an die Freie Universität nach Berlin zurück und übernahm als Direktor deren Institut für Weltraumwissenschaften. In seiner Freizeit war Furrer ein begeisterter Sportflieger. 1974 erwarb er seine Pilotenlizenz und unternahm anschließend viele Flugtouren mit einmotorigen Sportflugzeugen.

Am 9. September 1995 kam Prof. Reinhard Furrer während einer Flugshow auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal beim Absturz eines Flugzeugs ums Leben.

Die Spacelab-Mission D1 war ein Meilenstein für die bemannte Raumfahrt in Europa. Sie stellte die Weichen für jene Forschungen, die heute im Columbus-Modul der Internationalen Raumstation auf höchstem Niveau betrieben werden. Wubbo Ockels, Ernst Messerschmid und Reinhard Furrer haben entscheidend dazu beigetragen.

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