Weltgipfel der Satellitennavigation

Das europäische Navigationssatellitensystem Galileo
Das europäische Navigationssatellitensystem Galileo
16 März 2004

Mobilität ist einer der Erfolgsfaktoren unserer Gesellschaft. Satelliten revolutionierten diesen Bereich, indem sie zur rasanten Verbreitung von bezahlbaren Navigationssystemen beitrugen. Vom 23. bis zum 25. März findet in München ein Weltgipfel der Satellitennavigation statt. Auf dem „Munich Satellite Navigation Summit 2004“ werden die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet vorgestellt. Einen der Schwerpunkte stellt das von ESA und EU gemeinsam betriebene Galileo-Projekt dar.

Seit den achtziger Jahren betreiben die USA sowie Russland Navigationssatellitensysteme. Dabei wurden GPS (USA) und GLONASS (Russland) ursprünglich für rein militärische Aufgaben konzipiert. Durch den zunehmenden Einsatz moderner mikroelektronischer Geräte wurde die Nutzung auch für kommerzielle Belange – bis hin zum privaten Bereich – interessant und erschwinglich. Dafür stellen die USA ein abgerüstetes ziviles GPS-Signal mit geringerer Genauigkeit zur Verfügung.
90 % aller GPS-Empfänger werden heute in zivilen Bereichen eingesetzt. Die mit der Navigationsgesellschaft einhergehenden Veränderungen sind zu einem Milliardengeschäft geworden. Neue Dienste und Leistungen mannigfacher Art lassen erkennen, dass der Navigationsboom in den kommenden Jahren an Intensität sogar noch zulegen dürfte.

Gewaltige Marktchancen mit Galileo

30 Galileo-Satelliten werden künftig die Erde umkreisen
30 Galileo-Satelliten werden künftig die Erde umkreisen

Der rasant wachsende Weltmarkt führte in Europa zu dem Entschluss, ein eigenes Satellitensystem zu schaffen. Unter Federführung der Europäischen Union sowie der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird derzeit das zivile Satellitennavigationssystem Galileo geschaffen. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 3,5 Mrd. Euro gehört Galileo zu den größten und ambitioniertesten Projekten der europäischen Raumfahrt. Das internationale Interesse ist groß, obwohl das Projekt bisher weitgehend nur auf dem Papier existiert. Neben der Volksrepublik China haben bereits etliche Staaten Interesse an einer Zusammenarbeit und/oder späteren Nutzung bekundet.
Die ersten beiden Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo werden von russischen Sojus-Raketen ins All befördert. Der erste Start soll Ende 2005 von Baikonur aus erfolgen. Ab 2008 sollen 30 Satelliten unseren Erdball in 23 616 km Höhe umkreisen und eine weltweite Signalabdeckung gewährleisten. Eine ganze Palette neuartiger Dienste, die über das bisher von GPS Angebotene weit hinausgehen, wird die breite Nutzung von „überirdischen“ Navigationssignalen beschleunigen und einen neuen Wirtschaftszweig hervorbringen. Galileo, GPS und GLONASS werden in absehbarer Zeit kompatible Systeme sein, die beispielsweise die Flugsicherheit im weltweiten Luftverkehr enorm verbessern können.

Studien sagen für die nächsten 20 Jahre einen Umsatz von über 70 Mrd. Euro sowie die Schaffung von etwa 100 000 neuen Arbeitsplätzen in Europa voraus. Für die europäische Raumfahrtindustrie bedeuten Bau und Betrieb des Systems einen kräftigen Schub. Bedeutende europäische Firmen wie Astrium, Alcatel und Alenia können durch die Beteiligung an dem Mammutprojekt ihre Kompetenz in der Navigationstechnik weiter ausbauen und damit auf dem Weltmarkt in der ersten Liga mitspielen.

München: Mekka der Satellitennavigation

Je weiter das Galileo-Projekt fortschreitet desto größer wird der Abstimmungsbedarf an den Schnittstellen zu den bereits vorhandenen Systemen. Und genau dieser Aufgabe hat sich der Münchner Weltgipfel der Satellitennavigation angenommen. Der Austragungsort ist ganz bewusst gewählt worden, hat sich doch hier eine Reihe von Unternehmen und Organisationen etabliert, wie EADS, Galileo Industries, IfEN GmbH, DLR sowie der Mercatorpark.

Die ESA wird durch René Oosterlinck, den Leiter des Navigation Departments der ESA, vertreten. In einem Vortrag wird er den gegenwärtigen Status des Galileo-Projekts beschreiben. „Wir sind auf einem guten Weg. Zentrale politische und finanzielle Fragen sind geklärt. Die ESA arbeitet an der technologischen Entwicklung mehrerer Teile der Weltraum- und Bodensegmente. Wir bauen verschiedene Simulatoren für die Entwicklungs- und Testarbeit. Wesentliche Arbeiten sind in das Telekommunikationsprogramm ARTES der ESA eingebunden. Erste Ergebnisse können schon begutachtet werden“, so Oosterlinck, der über die in den letzten Monaten erreichten Fortschritte sehr glücklich ist.

Der internationale Gipfel führt nicht nur Navigationsspezialisten aus aller Welt zusammen. Dem ehrgeizigen europäischen Galileo-Projekt wird er sicher neue Impulse verleihen.

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