Weltweite Diskussion über die Perspektiven der Weltraumforschung

ESA-Astronaut Paolo Nespoli arbeitet am Light Microscopy Module im Destiny-Modul.
1 November 2011

Neue Erkenntnisse über Osteoporose, verbesserte Impfstoffe und neue Legierungen haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den zahlreichen Entwicklungen, die maßgeblich von Forschungsarbeit im Weltraum vorangetrieben wurden.

Dank der Forschungsarbeit, die seit über zehn Jahren auf der Internationalen Raumstation und anderen Orbitalplattformen geleistet wird, hat die Wissenschaft ihre irdischen Grenzen überwunden und uns neue Erkenntnisse beschert, die zur Verbesserung unserer Zukunft beitragen.

Weltweit nutzen Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen wie Mediziner – darunter Kardiologen, Neurowissenschaftler, Osteologen und Immunologen –, aber auch Geowissenschaftler, Weltraumforscher, Biotechnologen, Astrobiologen und sogar Erziehungswissenschaftler den Weltraum, um zu Ergebnissen zu gelangen, die auf der Erde nicht möglich wären.

Thomas Reiter, ESA-Direktor für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, beschreibt einige Leistungen der Weltraumwissenschaft sowie die Pläne für einen internationalen Kongress zum Thema Weltraumforschung im Jahr 2012.

Anmerkung der Redaktion: 2006 verbrachte Thomas Reiter sechs Monate auf der ISS und absolvierte Europas erste wissenschaftliche Langzeitmission.

Er führte Experimente für wissenschaftliche Institute aus ganz Europa durch, die sich unter anderem um menschliche Physiologie, Biologie, Physik und Strahlungsdosimetrie drehten.

Frage: Wird jetzt, wo der Bau der Raumstation abgeschlossen ist, endlich mit der Weltraumforschung begonnen?

ESA-Astronaut Thomas Reiter arbeitet am Cognitive Cardiovascular Experiment im Jahr 2006.

Thomas Reiter: Sie wird nicht beginnen sondern fortgesetzt werden. Selbst in der Bauphase der Station waren Astronauten mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Experimente und Demonstrationen zukünftiger Technologien beschäftigt.

Bis Mitte 2011 wurden bereits 215 Ergebnissätze aus spezifischen Nutzlasten veröffentlicht, gestützt von zahlreichen Berichten, zusätzlichen Publikationen und Patenten, die in Verbindung mit der Forschungsarbeit auf der ISS und zukünftigen Explorationstechnologien erteilt worden sind.

Frage: Gibt es ein gutes Beispiel für Erkenntnisse aus der Raumfahrtwissenschaft, die auch Forschern auf der Erde zugutekommen?

TR: Osteoporose ist beispielsweise ein ernstes Gesundheitsproblem, das viele ältere Menschen betrifft. Die eigentliche Ursache ist noch nicht völlig geklärt, und derzeitige Behandlungen zielen lediglich auf die Symptome ab.

Der ESA-Astronaut Paolo Nespoli nimmt während seiner MagISStra-Mission an einer Physiologiestudie teil.

Die Forschungsarbeit unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit ist unerlässlich, um die Ursachen verstehen und neue Therapien entwickeln zu können. Dies ist nur einer von vielen Bereichen der Humanphysiologie, die von den Experimenten im Orbit profitieren. Desweiteren wären die Entwicklung von Impfstoffen, neue Einsatzmöglichkeiten von Ultraschall in der Diagnostik, neue Krebsmedikamente und ein besseres Verständnis der Muskeldystrophie zu nennen.

Selbstverständlich profitieren auch andere Wissenschaftszweige davon.

Frage: Wie wird es weitergehen?

TR: Jetzt, wo die Montage der Raumstation abgeschlossen ist und alle Labors in Betrieb sind, hat die internationale Raumfahrtgemeinde solide Grundlagen für mindestens ein weiteres Jahrzehnt der Weltraumforschung geschaffen.

Frank De Winne arbeitet im ESA-Labor Columbus an einem Experiment mit Hefe.

Es ist Zeit, über die Zukunft der Weltraumforschung nachzudenken. Welche Prioritäten und Ziele sollen für die zukünftige Forschung gesetzt werden? Und wie können wir in Europa in einer globalen Welt wettbewerbsfähig und gleichzeitig kooperativ bleiben?

Im Mai 2012 wird die ESA einen Kongress in Berlin über internationale Weltraumforschung einberufen, wo die bisherigen Leistungen sowie die zukünftige Richtung besprochen und diskutiert werden sollen.

Gemeinsam mit unseren internationalen Partnern und anderen Raumfahrtnationen möchten wir darüber sprechen, wie sich die Weltraumforschung nach 2020 und sogar nach der ISS weiterentwickeln soll.

Wir hoffen, dass sich jeder einbringt, der an diesem wichtigen Unternehmen beteiligt ist. Die Möglichkeiten für Forschungsarbeiten im Orbit sind unbegrenzt.

Wir haben gerade erst begonnen.

ISRS 2012 - Internationaler Kongress für Weltraumforschung

ISRS Berlin, Deutschland, 2. - 4. Mai 2012

Veranstaltungsort & Details werden in www.esa.int angekündigt.

Auf der ISRS 2012 werden sich die fünf ISS-Partneragenturen, die Raumfahrtnationen, die internationale Wissenschaftsgemeinschaft, Raumfahrtexperten, Astronauten, Techniker und Vertreter von Industrie, Hochschulen und Medien treffen, um die bisherigen Leistungen der Weltraumforschung zu bewerten und über die zukünftigen Prioritäten und Perspektiven der Forschung sowie über Spin-offs und Anwendungen zu sprechen und zu diskutieren.

Die mehrtätige Veranstaltung sieht Grundsatzreden, Podiumsdiskussionen und Präsentationen von Fallstudien und wissenschaftlichen Arbeiten vor. Des Weiteren werden zahlreiche Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit und für die Medien stattfinden.

Geladene Rednerinnen und Redner werden in den kommenden Wochen weiteres Informationsmaterial erhalten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an folgende Stelle:

Directorate of Human Spaceflight & Operations

Promotion Office

Tel.: +31 71 565 5069 oder +31 71 565 5413

Sylvie.Ijsselstein@esa.int

ESA / ESOC Kommunikationsabteilung

Jocelyne Landeau-Constantin
Leiterin der Kommunikationsabteilung
+49 6151 902547
www.esa.int

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