Zeugung aus dem All?

Collage verschiedener Asteroiden

Kometen bestehen im Wesentlichen aus dem Eis und dem Staub jener interstellaren Wolke, aus dem vor 4,4 Milliarden Jahren das Sonnensystem entstand. Sie gelten damit als eine Art „Leitfossil“. In ihnen sind sämtliche physikalische als auch chemisch-mineralogische Prozesse aus den Geburtswehen manifestiert.

Satellitengestützte Messungen, vor allem die Ergebnisse der Raumsonden-Armada zur Erkundung des Kometen Halley 1986 – Vega 1 + 2 (UdSSR), Giotto (Europa), Sakigake + Suisei (Japan), ISEE-3/ICE, Deep Impact/Epoxi, Deep Space 1 und Stardust (alle USA) – aber auch extrem genaue terrestrische Beobachtungen haben das Bild der kosmischen Vagabunden in den letzten zwei Jahrzehnten revolutioniert.

Beispiel Halley: Pro Stunde verliert sein Kern in Sonnennähe rund 18 Tonnen Gas und 20 Tonnen Staub. Die Gase bestehen überwiegend aus Wasser (80 Prozent) und enthalten vor allem Kohlenmonoxid, Methan, Kohlendioxid, Ammoniak, Stickstoff, Formaldehyd und Blausäure. Der Staub wiederum enthält gesteinsbildende Verbindungen sowie eine organische Komponente. Diese besteht primär aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und etwas Schwefel. Erstmals fand man Polymere, die aus langen Molekülketten aufgebaut sind.

Die Erkenntnis, dass Kometen komplexe organische Moleküle enthalten, konnte bei späteren Beobachtungen weiterer Objekte bestätigt werden. „Solche Moleküle sind aber auch Bausteine des Lebens. Wir erwarten daher von der Rosetta-Mission entscheidende Hilfe bei der Frage, ob das Leben in einer Ursuppe mit Blitzentladungen auf der Erde entstanden ist, oder ob es im Weltall vorgebildet und mit kometenähnlichen Körpern auf die Erde gebracht wurde“, erklärte Berndt Feuerbacher, wissenschaftlicher Initiator der Landeeinheit von Rosetta. Dies ist ein Hauptziel der Rosetta-Mission.

Neueste Forschungsergebnisse unterstreichen zudem, dass sich die Grundbausteine des Lebens sogar unter extremen Bedingungen relativ leicht und spontan im ganzen Universum bilden können. Anfang 2002 gelang es erstmals hochmolekulare Verbindungen, darunter wichtige Aminosäuren, in künstlich erzeugtem interstellaren Eis nachzuweisen. Dieser Befund, an dem auch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Aeronomie in Katlenburg-Lindau beteiligt waren, stärkt die Auffassung, dass wichtige Grundbausteine des Lebens bereits im All entstehen und in zahlreichen Regionen des Kosmos zu finden sind. Kometen könnten diese Lebensbausteine in ihrem eisigen Kern konserviert und bei einer Kollision mit Planeten freigesetzt haben. Ein wichtiges Ziel der ESA-Raumsonde Rosetta ist es deshalb, direkt auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko nach Lebensbausteinen zu suchen. Entstand das Leben auf der Erde einst aus der Kometenbrühe?

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