Astronauten

Die im Mai 2009 ausgewählten neuen Astronauten

1998 entschieden die am Aufbau der Internationalen Raumstation (ISS) beteiligten ESA-Mitgliedstaaten, ihre nationalen Astronautenteams mit dem bereits existierenden ESA-Astronautenteam zu einem vereinten europäischen Astronautenkorps zusammenzuschließen. Dieser Integrationsprozess wurde 2002 abgeschlossen.

Das Korps besteht derzeit aus acht Mitgliedern aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schweden. Die Astronautenabteilung des Europäischen Astronautenzentrums (EAC) in Köln unter der Leitung von Astronaut Gerhard Thiele ist für alle Astronauten verantwortlich.

Sechs neue ESA-Astronauten (aus Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) wurden im Mai 2009 nach einer einjährigen Rekrutierungskampagne ausgewählt. Sie haben ihr Basistraining im EAC im September 2009 begonnen.

Eines der Ziele des Korps’ ist es, den ESA-Astronauten ein exzellentes Training zu ermöglichen, um sie durch ihre so hinzugewonnene Expertise zu einem wertvollen Bestandteil einer Weltraummission zu machen. Dies dient nicht nur dem guten Ruf der ESA im Bereich der bemannten Raumfahrt, es steigert auch die Wahrscheinlichkeit, dass ESA-Astronauten für eine Mission ausgewählt werden.

Die Erfahrung der ESA-Astronauten in Flugoperationen wird nicht nur an Bord während einer Mission geschätzt; auch wenn sie nicht an Bord der ISS oder einer Raumfähre sind, unterstützen sie vom Boden aus die Flugoperationen, z.B. im Bereich der Kommunikation mit den Astronauten-Crews im All. Wenn sie nicht an einer Weltraummission am Boden oder im All mitarbeiten, unterstützen die Astronauten das ESA-Technologie-Programm in so genannten co-lateralen Aufgaben wie im Fall der Entwicklung des Weltraumlabors Columbus oder des Raumtransporters ATV (Automated Transfer Vehicle).

Außerdem sind die Mitglieder des Astronautenkorps Botschafter für die Raumfahrt. Sie sind in zahlreiche Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Konferenzen und wissenschaftliche Vorträge involviert und teilen ihre einzigartigen Erfahrungen mit ihren Zuhörern, was ein Bewusstsein für Wissenschaft im Allgemeinen und Weltraumerforschung im Besonderen schafft.

Claude Nicollier

Claude Nicollier, Astronaut of the European Space Agency (ESA)
Claude Nicollier

GEBURTSDATUM / GEBURTSORT:
2. September 1944, Vevey, Schweiz

AUSBILDUNG:
Nach Beendigung des Gymnasiums 1962 in Lausanne (Schweiz) erwarb er 1970 an der Universität Lausanne das Lizentiat für Physik; 1975 schloss er an der Universität Genf das Nachdiplomstudium in Astrophysik ab.

FAMILIE :
Verheiratet, zwei Kinder.

HOBBIES:
Fliegen, Ski, Alpinismus, Fotografie und Alphorn.

MITGLIEDSCHAFTEN:
Mitglied der "Société astronomique suisse du Pacifique" und der Gesellschaft der Offiziere der Schweizer Luftwaffe. Mitglied der "British Interplanetary Society". Ehrenmitglied des Aero-Clubs der Schweiz und des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereines.

BERUFSERFAHRUNG:
Von 1970 bis 1973 arbeitete Claude Nicollier als Wissenschaftler am Institut für Astronomie der Universität Lausanne und am Genfer Observatorium. Anschliessend trat er in die Schweizer Luftverkehrsschule in Zürich ein, bevor er als DC-9-Linienpilot von der Swissair angestellt wurde. Er beteiligte sich weiterhin – in Teilzeitarbeit – an Forschungsarbeiten am Observatorium Genf. Ende 1976 erhielt er ein Stipendium der Europäischen Weltraumagentur (ESA) in der Abteilung für Weltraumwissenschaft in Noordwijk (Niederlande), wo er als Forscher an verschiedenen Astronomiearbeiten im Bereich der Infrarotstrahlung beteiligt war. 1978 wählte ihn die ESA für die erste Gruppe europäischer Astronauten aus, worauf er aufgrund eines Abkommens zwischen der NASA und der ESA zu den Astronauten-Kandidaten der NASA stiess, die im Mai 1980 für eine Ausbildung als "Mission-Specialists" ausgewählt wurden.

Zu den technischen Aufgaben, die ihm im Astronautenbüro der NASA übertragen wurden, gehörten die Überprüfung von Bordprogrammen im Laboratorium für Systemanalysen und -integration (SAIL), die Beteiligung an der Erarbeitung von Bergungstechniken für das System der seilgefesselten Satelliten (TSS) im Raumfährensimulator und die Unterstützung des Roboterarmprogrammes RMS.

1988 besuchte er die "Empire test pilots school" in Boscombe Down (Grossbritanien), wo er im Dezember 1988 sein Brevet als Testpilot erhielt. Als Hauptmann der Schweizer Luftwaffe pilotierte er Flugzeuge des Typs Northrop F-5E und Hawker Hunter in Übungsflügen für Bodenangriffe und Luftnahunterstützungen. Er hat bis heute mehr als 5000 Flugstunden absolviert, davon 3500 mit Düsenflugzeugen.

Claude Nicollier ist offiziell im Astronautenzentrum der ESA (EAC) in Köln (Deutschland) stationiert, arbeitet aber seit Juli 1980 im Astronautenbüro von Houston (USA).

Als "Mission-Specialist" nahm er am Flug der Raumfähre Atlantis STS-46 (31. Juli–8. August 1992) teil, bei dem die Besatzung die rückführbare Forschungsplattform EURECA der ESA im All aussetzte und die ersten Flugversuche mit dem System der seilgefesselten Satelliten (TSS) vornahm. Die Mission erstreckte sich über 123 Erdumkreisungen, das heisst 3,35 Millionen Meilen in 191 Stunden und 16 Minuten.

Claude Nicollier spacewalk
Claude Nicollier bei einer Hubble-Reparatur

Sein zweiter Auftrag als "Mission-Specialist" war die Teilnahme am Flug STS-61 (2.–13. Dezember 1993), während dem die Raumfähre Endeavour in einem gemeinsamen Programm von ESA und NASA das Weltraumteleskop Hubble angesteuert und repariert hat. Die Mission erstreckte sich über 163 Erdumkreisungen, das heisst 4,43 Millionen Meilen in 259 Stunden und 59 Minuten.

Im Januar 1995 wurde Claude Nicollier für seinen dritten Weltraumflug STS-75 ausgewählt. Während dieser 15tägigen Mission (22. Februar–9. März 1996) wurde die zweite Stationierung des seilgefesselten Satelliten (TSS) versucht; das Seil riss, als der Satellit eine Distanz von 19,7 Kilometern von der Raumfähre erreichte. Die Wissenschaftler konnten danach ihr Forschungsprogramm überarbeiten und auf den freien Flug des Satelliten ausrichten. Die Astronauten konzentrierten sich auf die Erfahrungen der Nutzlast USPM-3 im Weltraum. Die Mission erstreckte sich über 252 Erdumkreisungen, das heisst 6,5 Millionen Meilen in 377 Stunden und 40 Minuten.

Von 1996 bis 1998 leitete Claude Nicollier die Robotik-Gruppe für die Raumfähre und die Internationale Raumstation im Astronautenbüro bei der NASA/JSC, Houston.

Im August 1998 begann Claude Nicollier mit den Vorbereitungen zu seinem vierten Weltraumflug, der Mission STS-103 im November 1999. Während dieser dritten Mission zur Wartung des Weltraumteleskopes Spatial Hubble hat Nicollier zum ersten Mal die Raumfähre verlassen. Er installierte neue Systeme und Instrumente, um die Leistungsfähigkeit des Weltraumteleskopes zu erhöhen.

Nach vier Raumfahrtmissionen (1992: STS-46, 1993: STS-61, 1996: STS-75 und 1999: STS-103) kann Claude Nicollier auf über 1000 Stunden im Weltraum zurückblicken, darunter ein Weltraumspaziergang von 8 Stunden und 10 Minuten.

AUSZEICHNUNGEN:
Nach der Mission zur Wartung des Weltraumteleskopes erhielt Claude Nicollier die "Robert J. Collier Trophy 1993" der "National Aeronautic Association". Dieser Preis gilt als wichtigste Luftfahrts-Auszeichung in den Vereinigten Staaten. 1994 erhielt er die Silbermedaille der französischen "Académie nationale de l'air et de l'espace" und den Preis der Universität Lausanne. Darauf wurde er zum Doktor honoris causa der ETH Lausanne und der Universität Lausanne ernannt und erhielt anschliessend eine Professur an der ETH Lausanne. 1998 wurde er von der Einstein-Gesellschaft in Bern mit der Einstein-Medaille geehrt.

AKTUELLE SITUATION:
Claude Nicollier arbeitet zur Zeit in der EVA-Abteilung des NASA Astronaut Office in Houston.

Last update: 9 Februar 2010

Copyright 2000 - 2014 © European Space Agency. All rights reserved.