Phlegra Montes auf dem Mars

Berge und unterirdische Eisfelder auf dem Mars

2 Dezember 2011

Neue Aufnahmen der ESA-Mars-Sonde Mars Express zeigen die Phlegra Montes-Bergkette. Radardaten weisen auf große unterirdische Wassereisvorkommen in dieser Marsregion hin, die zukünftigen Astronauten möglicherweise als Wasserquelle dienen könnte.

Phlegra Montes ist eine sanft geschwungene Bergkette auf dem Mars. Sie verläuft vom nordöstlichen Teil der Elysium-Vulkanprovinz bis in die nördliche Tiefebene, etwa von 30° - 50°N. Die Bergformationen sind wahrscheinlich nicht vulkanischen Ursprungs, sondern wurden vor langer Zeit durch tektonische Bewegungen aufgefaltet, im Zuge derer verschiedene Oberflächenareale zusammengeschoben wurden.

Die neuen Aufnahmen zeigen, dass fast jeder Berg kreisförmig von Gesteinsschutt umgeben ist. Vermutlich sind diese Felsbrocken im Laufe der Zeit von den Hängen abgegangen. Sie ähneln dem Geröll, das sich hier auf der Erde auf Gletschern ablagert. Es wird angenommen, dass in dieser Region unterirdische Gletscher direkt unter der Oberfläche vorhanden sein könnten. Diese Interpretation wird auch von den Daten des Radarsystems an Bord des Mars-Erkundungssatelliten MRO der NASA gestützt.

Hinweise auf Wassereis

Phlegra Montes in der Übersicht

Das Radar hat Hinweise darauf geliefert, dass solche als Schuttkegel bezeichneten Strukturen in engem Zusammenhang mit dem Vorhandensein von unterirdischem Wassereis stehen, welches sich vielleicht in nur 20 Meter Tiefe befindet.

Weitere Hinweise auf relativ junge Gletscherbildung können im Inneren von Einschlagskratern gefunden werden. Erhöhungen könnten sich gebildet haben, als die alten Krater sich mit Schnee füllten. Mit der Zeit könnte sich der Schnee zu Gletschern verdichtet haben, die den Boden der Krater bildeten.

Im Tal im Zentrum der Aufnahme sind zudem weitere Strömungsstrukturen sichtbar.

Es wird angenommen, dass sich Gletscher zu verschiedenen Zeitpunkten innerhalb der letzten hunderten von Millionen Jahren gebildet haben, als die Polarachse des Mars deutlich anders verlief als heute und somit zu anderen klimatischen Bedingungen führte.

Zusammengenommen lassen diese Indizien auf Wassereisvorkommen in der Phlegra Montes-Bergkette direkt unter der Oberfläche schließen. Sollte sich dies bestätigen, könnten derartige Eisfelder auf dem Roten Planeten künftigen Astronauten als Wasserquelle dienen.

Strömunsstrukturen

Phlegra Montes ist eine sanft geschwungene Bergkette auf dem Mars. Über die gesamte Aufnahme verteilt sind Strömungsstrukturen zu erkennen. Lineare Strömungsstrukturen sind im Tal sichtbar (Markierung 1). Fast jeder Berg ist kreisförmig von Gesteinsschutt umgeben (Markierung 2). Vermutlich sind diese Felsbrocken im Laufe der Zeit von den Hängen abgegangen. Sie ähneln dem Geröll, wie es sich hier auf der Erde auf Gletschern ablagert. Ähnliche kegelförmige Strukturen sind auch in den Einschlagkratern zu sehen (Markierung 3). Diese als „Concentric Crater Fill“ bezeichneten kreisförmigen Schuttablagerungen könnten ebenfalls auf Wassereisvorkommen unter der Oberfläche hindeuten. Die Daten für diese Darstellung wurden am 1. Juni dieses Jahres von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) der Mars-Sonde Mars Express während des 9465. Marsumlaufs erhoben.

Phlegra Montes-Höhenprofil

Diese Aufnahme ist auf 33°N/162°E zentriert. Die Darstellung wurde mittels eines Digitalen Geländemodells (DGM) erstellt, das aus den Daten der hochauflösenden Stereokamera an Bord des ESA-Satelliten Mars Express generiert wurde. Die Höhendaten des DGM sind farbcodiert: Die niedrigsten Regionen erscheinen in lila, die höchstgelegenen in grau. Die Höhen sind in Metern angegeben. Die Daten für diese Darstellung wurden am 1. Juni dieses Jahres von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) der Mars-Sonde Mars Express während des 9465. Marsumlaufs erhoben.

Phlegra Montes in Hochauflösung

Die Daten für diese Darstellung wurden am 1. Juni dieses Jahres von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) der Mars-Sonde Mars Express während des 9465. Marsumlaufs erhoben. Die Aufnahmen haben eine Auflösung von etwa 16 Meter pro Bildpunkt. Sie wurden aus dem Nadirkanal erstellt, dem Kanal mit der höchsten Auflösung.

Phlegra Montes, Perspektivaufnahmen

Die Daten für diese Darstellungen wurden am 1. Juni dieses Jahres von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) der Mars-Sonde Mars Express während des 9465. Marsumlaufs erhoben. Diese Perspektivaufnahmen wurde aus dem Digitalen Geländemodell errechnet, das aus den Stereokanälen generiert wurde.

Phlegra Montes in 3D

Die Daten für diese Darstellung wurden am 1. Juni dieses Jahres von der hochauflösenden Stereokamera (HRSC) der Mars-Sonde Mars Express während des 9465. Marsumlaufs erhoben. Zur Generierung einer dreidimensionalen Darstellung wurden hier Daten des Nadirkanals der HRSC und eines Stereokanals kombiniert. Der 3D-Effekt ist nur mit einer 3D-Brille wahrnehmbar.

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