Cebreros: Das spanische Zwillings-Ohr

Idyllisch liegt die neue Bodenstation Cebreros in der Nähe Madrids
23 Dezember 2004

Die ESA baut ihr Netz von Deep Space-Bodenstationen zur Kommunikation mit europäischen interplanetaren Missionen aus. Nach New Norcia (Australien) wird jetzt in Cebreros (Spanien) das zweite 35-Meter-Riesenohr für den Empfang außerirdischer Signale montiert.

Die wissenschaftliche Neugier führt die Forscher der Europäischen Weltraumorganisation immer tiefer in den Weltraum. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung kommen die ESA-Aktivitäten bei der Erforschung unseres Sonnensystems nun so richtig in Schwung. Europas erster Planetenorbiter Mars Express umkreist unseren roten Nachbarn, der Kometenjäger Rosetta befindet sich auf einer langen Reise zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko und SMART-1 umrundet seit kurzem unseren Erdtrabanten.
Neben Venus Express zur Erforschung des heißen Nachbarplaneten Venus (Start Ende 2005) werden weitere anspruchsvolle europäische Missionen zum Mars vorbereitet, deren Höhepunkt in der Landung von Menschen – Fernziel des Aurora-Programms – auf dem Roten Planeten gipfelt.

ESA-Netzwerk für die außerirdische Kommunikation

Zu Beginn ihrer interplanetaren Aktivitäten nutzten die Europäer für den Kontakt ihrer Sonden zunächst ausschließlich die Parabolantennen des Deep Space Network der NASA. Bald war jedoch klar, dass für die steigenden interplanetaren Aktivitäten ein eigenes Netz leistungsfähiger Bodenstationen errichtet werden muss. Spätestens mit der Annahme des ESA-Programms Cosmic Visions 2020 stand fest, dass diese Kapazitäten dringend benötigt werden.
Die Kommunikation mit einer Raumsonde über eine Antenne ist durch die Rotation der Erde nur zeitlich begrenzt möglich. Deshalb errichtet die ESA ein Netz von Deep Space Stationen an verschiedenen Standorten der Erde – ähnlich dem NASA-Netzwerk.

Der Anfang wurde im März 2003 gemacht, als die erste Deep-Space-Bodenstation der ESA in New Norcia (Westaustralien) in Betrieb ging. Das mit 35 Metern Durchmesser sowie hochempfindlicher Elektronik ausgestattete Riesenohr dient vorrangig der Kommunikation mit den Raumsonden Mars Express und Rosetta. Ende 2005 wird noch die Mission Venus Express hinzukommen.

Bereits 2005 soll die zweite Riesenantenne bei Cebreros (Spanien) in Betrieb genommen werden. Eine dritte Einrichtung für interplanetare Missionen ist in Südamerika oder im Süden Afrikas vorgesehen. Diese drei Stationen sind so auf der Erdkugel verteilt, dass mit den Raumsonden ohne Unterbrechung kommuniziert werden kann.

Ein riesiger Zwilling wächst heran

Ein Spezialkran hebt die Antenne auf den Sockel

Baugleich zu New Norcia entsteht in dem nahe Madrid gelegenen Ort Cebreros (Spanien) die zweite 35-Meter-Antennenanlage der ESA. Dabei wurde am 24. November 2004 ein wichtiger Meilenstein erreicht. Ein Spezialkran hievte die vormontierte Antenne auf den zuvor errichteten Sockel. Sowohl beim Sockel, als auch bei der Antenne war Präzisionsarbeit erforderlich, denn der fast 600 Tonnen schwere Parabolspiegel muss später auch bei schnellen Drehbewegungen millimetergenau positioniert werden.

Bei der kanadischen Firma SED Systems, dem Hauptauftragnehmer, werden jetzt die funktechnischen Komponenten für Cebreros vorbereitet. Nach deren Einbau und umfangreichen Tests soll die spanische Bodenstation Ende September 2005 betriebsbereit sein. Sie wird wie auch die Anlage in New Norcia weitestgehend vollautomatisch per Fernsteuerung vom Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt aus gesteuert werden.

„Für Cebreros werden wir insgesamt nur zwei Jahre Bauzeit benötigen“, berichtet ESOC-Projektleiter Manfred Warhaut, denn „wir konnten die Infrastruktur einer auf dem Gelände von Cebreros liegenden ehemaligen NASA-Station im März 2004 übernehmen. Die Renovierung der bereits vorhandenen Gebäude und die technische Neuausstattung ist natürlich wesentlich kostengünstiger, als ein völliger Neubau auf einer grünen Wiese, so wie es in New Norcia geschah.

Der Baufortschritt kann auch mit Hilfe einer in Cebreros installierten Webcam verfolgt werden:

www.vilspa.esa.int/~webcam

Zusätzliche Kapazitäten in Perth

Die 15 Meter-Antenne von Perth unterstützt künftig den interplanetaren Funkverkehr

Da in den nächsten Jahren bei erfolgreichem Verlauf aller geplanten Missionen auf die Antennen des Deep Space Bodenstationsnetzes der ESA ein wahres Signalfeuer niedergehen wird, haben sich die Techniker des ESOC entschlossen, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Eine in Perth stationierte Antenne der ESA mit 15 Metern Durchmesser hat deshalb eine verbesserte elektronische Ausstattung erhalten, um so in den interplanetaren Funkverkehr unterstützend eingreifen zu können. Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand in der Sicherstellung der Verbindung mit von Kourou aus startenden Ariane-Trägerraketen und deren Nutzlast.

Was das wachsende Lauschernetz auch immer einfängt, alle Datenströme werden in die Schaltzentrale der ESA, dem Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt transferiert, dort bearbeitet und ausgewertet. Doch das ESOC ist keine Einbahnstraße. Minutiös steuern Europas Wissenschaftler von Darmstadt aus die komplizierten Bahnmanöver ihrer interplanetaren Raumsonden via Deep Space Network. Bis in die äußersten Winkel unseres Sonnensystems.

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