Claude Nicollier ist Flugversuchsleiter von Solar Impulse

Claude Nicollier Solar Impulse
8 Dezember 2009

Der waadtländische Astrophysiker Claude Nicollier bildet heute als Professor der Weltraumtechnologie an der technisch-naturwissenschaftlichen Universität (STI) der „Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne “ (Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne - EPFL)“ erfahrene Ingenieure im Bereich der Weltraumtechnik aus, die von der Schweizer Industrie immer mehr nachgefragt werden.

Weltumrundung in 5 Etappen in 2012

Der ehemalige ESA-Astronaut - von 1978 bis 2007: vier Raumfahrtmissionen mit der US Raumfähre, darunter zwei Flüge zum Hubble-Weltraumteleskop - ist aber auch ein eifriger Vertreter nachhaltiger Entwicklung. Als Leiter der Flugversuche von Solar Impulse, koordiniert und unterstützt er das „Flight Dynamics and Test Team“ des Solarflugzeugs von Bertrant Piccard und André Borschberg.

Mit der Spannweite eines Airbus A340 (63,40 Meter), dem Gewicht eines Autos (1600 Kilo) und der Silhouette einer Möwe, hat sich das Luftfahrzeug eine Weltumrundung, alleine mit Sonnenenergie als Antriebskraft, zum Ziel gesetzt. Es müsste also tagsüber die notwendige Energie für den Nachtflug speichern können. Hiermit soll dargestellt werden, dass Energiesparen und Umweltschutz mit der Nutzung und Optimierung aktueller Technologien durchaus möglich ist.

Für Solar Impulse bietet sich hier auch Gelegenheit, die Beziehung zwischen einem Pilot und Flugzeug neu zu definieren. „Ich bin für die Leitung und den korrekten Ablauf der ersten Flugversuche des Prototypen HB-SIA, sowie für die Entscheidungsverfahren während der Vorbereitungen der Versuchsphasen verantwortlich“. Nach Vorbereitungen am Boden wurde das Flugzeug Anfang November aus dem Hangar gefahren und wird seine ersten Flugversuche am Schweizer Himmel im Dezember 2009 zunächst auf dem Flugplatz von Dübendorf durchführen und anschließend, am Ende des Winters 2009-2010, auf dem Flugplatz von Payerne. Ein erster kompletter Zyklus (Tag-Nacht-Tag) ist für 2010 vorgesehen, um die Durchführbarkeit eines Nachtfluges mit Sonnenenergie zu beweisen. Die Ergebnisse von HB-SIA und deren Auswertungen werden zur Entwicklung und Verwirklichung eines zweiten Flugzeugs dienen, dem HB-SIB, das 2012 für eine Weltumrundung in mehreren Etappen von je drei bis fünf Tagen bestimmt ist.

Bei dieser neuen Herausforderung arbeitet Claude Nicollier mit sehr erfahrenen Ingenieuren zusammen: Markus Scherdel (Testpilot), Ralph Paul ( Experte in Flugdynamik, der den Simulator entwickelt hat), Christophe Schlettig (Prüffeldingenieur, verantwortlich für die Aufnahme der Flugparameter, deren Aufbereitung und der Analyse dieser wertvollen Informationen) und Peer Franck (Ingenieur, Dynamikspzialist), deren zahlreiche Berechnungen die Bestimmung der erwarteten Leistungen des Flugzeugs ermöglichten. Hierbei dürfen aber auch die Berater Heiner Neumann, ehemaliger Testpilot, sowie Rogers Smith, ehemaliger Tetspilot der NASA im Dryden Research Center von Kalifornien, nicht unerwähnt bleiben

Raumfähre und Extrem-Flugzeug

Solar Impulse
Solar Impulse

Solar Impulse hat einem seiner Partner, dem internationalen Konzern Altran, ein wichtiges Mandat erteilt. Seit 1989 in der Schweiz, vertreten, beteiligt sich der Konzern an der Konzeption des Flugzeugs (Energie, Cockpit-Systeme) und Projektplanung sowie an der Entwicklung und Nutzung eines Modellierungs- und Simulationsprogramm. Mit dem Altran Simulator wird dem Team auch ermöglicht, die Schwierigkeiten, die das Projekt mit sich bringt, zu antizipieren, wirksame Lösungen zu erarbeiten, und somit regelrechte Strategien für die Flugmissionen zu entwickeln. "Mit dem Simulatorkann besser auf die Langsamkeit des Flugzeugs, seinen kleinen Wendekreis und die typischen Flugeigenschaften von Flugzeugen mit großen Spannweiten, das heißt, geringe Seitenstabilität und Richtungsstabilität, eingegangen werden. Während der Konstruktion hat der Simulator uns auch ermöglicht, Änderungen am Design vorzunehmen, um die Flugeigenschaften zu verbessern. Zum Beispiel die Einrichtung von Spoilern an den Flügelspitzen erleichtern das fliegen von Kurven", sagt der ehemalige Schweizer Astronaut der ESA. Ist der Unterschied zur Weltraumtechnologie groß, oder finden Sie Ähnlichkeiten zwischen dem HB-SIA und einer Raumfähre? „Es handelt sich in beiden Fällen um extreme Technologien mit wenig Spielraum! Bei der Raumfähre geht es um Geschwindigkeit, Temperatur und äußere Einwirkungen. Bei Solar Impulse geht es um Energiemanagement und die Leichte der Struktur. Tatsächlich wurde noch nie ein Flugzeug dieser Dimension mit einer solch extrem leichten Struktur gebaut! "

Erst später selbst an Bord

Claude Nicollier entwickelte ebenfalls, im Auftrag von Omega (Hauptpartner), ein spezielles, im Cockpit integriertes Instrument. Dieses Instrument wird eine genaue Anzeige der, bei diesem Flugzeug kritischen, Querneigung ermöglichen. Darüber hinaus wird die Flugrichtung angezeigt werden, eine Hilfe für den Piloten während der Annäherungsphase zur Landung. Jedoch steht der Astrophysiker nicht auf der Warteliste für einen Flug an Bord des ersten Solar Impulse: "Ich werde jedenfalls nicht vor dem erfolgreichen Abschluss des 36-Stunden-Flugs, dem Hauptziel des Prototyps, fliegen. Dagegen ist vorgesehen, dass ich in einer späteren Entwicklungsphase an Bord dieses Flugzeugs oder seines Nachfolgers Platz nehmen kann."

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Solar Möwe diesen erfahrenen Himmelsfahrer unter seinen Flügeln willkommen heißen wird.

Claude Nicollier ist auch Präsident des CSEM

Claude Nicollier
Claude Nicollier

Claude Nicollier (geboren am 2. September 1944 in Vevey) war 1992 (Raumfähre Atlantis, STS-46) der erste Schweizer, der in den Weltraum flog und einer der ersten nicht-amerikanischen Ingenieure an Bord. Er wurde als Astronaut für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) bei der NASA ausgewählt, und flog so anschließend noch weitere drei Mal in den Weltraum: 1993 an Bord der Endeavour, 1996 mit der Columbia und 1999 mit der Discovery. Diese letzte Mission war für ihn eine besondere Anerkennung, denn er war der erste europäische Astronaut, der einen Weltraumausstieg (EVA) unternahm. Gleichzeitig konnte er an der Wartung und Reparatur des Hubble-Teleskops teilnehmen.

Heute ist Claude Nicollier Professor der Weltraumtechnologie an der technisch-naturwissenschaftlichen Universität (STI). Sein Büro befindet sich im Space Center der EPFL, die erfahrene Ingenieure im Bereich der Weltraumtechnik ausbildet, um die die Schweizer Industrie mittlerweile immer mehr wirbt. Mit elf Auszeichnungen, darunter die Albert Einstein- und die Juri Gagarin Medaillen, wurde Claude Nicollier im Juni 2007 Präsident des Verwaltungsrats des Schweizer Forschungs- und Entwicklungszentrum mit den Schwerpunkten Elektronik und Mikro- und Nanotechnologie (CSEM - Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) von Neuenburg.

Der ehemalige ESA Astronaut fliegt noch regelmäßig, im Wechsel mit seinem Kollegen Raymond Clerc den Hunter Trainer TMk.68 J-4203, das von 1968-1994 von der Schweizer Luftwaffe genutzt wurde. Das Düsenflugzeug trägt heute die Privatnummer HB-RVW. Über das Museum der Militärluftfahrt von Payerne „Clin d’Ailes“, in dessen Besitz das Flugzeug ist, kann man als Passagier mit diesem Flugzeug über die wunderschöne Alpenlandschaft fliegen. Und noch dazu mit Claude Nicollier!

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