ESA übernimmt Vorsitz beim internationalen Programm „Leben mit einem Stern“

Masseausstösse der Corona in Richtung Erde
20 Februar 2003

Die Europäische Weltraumorganisation stellt den ersten Vorsitzenden beim „International Living With a Star Programme“ (ILWS), eine neue Initiative von Raumfahrtagenturen aus aller Welt, die klären soll, wie Schwankungen der Sonnenaktivität auf kurze und lange Sicht die Umwelt auf der Erde und den anderen Planeten beeinflussen. Dabei wird sich das ILWS besonders mit den Aspekten des Sonne-Erde-Systems befassen, die sich auf die Menschheit und die Gesellschaft auswirken können. An diesem einzigartigen Gemeinschaftsvorhaben sind Europa, die Vereinigten Staaten, Rußland, Japan und Kanada beteiligt.

Die Sonne ist ein variabler Stern. Die von ihr ausgesandte Strahlungsmenge ändert sich ständig, vor allem bei Wellenlängen, die wir nicht sehen können, wie z.B. im Ultraviolettbereich. Von ihr geht auch ein stürmischer Teilchen-„Wind“ aus, der sogenannte Sonnenwind, der das Magnetfeld der Erde verwirbelt. Plötzliche Änderungen im Sonnenwind können zum Ausfall von Nachrichtensatelliten und zu Unterbrechungen in der Stromversorgung auf der Erde führen und den Gesundheitszustand von Flugpassagieren in großen Höhen beeinträchtigen. Langsame Veränderungen der Sonnenstrahlung oder selbst des Sonnenwinds könnten überdies zu Klimaänderungen beitragen. Eine genauere Kenntnis dieser Phänomene ist daher auf unterschiedliche und manchmal unerwartete Weise von Bedeutung.

Das ILWS sieht ab 2003 den Start unterschiedlicher Missionen über einen rund zehnjährigen Zeitraum vor. Durch Bündelung der Daten der bisher größten Flotte von Raumfahrzeugen wird das ILWS erstmals einen Gesamtüberblick über die Wechselwirkungen zwischen Sonne und Erde vermitteln und damit ein umfassendes Verständnis dieser Vorgänge ermöglichen. Es wird sich auch mit den Auswirkungen der Sonne auf andere Planeten befassen.

Earth's magnetic field buffeted by solar wind
Das Magnetfeld der Erde wird vom Sonnenwind eingedrückt

Ausgangspunkt des Programms bilden die laufenden Missionen „SOHO“ und „Cluster“ der ESA. Noch in diesem Jahr soll in Zusammenarbeit mit China eine Weltraummission namens „Double Star“ gestartet werden, die die Mission „Cluster“ ergänzen soll. In etwa zehn Jahren dürfte die geplante ESA-Mission „Solar Orbiter“ im Mittelpunkt des Interesses stehen, die der Sonne näher kommen soll, als bei allen bisherigen Missionen der Fall war. In der Zwischenzeit wird die ESA bei Missionen anderer Agenturen zu einer optimalen Datenausbeute beitragen; so verhandelt sie gegenwärtig über die Bereitstellung von Bodenstationen für die japanische Mission „Solar-B“ (Start 2005) und zieht eine Beteiligung an den NASA-Missionen „STEREO“ (Start 2005) und „Solar Dynamics Orbiter“ (Start 2007) in Betracht.

Auch werden ESA-Missionen zu erdähnlichen Planeten - „Mars Express“ (Start 2003), Venus Express“ (Start 2005) und „BepiColombo“ zum Merkur (Start 2011/2012) - Instrumente mitführen, die der Untersuchung der Wechselwirkungen des Sonnenwinds mit den betreffenden Planeten dienen.

Hermann Opgenoorth, der neu ernannte Leiter der ESA-Abteilung Sonnen- und solar-terrestrische Missionen, wird in den ersten zwei Jahren den Vorsitz im ILWS-Lenkungsausschuß führen. „Der Erforschung der Sonne und ihres Einflusses auf die Erde kommt ohne Zweifel große Bedeutung zu“, meint er, „aber diese Aufgabe kann keine Raumfahrtagentur allein bewältigen.“

SOHO
SOHO Satellit

Anmerkungen für die Redaktionen:

Das neue ILWS-Programm baut auf einem früheren internationalen Gemeinschaftsvorhaben zwischen Europa, Japan, Rußland und den USA auf, das zur Erforschung der Sonne und ihres Einflusses auf die Erde bestimmt war. Der Beitrag der ESA zu diesem „Internationalen Programm zur Physik der solar-terrestrischen Wechselbeziehungen“ (ISTP) bestand unter anderem in den Missionen „SOHO“ und „Cluster“. Bei dem ILWS ist auch die kanadische Raumfahrtagentur CSA mit von der Partie.

Das neue Programm wurde auf einem Treffen zwischen Vertretern der beteiligten Raumfahrtagenturen vom 4. bis 6. September 2002 in Washington offiziell in Gang gesetzt. Es soll von einem internationalen Lenkungsausschuß aus Vertretern dieser Agenturen - die Nationale Luft- und Raumfahrtorganisation der USA (NASA), die Europäische Weltraumorganisation (ESA), das japanische Institut für Weltraumwissenschaft und Astronautik (ISAS), die Russische Luft- und Raumfahrtagentur (Rosaviacosmos) und die kanadische Raumfahrtagentur CSA - überwacht werden.

Sondervorhaben sollen von einer ILWS-Arbeitsgruppe koordiniert werden, an deren erster Sitzung, die am 14. und 15. April im französischen Nizza stattfindet, mehr als zwanzig Raumfahrteinrichtungen teilnehmen wollen. Zu den Beiträgen dieser Einrichtungen gehören Missionen, Nutzlasten, Untersysteme, Start- und Bahnverfolgungsdienste, Höhenforschungsraketen und -ballons sowie der ungehinderte Zugang zu Datenquellen.

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