Galileo-Zwillings-Satelliten sind betankt und startbereit

Betankung eines Galileo-Satelliten
2 Oktober 2012

Die beiden Galileo-Satelliten sind vollständig betankt und sitzen jetzt nebeneinander auf der Fregat-Oberstufe. Der Start ist nun für den Abend des 12. Oktober 2012 geplant.

Techniker zogen sich raumanzugartige SCAPE-Anzüge (Self-Contained Atmospheric Protective Ensemble) an, um die beiden Satellitentanks mit Hydrazin-Treibstoff zu füllen, der für die Lageregelung und Orbitalposition der Satelliten während der geplanten 12-jährigen Lebensdauer benötigt wird.

Anstatt eine große Treibstoffmenge mit sich zu führen, um sich selbst in ihre geplanten Umlaufbahnen zu bringen, wie das bei typischen Telekommunikationssatelliten oder bei US-amerikanischen GPS-Satelliten der Fall ist, werden die Galileo-Satelliten von einer Fregat als vierte Stufe ihrer Sojus ST-B Trägerrakete in den mittleren Erdorbit gebracht.

Paarweiser Start an Bord einer Sojus-Trägerrakete

Galileo satellites
Galileo-Satellit (künstlerische Darstellung)

Da Galileo ohne diesen zusätzlichen Treibstoff und Schubdüsen auskommt, sind die Satelliten klein genug, um paarweise an Bord einer Sojus-Rakete gestartet werden zu können - oder zu viert mit der neuen Ariane-5-Variante, die zurzeit vorbereitet wird.

Die Galileo-Satelliten wurden zu dem Zweck an einem eigens dafür gebauten Dispenser angebracht, der sie während des Starts sicher in Position hält. Anschließend werden pyrotechnische Ladungen gezündet, um die Satelliten seitwärts in die entgegengesetzte Richtung auszusetzen, sobald der Zielorbit erreicht wurde. Die Aluminiumplatten auf jeder Seite der Satelliten sind nur vorübergehend angebracht, um ihre empfindlichen Sonnensegel zu schützen; die Platten werden später entfernt.

Das Satellitenpaar, der Dispenser und die Fregat-Oberstufe werden nun sorgfältig überprüft, dann folgt der nächste Meilenstein: die Montage der schützenden Nutzlasthülle, welche für diesen Donnerstag vorgesehen ist.

Das "Launch Readiness Review" für die Mission findet zu Beginn der folgenden Woche statt. Wenn alles gut geht, wird der komplette obere Verbund vom Integrationsgebäude der Fregat-Oberstufe zur Startrampe gebracht, wo er dann auf der Sojus-Rakete integriert wird.

Vervollständigung der Galileo-IOV-Phase

Galileo FM3 fitcheck
Galileo-Satellit und Dispenser

Mit dem Start treffen diese zwei neuen Galileo-Satelliten der "In-Orbit Validierung" auf die ersten beiden Galileo-Satelliten, die seit Oktober 2011 in der Umlaufbahn sind.

Dies ist ein wichtiger Meilenstein für Europas Galileo-Programm, denn für geografische Standortbestimmungen sind vier Satelliten erforderlich - das System kann vollständig getestet werden, sobald alle am Himmel sichtbar sind.

Dieser „In-Orbit-Validierungsphase“ folgt der Einsatz weiterer Satelliten und Komponenten des Bodensegments, um die volle Funktionsfähigkeit zu erreichen. Danach können die Nutzer auf der Erde die Dienste in Anspruch nehmen.

Galileo IOV
Galileo Satelliten-Konstellation.

Die ersten vier Satelliten wurden von einem von EADS Astrium angeführten Konsortium gebaut, wobei Astrium die Plattformen produziert und Astrium UK für die Nutzlasten verantwortlich ist. Sie wurden in Rom von Thales Alenia Space zusammengebaut und getestet.

Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen wird für die Steuerung der Satelliten während ihrer gesamten zwölfjährigen Lebensdauer zuständig sein.

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