Industrievertrag für BepiColombo unterzeichnet

ESA und Astrium unterzeichnen den BepiColumbus-Vertrag
18 Januar 2008

Die industrielle Entwicklung von BepiColombo, Europas erster Mission zum Merkur, wurde jetzt offiziell in Auftrag gegeben. Der Hauptvertrag, den die ESA an Astrium vergeben hat, wurde heute im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Friedrichshafen unterzeichnet.

Die BepiColombo-Mission soll die bislang umfassendsten Studien des Merkur vornehmen und wurde von der ESA bereits im Oktober 2000 als Flaggschiffmission ausgewählt. Seitdem wurden mehrere Industriestudien durchgeführt und im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens wurde Astrium 2006 als Hauptauftragnehmer benannt.

Der Start von BepiColombo ist für August 2013 geplant. Nach einem sechsjährigen Flug in das Innere des Sonnensystems soll die Mission den Merkur 2019 erreichen. Bei dieser Mission werden erstmals zwei Raumsonden, die eine aus Europa und die zweite aus Japan, gleichzeitig zum Merkur aufbrechen. Die gemeinsame Mission mit der JAXA (Japanese Aerospace Exploration Agency) wurde unter Federführung der ESA geplant.

BepiColombos planetarische und magentosphaerische Umlaufbahn

„Die beiden Raumsonden sollen wissenschaftliche Fragen klären helfen, unter anderem im Hinblick auf die Entstehung und die Entwicklung eines Planeten in unmittelbarer Nähe zu seiner Sonne, den Zustand des Planeteninneren und seines Magnetfeldes. Außerdem soll Einsteins allgemeine Relativitätstheorie überprüft werden“, so Johannes Benkhoff, Projektwissenschaftler für BepiColombo bei der ESA.

Die Raumsonde der ESA, ein Fernerkundungsorbiter mit dem Namen MPO (Mercury Planetary Orbiter), soll mit 11 Instrumenten unter Einsatz verschiedener Messgeräte und Wellenlängen die Oberfläche und die Zusammensetzung des Planeten mit noch nie zuvor erreichter Genauigkeit erkunden.

Die zweite Raumsonde, der von der JAXA entwickelte Magnetosphärenorbiter MMO (Mercury Magnetospheric Orbiter), soll mit fünf Instrumenten die Magnetosphäre des Planeten erforschen, also den Raum um den Planeten, in dem dessen Magnetfeld dominiert.

Im Auftrag der ESA wird in den folgenden Jahren ein Industriekonsortium unter der Leitung von Astrium den Mercury Planetary Orbiter der ESA und das Antriebsmodul (Mercury Transfer Module) entwickeln und bauen. Das Antriebsmodul soll die sandwichartig miteinander verbunden Sonden zum Ziel bringen.

„Astrium wird eine Reihe von technischen Herausforderungen zu meistern haben“, erläutert Jan van Casteren, Projektleiter für BepiColombo bei der ESA. „Die besonderen Schwierigkeiten liegen im Betrieb des Raumfahrzeugs in der Nähe eines Planeten, der die Sonne so nah umkreist, dass deren Strahlung etwa zehn Mal stärker ist als in der Umgebung der Erde.“

Grafische Darstellung des Ionenantriebs

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, Merkur zu erreichen und dann in die Umlaufbahn einzuschwenken, da für das Bremsmanöver gegen die Anziehungskraft der Sonne viel Energie benötigt wird. Für den interplanetaren Flug ist BepiColombo mit einem solar-elektrischen (Ionenantrieb) ausgestattet. Mehrere Swingby-Manöver an mehreren Planeten vorbei sorgen für die nötige Beschleunigung. Das Einbremsen in die Umlaufbahn des Merkur erfolgt mit einem herkömmlichen (chemischen) Antrieb.

Um möglichst präzise wissenschaftliche Daten gewinnen zu können, sollen die Instrumente des Mercury Planetary Orbiter direkt von oben auf den Planeten gerichtet werden. Dies wurde beim Merkur nie zuvor versucht, da die Oberfläche des Planeten extreme Hitze abstrahlt. Die Sonde kann dank der höchsten Datenübertragungskapazität, die auf Merkur-Missionen je zur Verfügung stand, große Mengen qualitativ hochwertiger Daten an die Erde senden und verspricht somit eine reiche wissenschaftliche Ausbeute.

Weitere Informationen erhalten Sie von

Jan van Casteren (ESA), Projektleiter für BepiColombo
Jan.van.Casteren [@] esa.int

Johannes Benkhoff (ESA), Projektwissenschaftler für BepiColombo
Johannes.benkhoff [@] esa.int

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