Junge Visionen für die europäische Raumfahrt und neue Trägersysteme

Nachtstart einer Ariane 5
29 Mai 2012

"Raumfahrtvisionen der jungen Generation und die Zukunft der europäischen Trägersysteme": Unter diesem Motto fand am 23. Mai 2012 in Berlin in der Bremer Landesvertretung eine öffentliche Podiumsdiskussion mit jungen Nachwuchsforschern statt. Eingeladen hatte das europäische Städtenetzwerk Communauté des Villes Ariane“(CVA), dessen Vorsitz in diesem Jahr Bremen hat.

Die Geschichte der europäischen Ariane- Trägerraketenfamilie ist seit mehr als 30 Jahren eine einzigartige Erfolgsstory. Die Ariane-Raketen gehören zu den zuverlässigsten Trägersystemen in der Raumfahrt. Mit dem letzten Start am 17. Mai 2012 haben 48 Ariane in Folge ihre Nutzlast ohne technische Probleme ins All befördert. Diese Rakete als „das“ Arbeitspferd sichert zusammen mit den ebenfalls vom Europäischen Weltraumbahnhof startenden Trägern Sojus und Vega den autonomen Zugang Europas in den Weltraum.

Die Ariane: Ein Wirtschaftsfaktor auch für Deutschland

Das Bremer Stadtwappen flog ins All

Aber nicht nur für Europa, auch für die Städte und Regionen, in denen die Ariane entwickelt und gefertigt wird, hat sie große Bedeutung. Sie bietet dort eine Vielzahl hochqualifizierter Arbeitsplätze und befördert die Hochtechnologie-Forschung an den jeweiligen Hochschulen, Universitäten und Instituten. Um diese Tatsache sowohl der Politik als auch breiteren Bevölkerungsschichten zu vermitteln, wurde von den genannten Städten und Regionen ein Städtenetzwerk für europäische Raumfahrt Transportsysteme gegründet. Nähere Informationen dazu finden sich in dem detaillierten Beitrag „Ein starkes Team: der Ariane-Städtebund“. In diesem Jahr hat Bremen den Vorsitz des Netzwerks. Aus diesem Anlass wurde im März 2012 auf der Ariane-Rakete mit dem ATV 3 an Bord der Schriftzug „Freie Hansestadt Bremen“ und das Stadtwappen, der „Bremer Schlüssel“, auf ihre Oberfläche aufgebracht. Und verbunden mit der Sitzung des Bürgermeisterrates des Netzwerks fand in der Bremer Landesvertretung in Berlin am 23. Mai 2012 eine öffentliche Podiumsdiskussion statt.

Aufregende Visionen der jungen Generation

Junge Forscher erläuterten ihre Zukunftsvisionen

Zu dieser Veranstaltung wurden ausgewählte junge Menschen - Vertreter der zukünftigen Generation von Experten und Entscheidungsträgern – eingeladen, um ihre aufregenden Visionen von künftigen Raumfahrtprojekten und Trägersystemen darzustellen. Denn sie sollen die inzwischen über 50jährige Geschichte europäischer Raumfahrt fortschreiben und ihr neue Impulse verleihen.

Virginie Hager

So vermittelte Anna Schubert, eine junge Ingenieurin von EADS Astrium in Bremen, einen Einblick in den Aufbau und die Funktion der Bremer Ariane-Oberstufe sowie die Entwicklung eines leistungsfähigeren Nachfolgemodells, an dessen Bau sie beteiligt ist.
Virginie Hager, sie hat Maschinenbau in Dresden studiert, wurde von der Raumfahrtbegeisterung ihres Vaters infiziert und wird sich am ESTEC in Noordwijk (Niederlande) um die Integration wissenschaftlicher Experimente in die Internationale Raumstation ISS kümmern. Der junge Nachwuchswissenschaftler Joachim Strenge aus Bremen hat unter dem Namen Vesta die Studie einer Mission entwickelt, die bei ihrer Verwirklichung vom Asteroiden Vesta Gesteinsproben zur Erde zurückholen soll.

Den Zugang zum Weltraum weiter sichern

Astronaut. Reinhold Ewald bei der Podiumsdiskussion

Damit diese jungen Forscher auch in Zukunft ihre Visionen zur Eroberung und Nutzung des Weltalls zum Vorteil für die gesamte Menschheit umsetzen können, bedarf es stetiger Überzeugungsarbeit in der Gesellschaft. Denn der eigenständige Zugang zum und die Forschung im Weltraum ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung Europas verbunden.
Das wurde auch in einer Diskussionsrunde mit Vertretern der ESA, des DLR und der Industrie deutlich. So wies der deutsche ESA-Astronaut und langjährige Leiter ISS-Missionsbetrieb Dr. Reinhold Ewald eindrucksvoll auf die Notwendigkeit redundanter Transportsysteme zur Versorgung der ISS hin. Nach dem Ende der Shuttle-Flüge kann derzeit nur Russland Menschen von und zur ISS befördern: ein Zustand, der bei Problemen am russischen Transportsystem sogar den weiteren Betrieb der ISS gefährden könnte.

Weltraumforschung generiert neue Technologien

Chassis moderner Rennwagen werden in Kohlefasertechnologie hergestellt

Die am 23. Mai auf der Podiumsdiskussion vertretenen Mitglieder der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt des Bundestages (PGLR) Uwe Beckmeyer, Torsten Staffeldt und Dr. Christian Ruck müssen vom Sinn und Nutzen der europäischen Raumfahrt nicht erst überzeugt werden. Sie ziehen trotz unterschiedlicher politischer Zugehörigkeit bei der Verwirklichung ihrer Ziele an einem Strang. Und sie können mit beeindruckenden Beispielen von Technologietransfers aufwarten. Dr. Christian Ruck, Bundestagsabgeordneter aus Augsburg, wies beispielsweise darauf hin, dass sich vor Jahren aus der Fertigung von Komponenten für Trägersysteme in Augsburg die innovative Kohlefasertechnologie ihren Weg in irdische Anwendungen gebahnt hat.

Die Veranstaltung in Berlin hat gezeigt: Es gibt junge Menschen, die für das Thema Raumfahrt „brennen“ und sich beruflich, politisch und in ihrer Freizeit dafür engagieren. Ihnen den Weg zur Umsetzung ihrer Visionen zum Nutzen für alle Menschen zu ebnen, ist Aufgabe der Politik und von Interessenvertretungen wie der CVA.

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