Kommt der Terminator bald aus dem Weltraum?

24 September 2003

Fachleute der Europäischen Weltraumorganisation ESA arbeiten mit Partnern aus der Industrie an dem revolutionären Projekt E-Screen, das künftig die Übertragung von Filmen und TV-Sendungen in Kinoqualität via Satellit direkt in die Lichtspielhäuser ermöglichen wird. Schwarzenegger und Co. können dann die Kinos direkt aus dem Weltraum erobern.

Für die Verleihfirmen ist es eine mühselige Arbeit: Von den Originalfilmen müssen hunderte Kopien hergestellt und zu den Lichtspielhäusern transportiert werden. Ihre Lebensdauer hängt dann vom Verschleiß ab, d.h. von der Zahl der Abspielvorgänge. Von besonders erfolgreichen Filmen müssen verschlissene Kopien zwischenzeitlich ausgetauscht werden. Da dies regional und zeitlich in höchstem Maße individuell abläuft, stellt die zusätzliche Anforderung von Einzelkopien eine insgesamt zeitraubende und damit kostspielige Angelegenheit dar.

Bleibt die Frage: Geht es vielleicht auch anders? International laufen verschiedenartige Entwicklungsarbeiten, bei denen hochaufgelöste Videosequenzen bis hin zu kompletten Kinofilmen durch neue digitale Technologien in einen Datenstrom verwandelt und über breitbandige Kanäle via Satellit direkt in die Kinos übertragen werden sollen. Dort erfolgt dann die Speicherung der Daten in einem leistungsfähigen Server, so dass sie anschließend beliebig oft ohne Qualitätsverlust abgespielt werden können. Soweit die Grundidee.

Zukunft E-Screen: „Digitale Leinwände“ im Kino

In Europa treibt die ESA diese Entwicklung im Rahmen ihres E-Screen-Projektes voran. Claudio Mastracci, Direktor für Applikationsprogramme, erläutert das Engagement der Europäischen Weltraumorganisation: „Im Rahmen des Telekommunikationsprogrammes hilft die ESA der Industrie sowie Service-Providern im Satelliten-Multimediamarkt an vorderster Front mitzumischen. Dank unserer Arbeiten werden High Definition TV sowie digitale elektronische Kinos nun auch in Europa Realität.“

Ziel von E-Screen ist es, ein sowohl kostengünstiges als auch einsatzreifes Modell für die Einführung des digitalen elektronischen Kinos zu entwickeln. Hierzu wurde in Europa ein Netzwerk „Digitaler Leinwände“ aufgebaut. Dieses Netz ist mit modernster Technologie ausgerüstet und wird über Satellit mit den entsprechenden Inhalten versorgt.

Bisher besteht das Netz aus sieben Kinos in fünf Ländern – in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Italien sowie in Spanien. Dem von der ESA koordinierten Projekt gehören die Hardware-Firma Elsacom, die Marinastudios und die Cinecittà Holding an. Satellitenseitig unterstützt der weltweit tätige Satellitenbetreiber Eutelsat die Aktivitäten. Eutelsat ist seit Jahren ein Vorreiter bei der Entwicklung digitaler und breitbandiger Dienste via Satellit.

Die bisher erreichten Arbeitsergebnisse wurden einem breiteren Fachpublikum im Rahmen eines Treffens der EU-Kulturminister am 30. August 2003 in Venedig präsentiert. Dort diskutierten die Minister über die Möglichkeiten sowie Herausforderungen neuer Technologien für das elektronische Kino und den Kampf gegen Piraterie geschützter Inhalte. Sowohl ein HDTV-Beitrag (High Definition TV) als auch Videoclips wurden über eine Uplink-Station der ESA in Frascati nahe Rom und dem Eutelsat-Satelliten ATLANTIC BIRD 1 in den Tagungsort Palazzo Labia übertragen. Interessierte Besucher des zur gleichen Zeit stattfindenden 60. Internationalen Filmfestivals konnten die Beiträge in der Scala Volpi verfolgen.

Gewaltige technische Herausforderungen

Der elektronische Projektor Cinestar DP50 DLP

Verdeutlichen wir uns die gewaltigen technischen Herausforderungen, die von den Entwicklern gelöst werden mussten: Bei der Digitalisierung eines Filmes gilt es riesige Datenmengen zu bearbeiten. So erzeugt ein zweistündiger Film bei der elektronischen Umsetzung sowohl einen Audio- als auch einen Video-Datenstrom, der – unkomprimiert – etwa 1300 Gigabyte entspricht. Weitere Grundprobleme wurden inzwischen zufriedenstellend gelöst, wie beispielsweise die fehlerfreie und sichere Datenübertragung, der Schutz vor Raubkopierern sowie die Gewährleistung einer hohen Video- und Audioqualität.
Das gesamte E-Screen-Netzwerk besteht gegenwärtig aus einem zentralen Hochleistungs-Server in Frascati zur Bereitstellung der Filme und Videosequenzen, einem Satelliten als Relaisstation im Weltall sowie den mit der entsprechenden Technik ausgestatteten Kinos, deren Anzahl beliebig sein kann. Noch sind die Kosten sehr hoch – besonders für den ebenfalls neuartigen digitalen Projektor – aber langfristig werden sich die Investitionen durch erhebliche Einsparungen beim Vertriebsweg für die Filmindustrie und die Kinobetreiber amortisieren und rechnen.

Die Demonstration in Venedig zeigte auch die neuen Möglichkeiten digitaler elektronischer Kinos. So können beispielsweise bedeutende Sportereignisse live und in hoher Qualität in die Filmtempel eingespielt werden, wo den Sportfans dann ein einzigartiges Gemeinschaftserlebnis – ähnlich dem in einem Stadion – geboten wird. Damit eröffnen sich den Kinobetreibern vollkommen neue Einnahmequellen.

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