Leben im schwerelosen Raum - Ausstellung in Zürich

29 Oktober 2001

Hand aufs Herz: Haben Sie heute schon an jene Raumfahrer gedacht, die gerade als Abgesandte des Planeten Erde unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit auf der Internationalen Raumstation ISS leben und arbeiten?
Die meisten von uns nehmen das täglich kaum noch wahr. Ein sicheres Indiz dafür, dass Raumfahrt etwas Alltägliches geworden ist. Mitbürger "fortgeschrittener" Jahrgänge können sich aber noch gut an Juri Gagarin erinnern, der 1961 als erster Mensch in den Kosmos flog. Oder an Neil Armstrong, der 1969 als Erster den Mond betrat. Obwohl schon über 400 Frauen und Männer Gagarin in den Kosmos folgten, bleiben immer noch rund 6 Mrd. Erdenbürger übrig, die bislang keine Erfahrungen mit dem Phänomen der Schwerelosigkeit und den ihr eigenen Gesetzen sammeln konnten.
Eine hochinteressante Ausstellung im Züricher Museum für Gestaltung will hier Abhilfe schaffen. Unter dem Titel "ALL DESIGN - Leben im schwerelosen Raum" werden Gravitation sowie Schwerelosigkeit unter verschiedenen Aspekten dem Besucher näher gebracht. Die Ausstellung wurde am 26. Oktober eröffnet und kann bis zum 27. Januar 2002 besucht werden. Die ESA unterstützt das Anliegen mit Ausstellungsobjekten der Wanderausstellung zum europäischen Umweltforschungssatelliten Envisat.

Von Gagarin zum Leben im All

Schwerelosigkeit war vor 1961 - in diesem Jahr umrundete Juri Gagarin als erster Mensch die Erde einmal – ein Thema für Science-fiction-Autoren oder eine rein akademische Frage. Mit der zunehmenden Aufenthaltsdauer von Astronauten und Kosmonauten im All stellten sich jedoch neue Fragen zum Leben in der Schwerelosigkeit.
Zu Beginn der bemannten Ära brach eine wahre Raumfahrteuphorie aus. Fast jedes Kind wollte Astronaut werden. Grosse Raumstationen und der Flug zum Mars schienen nahe. Dem folgte aber schnell die Ernüchterung. Der Weg in den Weltraum war und ist für den Menschen sowohl steinig als auch teuer. Mit dem Aufbau der Internationalen Raumstation ISS, an dem Europa aktiv teilnimmt, hat die bemannte Raumfahrt neuen Auftrieb bekommen. Auch die Schweiz beteiligt sich mit ihrem Swiss Space Office an dem Projekt.
Inzwischen war der erste Tourist an Bord der ISS. Ganz kühne Planer haben bereits Konstruktionspläne für Weltraum- und Mondhotels in der Schublade. Visionen vom Leben im All könnten also für viele von uns eines Tages doch wahr werden.

Das Phänomen Schwerelosigkeit in Wissenschaft, Kunst und Architektur

So sah die Crew von STS 102 die ISS

Die sich gegenseitig bedingenden Phänomene Gravitation und Schwerelosigkeit stehen deshalb im Mittelpunkt von "ALL DESIGN". Sie werden unter verschiedenen wissenschaftlichen wie auch künstlerischen Aspekten betrachtet. Hierzu gehören auch architektonische Lösungen für die Schwerelosigkeit. Bisher leben nämlich die Piloten, Ingenieure und Wissenschaftler im Weltall eher wie auf dem Campingplatz. Künftige Urlaubsreisende werden aber andere Anforderungen stellen. Wie kann das Umfeld also angenehm und trotzdem funktionell gestaltet werden? Experten sagen ein vollkommen neuartiges Design für Weltraumbedingungen voraus. Ideen und Entwürfe dazu kann der Besucher in Zürich betrachten.

Die Entdeckung des Raumschiffs Erde

Ein Teil der Ausstellung widmet sich der Entdeckung des Raumschiffs Erde aus der Perspektive der Astronauten. Der Anblick des blauen Planeten mit seiner dünnen Atmosphärenschicht hat die Menschheit nachdenklich gemacht und der ökologischen Bewegung weltweit Gehör verschafft. Die Aufnahmen zeigen aber auch die Möglichkeiten der Weltraumforschung für den Umweltschutz auf. Seit den siebziger Jahren wird deshalb diesem Aspekt in der Raumfahrt zunehmend Rechnung getragen. Von Menschen beeinflusste Phänomene wie beispielsweise das Ozonloch lassen sich überhaupt erst mittels Satellitendaten effektiv erforschen.

Interessenten können sich unter
http://www.museum-gestaltung.ch/
näher informieren.

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