Neue Aufgaben für die Internationale Raumstation

Die Internationale Raumstation mit ATV-2 und Endeavour
27 Juli 2011

Seit über einem Jahrzehnt fungiert die Internationale Raumstation (ISS) als gut ausgelastetes Forschungslabor in der Umlaufbahn. Bald könnte sie jedoch eine neue Rolle einnehmen - als Testumgebung für ehrgeizige Missionen, die weiter hinaus in die Tiefen des Weltraums führen.

Zu den künftigen Vorhaben könnten Marsflüge, Mondstationen oder die Reise zu einem Asteroiden zählen. Dazu sind neue Technologien und Verfahren notwendig, die auf der Station getestet werden könnten.

Im Anschluss an die gestrige Sitzung des multilateralen ISS-Koordinierungsrates bereiten sich die Mitgliedsagenturen nun darauf vor, mit der Identifizierung spezifischer technologischer Initiativen auf der Grundlage von Test-Forschungsmissionen zu beginnen.

Dieser Rat setzt sich aus hochrangigen Vertretern von ESA, NASA, der kanadischen Weltraumagentur, der russischen Raumfahrtbehörde Roscosmos sowie des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie zusammen. Er tagt regelmäßig, um die Aktivitäten der Station zu koordinieren.

Bei der Sitzung ging es unter anderem um eine mögliche Standardisierung von Raumfahrtsystemen, darunter auch um den überarbeiteten internationalen Standard für Andocksysteme. Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die derzeit laufende Untersuchung des Rates bezüglich des Erfolgs der bisherigen Nutzung der ISS, deren Ergebnisse im September veröffentlicht werden.

Nutzung der Raumstation durch die ESA

Paolo Nespoli bei einem 3D-Experiment im Weltraum

Die Forschungseinrichtungen der Station sind bereits heute gut ausgelastet.

ESA-Astronaut Paolo Nespoli führte während der sechsmonatigen MagISStra-Mission, von der er im Mai auf die Erde zurückkehrte, über 30 Experimente durch.

Ein weiterer europäischer „Passagier“ – das lebensgroße „menschliche Phantom“ Matroshka – beendete seinen letzten Einsatz im März, nachdem es zuvor ein Jahr lang die Strahlung im japanischen Kibo-Modul gemessen hatte. Paolo entnahm die in der Matroshka- Experimentanlage angebrachten Dosimeter, um sie zurück zur Erde zu schicken.

Auch andere europäische Experimente im Außenbereich der Station wurden wieder eingeholt. Das Expose-R-Paket mit neun biologischen Proben einschließlich Pflanzensamen und Bakteriensporen diente dazu, die Auswirkungen eines zweijährigen, ungeschützten Aufenthalts im Weltraum zu erforschen.

Deutscher ESA-Astronaut Thomas Reiter an Bord der ISS

Bei einem weiteren, ähnlichen Experiment ging es um Pilze, die in der Raumfahrt eingesetzte Werkstoffe beschädigen können. Insbesondere die russische Raumstation Mir war von derartigem Schimmelpilzbefall sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Die ESA-Experimente mit einer Reihe von Crewmitgliedern lieferten neue Erkenntnisse über den Einfluss der Schwerelosigkeit auf unseren Gleichgewichtssinn sowie die Art und Weise, wie wir Bewegungen und unsere Position im Raum wahrnehmen.

Auch physikalische Verfahren werden erprobt: Mit der letzten Shuttle-Mission wurden kürzlich neue Proben für einen Schmelzofen im ESA-Columbus-Modul auf die Station gebracht, mit dem das schnelle Erhärten geschmolzener Metalle in der Schwerelosigkeit untersucht wird.

Eine Raumstation für die Wissenschaft

Das Alpha-Magnetspektrometer ist ein Gemeinschaftsprojekt von Hunderten von Wissenschaftlern und 16 Ländern. Es wurde am CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung entwickelt und im ESA-Technologiezentrum ESTEC getestet. Seit Mai 2011 wurden mit seiner Hilfe über zwei Milliarden Beobachtungen kosmischer Höhenstrahlung realisiert.

ISS-Crew arbeitet an Matroshka

Die NASA hat das US-amerikanische Segment der Station als nationale Forschungseinrichtung ausgewiesen, um dessen Nutzung durch Behörden, Hochschulen und die Wirtschaft zu fördern.

Die kanadische Weltraumagentur und die NASA werden automatische Betankungssysteme testen, die vom letzten Shuttle auf die Station gebracht wurden.

Roscosmos untersucht den Anbau von Weizen und Gemüse sowie die Anpassung des menschlichen Organismus an lange Raumflüge.

Die Station wird als Erdbeobachtungsplattform genutzt, während die japanische Röntgenkamera in der anderen Richtung Ausschau nach kosmischen Objekten wie Schwarzen Löchern und Neutronensternen hält.

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