Sojus-Premiere in Kourou

Luftaufnahme des Sojus-Startplatzes in Kourou
19 Oktober 2011

Endlich ist es soweit: Am 20. Oktober, 7.34 Uhr Ortszeit (12.34 Uhr MESZ) soll die russische Sojus-Rakete in ihrer modernsten Version zum historischen Jungfernflug vom europäischen Weltraumhafen Kourou in Französisch-Guayana abheben.

Damit startet die erfolgreichste Rakete aller Zeiten als einzige Trägerrakete der Welt von drei verschiedenen Kosmodromen: Plessezk (Russland), Baikonur (Kasachstan) und nunmehr Kourou in Französisch-Guayana.
Für die Nutzlast hat die Europäische Weltraumorganisation ESA gesorgt. An Bord befinden sich zwei Galileo-Satelliten für das im Aufbau befindliche europäische Navigationssatellitensystem.

Russlands Urmutter: Die Rakete R-7

Der Start von Sputnik 1 mit einer modifizierten R7

Die Sojus-Rakete lässt sich wie nahezu alle russischen Trägerraketen auf eine gemeinsame „Urmutter“ zurückführen. Es ist die in den 1950er-Jahren vom sowjetischen Chefkonstrukteur Sergej Koroljow entwickelte Interkontinentalrakete R-7, genannt „Semjorka" – „Rakete Nummer Sieben“. Die Semjorka war die erste Interkontinentalrakete der Welt, zugleich extrem leistungsstark. Immerhin sollte sie die überaus schweren sowjetischen Atom- und Wasserstoffbomben über sehr weite Strecken transportieren.

Charakteristisch für die Semjorka sind ihre einzigartige Form sowie ihr Start. Dank der typischen Bündelung der ersten und zweiten Stufe sind Raketen dieser Bauart leicht identifizierbar: Eine keulenförmige Zentralstufe (2. Stufe) wird von vier kürzeren Booster-Stufen (1. Stufe) umschlossen. Sowohl der Mittelblock als auch jeder Booster verfügen über jeweils vier Haupttriebwerke. Beim Start zünden zunächst die 16 Haupttriebwerke der vier Booster. Haben sie den vollen Schub erreicht, wird auch die Zentralstufe gezündet. Mit der vollen Leistungsstärke der 20 Haupttriebwerke hebt nun die Semjorka ab.

Karriere eines Oldtimers

Parallel zu der Karriere als Interkontinentalrakete begann 1957 eine noch viel steilere und umfassendere Karriere als Trägerrakete für zivile Nutzlasten.

Die Konzeption der auf der Basis der R-7 entwickelten Standardträgerrakete erwies sich als derart weitsichtig, dass sie – modifiziert und mit unterschiedlichen Oberstufen versehen – für Erdsatelliten (Elektron, Interkosmos, Kosmos, Meteor, Molnija, Poljot, Prognos), Raumsonden (Luna, Mars, Sonde, Wenera) und Raumschiffe (Korabl, Wostok, Woschod, Sojus, Progress) bis heute verwendet wird.

Ein direkter Abkömmling jener legendären Semjorka ist die Sojus-Trägerrakete, die ihren Erststart am 28. November 1966 absolvierte. In den bislang 45 Dienstjahren entstand eine ganze Sojus-Trägerraketen-Familie. Immer wieder wurde die Sojus technologisch an die jeweilige Neuzeit angepasst. Geblieben ist die charakteristische Grundkonzeption mit ihren drei überzeugenden Hauptmerkmalen: Sie ist robust, preiswert und zuverlässig. Mit 98 Prozent Zuverlässigkeit gehört sie zu den weltweit sichersten Raketen.

Von Samara nach Südamerika

Die Fregat-Oberstufe mit den Galileo-Satelliten von der Nutzlastverkleidung umhüllt

Die Sojus-Trägerrakete wird in der sechsgrößten Stadt Russlands hergestellt, in Samara. Für den Start im europäischen Weltraumhafen Kourou werden die Raketenteile zunächst per Bahn nach St. Petersburg (Russland) transportiert. Dort übernimmt sie ein Spezialschiff von Arianespace und bringt sie nach Südamerika in den Hafen von Kourou. Vom Schiff geht es dann auf Spezialtransportern weiter. Diese bringen die Container mit der Raketenfracht zum Montagekomplex, in dem die Trägerrakete liegend zusammengesetzt wird.

Das Arbeitspferd Sojus

Die Sojus ist das Arbeitspferd der russischen Raumfahrt. Zugleich stellt sie die meist eingesetzte Trägerrakete der Welt dar. Bis heute startete sie 1776 Mal, brachte fast 1800 Raumflugkörper sowie 173 Raumfahrer in die Erdumlaufbahn und wurde zum Symbol der Eroberung des Weltraums. Der bevorstehende historische Jungfernflug von Kourou aus wird der 1777. Start einer Sojus-Rakete sein. Weitere Informationen zu Sojus und zum europäischen Weltraumhafen finden Sie hier:

Hintergrundinformationen zur Sojus in Kourou

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