Vom Sputnik zum ESOC: Sie öffneten das Tor zum Weltraum

Sputnik 1
Sputnik 1: Der erste Kunstmond
3 Oktober 2007

Vor 50 Jahren veränderte ein roter Kunstmond die Welt: Am 4. Oktober 1957 eröffnete die Sowjetunion mit dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten das Zeitalter der Raumfahrt. Und vor 40 Jahren, im September 1967, wurde Europas Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt gegründet. Bereits im Mai 1968 war es voll einsatzfähig und bereit, den Betrieb von ESRO 2B zu übernehmen, des ersten einer langen Reihe von Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation.

Als vor fünf Jahrzehnten die sensationelle Nachricht vom ersten künstlichen Erdtrabanten in allen Medien die Schlagzeilen bestimmte, erfüllte sich ein Traum. Der Mensch war nicht mehr an seinen Heimatplaneten gefesselt. Er beanspruchte mit einmal einen Raum, der bislang nur Göttern zugänglich war. Flüge zum Mond, den Mars und noch fernere Welten schienen greifbar nahe. Dass es bis dahin noch ein langer, mit vielen Fehlschlägen und Enttäuschungen gepflasterter Weg sein würde, ahnten damals wohl nur Experten.

Zunächst löste der piepsende Minimond in der westlichen Welt einen, wie sich später herausstellen sollte, heilsamen „Sputnikschock“ aus. Politiker in den USA aber auch in Westeuropa bewilligten enorme Etats, um den technologischen Rückstand aufzuholen. Das damit entfachte Wettrennen zweier unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme um die leistungsfähigsten Raketen, Satelliten und Raumschiffe gipfelte auf seinem Höhepunkt schließlich in dem Wettlauf zum Mond, den 1969 die USA gewannen.

War es zunächst ein Duell zwischen der Sowjetunion und den USA, schickten bald auch andere Staaten und Organisationen Satelliten in den Weltraum. In Europa wurde 1962 die European Space Research Organisation (ESRO), eine der beiden Vorläuferorganisationen der ESA, gegründet. Und bereits 1968 gelangte mit ESRO 2B deren erster Forschungssatellit in eine Umlaufbahn um die Erde.

ESOC: Seit 40 Jahren Europas Steuerzentrale

Das ESOC in Darmstadt

Die Westeuropäer konnten aber nicht nur Satelliten bauen, sondern hatten rechtzeitig für ESRO 2B auch ihre eigene Steuerzentrale errichtet, das Europäische Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Am 8. September 1967 eröffnete der damalige Forschungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Gerhard Stoltenberg, das ESOC. 95 Mitarbeiter machten sich an die Aufbauarbeit und bereits ein Jahr später gehorchte ESRO 2B den Befehlen aus Darmstadt.

Ein Urgestein des ESOC: Siegmar Pallaschke

Obwohl auf dem neuesten Stand der damaligen Technik ausgerüstet, wirken die Computer und Terminals der ersten Stunde, die noch mit Lochkarten gefüttert werden mussten, heute recht antiquiert. „Die jungen ESOC-Mitarbeiter können sich gar nicht vorstellen, dass wir damals mit diesen Geräten auch schon Bahnbestimmungen durchführen konnten“, berichtet schmunzelnd Siegmar Pallaschke. Der Analytiker beim Flugdynamik-Team ist seit der ersten Stunde dabei. Er kann sich noch gut an die ersten Missionen mit europäischen Satelliten erinnern, die an der unsichtbaren „langen Leine“ von Darmstadt hingen: „Besonders anstrengend war für uns 1968 die Mission von HEOS 1 mit seiner sehr exzentrischen Umlaufbahn und den vielen Unsicherheitsfaktoren. Nur zwei oder drei Mitarbeiter schrieben die Bahnbestimmungssoftware und hatten für deren einwandfreie Funktion die volle Verantwortung. Umfangreiche Simulationen und Prüfprozeduren kannten wir noch nicht. Und das bereitete uns manch schlaflose Nacht.

Mit neuer Technik in die Tiefen des Alls

Ein Kontrollraum in den Sechzigern

Inzwischen hat sich die zur Verfügung stehende Technik im Weltraum und am Boden rasant weiterentwickelt. Die Missionen wurden und werden immer anspruchsvoller. Bereits Mitte der achtziger Jahre sorgte die Kometensonde Giotto, die erste Tiefraummission der ESA, für Aufsehen. Komplexe Bahnbestimmungen und der Empfang riesiger Datenmengen von den wertvollen Instrumenten im All erforderten neue Methoden, Hard- und Software. Das ESOC muss also ständig „aufrüsten“. So baut es sich ein eigenes Stationsnetz mit drei 35 Meter-Antennen für Tiefraummissionen auf. Heute haben die Computer in Darmstadt nur noch wenig gemein mit den alten Systemen. Monatelange Simulationen und standardisierte Entwicklungsabläufe sichern die Qualität der eingesetzten komplexen Software.

Nur gemeinsam sind wir stark

Jean-Francois Kaufeler

Trotzdem sind viele Aktivitäten im Weltraum aufgrund ihres Aufwandes nur noch in internationaler Kooperation möglich. Die ersten Schritte dazu wurden in Westeuropa bereits mit der Gründung der ESA und ihrer Vorläuferorganisationen gelegt. Jean-Francois Kaufeler, beim ESOC zuständig für die Bodeninfrastruktur, erinnert sich an seine Pionierzeit beim ESOC: „Geprägt hat mich bei der ESA die Zusammenarbeit von Vertretern verschiedener Nationen mit ihren unterschiedlichen Kulturen und individuellen Arbeitsstilen. Heute ist die gegenseitige Anpassung schon viel weiter fortgeschritten und die Zusammenarbeit einfacher.“ Und er sieht darin einen Vorteil für die künftige Arbeit des ESOC: „Wir können unsere Erfahrungen beim Zusammenwirken verschiedener Nationen hervorragend in die künftig immer enger werdende Kooperation einbringen.“

Zusammenarbeit mit Nachfolgern der Sputnik-Schöpfer

Die Kometensonde Giotto

Gute Erinnerungen hat er auch an die vor über 20 Jahren einsetzende Zusammenarbeit mit Institutionen der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten: „Begonnen hat es Mitte der achtziger Jahre mit der Kometenmission Giotto und wurde später mit komplexeren Wissenschaftsprojekten wie Cluster ausgebaut. Ich dachte damals daran, wie ich als Junge den Start von Sputnik 1 erlebte und mir gar nicht vorstellen konnte, welche weit reichenden Entwicklungen diesem erste Schritt in den Weltraum folgen sollten.“

Der Sputnik war in der Zeit des kalten Krieges entstanden und führte über drei Jahrzehnte zu einer Materialschlacht der konkurrierenden Gesellschaftssysteme im Weltraum. Seine „Kinder“ und „Enkel“ haben aber auch den Blick auf die Erde als Ganzes ermöglicht, die es zu bewahren gilt. Denn auch das zeigen uns Satelliten: Ein weiterer bewohn- und für uns erreichbarer Planet ist in der Umgebung des Sonnensystems nicht zu finden.

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