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N° 11–2007: Internationales Polarjahr 2007/2008: der Beitrag der ESA

1 März 2007

Der heutige Tag bezeichnet den offiziellen Beginn des Internationalen Polarjahrs 2007/2008. Diese groß angelegte, weltweite Kampagne zur wissenschaftlichen Erforschung von Arktis und Antarktis ist die wohl intensivste Polarforschungsinitiative der letzten fünfzig Jahre. Die ESA wird zu diesem bedeutenden Unterfangen konkrete Beiträge leisten.

An dem zweijährigen Forschungsprogramm sind Tausende von Wissenschaftlern aus mehr als 60 Ländern beteiligt. Das Internationale Polarjahr 2007/2008 verheißt ein ereignisreiches, international koordiniertes Programm: Beobachtungen der Polarregionen sowie interdisziplinäre Forschungen und Studien werden unser Verständnis der physikalischen, biologischen und sozialen Zusammenhänge in den Polarregionen verbessern, eine Untersuchung ihrer weltweiten Auswirkungen auf das Erdklima ermöglichen und den Rahmen für neue Einschätzungen, Vorhersagen, Empfehlungen und künftige Entdeckungen bieten.

Aufgrund der Abgeschiedenheit und der widrigen Bedingungen konnten Forschungen vor Ort in Polarregionen bisher nur unter großen Schwierigkeiten und bei ausgedehnten Studien erwiesenermaßen kaum zufriedenstellend durchgeführt werden. In diesem Internationalen Polarjahr stehen den Wissenschaftlern jedoch zum ersten Mal Satellitendaten zur Verfügung, die die Polarregionen weiträumig abdecken und somit neue wissenschaftliche Perspektiven eröffnen.

Das letzte Internationale Polarjahr fand 1957/1958 statt und bereitete die Grundlagen für einen Gutteil unseres heutigen Wissensstands auf dem Gebiet der Polarforschung. Der Bedarf an solchen koordinierten internationalen Initiativen ist angesichts der Bedeutung der Polarregionen für den Klimawandel heute so dringend wie nie zuvor, ermöglichen sie doch echte Fortschritte für die Polarforschung und ein besseres Verständnis des Klimas und der Ökosysteme auf unserem Planeten.

Die ESA unterstützt die Erforschung des ewigen Eises bereits seit mehr als 20 Jahren mit wachsendem Engagement durch Bereitstellung von Satellitendaten. Seit Anfang der 90er Jahre ist die ESA in der Lage, die Polarregionen per Satellit über lange Zeiträume hinweg nahezu lückenlos zu erfassen. Solche kontinuierlichen Daten sind Grundvoraussetzung für eine wissenschaftliche Erfassung und Analyse langfristiger Klimaentwicklungen und veränderungen.

Für das Internationale Polarjahr 2007/2008 wird die ESA die Archivdaten ihrer Satelliten ERS 1, ERS 2 und Envisat sowie Daten aus mehreren anderen, nicht von ihr durchgeführten Missionen in Form eines umfassenden Pakets an Erdbeobachtungsdaten zur Verfügung stellen, das die Statistiken der letzten 15 Jahre bis heute abdeckt.

Darüber hinaus hat sich die ESA bereit erklärt, Wissenschaftler in den beiden kommenden Jahren bei der Erfassung immer umfangreicherer Satellitendaten zu unterstützen, um insbesondere die jüngsten bzw. aktuellen Aufteilungen und Veränderungen der Schnee- und Eismassen zu verstehen. Mit Hilfe von Satellitendaten der ESA – Aufnahmen, Mikrowellen¬daten bis hin zu hochgenauen Messungen der Erdanziehungskraft – soll versucht werden, den Ursachen für diese Veränderungen bei den Eismassen der Erde auf den Grund zu gehen.

Die ESA hat Ende 2006 eigens eine Ausschreibung über die Bereitstellung von Erdbeobachtungsdaten für die Forschung und die Entwicklung von Anwendungen als Beitrag für das Internationale Polarjahr 2007/2008 initiiert. Erste Daten sollen im Frühjahr 2007 zur Verfügung stehen, wobei das gesamte Datenmaterial kostenlos zugänglich sein wird. Die ausgewählten 48 Projekte aus 12 verschiedenen Ländern erfassen sowohl das Nord- als auch das Südpolargebiet. Die zur Verfügung zu stellenden Daten, die auch die Auswertung älteren Archivmaterials ermöglichen werden, betreffen die ESA-Missionen Envisat, ERS-1 und -2, PROBA, GOCE und SMOS (nach deren Start) sowie Missionen anderer Raumfahrtagenturen, wie die japanische ALOS-Mission oder die Mission SPOT-4 der französischen Raumfahrtagentur CNES.

Auch nach Ablauf des Internationalen Polarjahrs wird die ESA 2009 mit dem Start des Satelliten Cryosat 2 einen weiteren gewichtigen Beitrag zur Polarforschung leisten. Cryosat 2 wird geringste Veränderungen in der Dicke der Polareiskappen sowie beim Treibeis auf hoher See überwachen. Die während der dreijährigen Missionsdauer erstellten Beobachtungen werden das Ausmaß der Eisschmelze genauestens belegen.

Eine weitere von der ESA unterstützte Initiative ist das 2006 in Angriff genommene Satelliten¬fernerkundungs¬projekt Polar View, das über den Programmteil GMES-Dienste des Erdüberwachungs¬programms der ESA finanziert wird und sowohl die Arktis als auch die Antarktis erfasst. Mit diesem Projekt wird der Einsatz von Satelliten zum Nutzen der Allgemeinheit sowie zur Unterstützung staatlicher Politik auf den Feldern der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung, der Sicherheit auf hoher See und des Umweltschutzes gefördert. In Bezug auf Fragestellungen im Zusammenhang mit den Polarregionen und diesen drei Feldern bietet Polar View Dienste für Nutzergruppen wie Politiker, Regierungsstellen, die Bewohner der nördlichen Breitengrade und öffentliche Einrichtungen. Im Rahmen von Polar View wird auch mit nationalen Polarforschungseinrichtungen zusammengearbeitet, um umfassendere und detailliertere zusammenhängende Informationen auszuarbeiten und bereitzustellen. Darüber hinaus werden über Polar View bestimmte private oder kommerzielle Antragsteller mit Informationen versorgt, wie etwa Angaben über Eisberge für Segelregatten in antarktischen Gewässern und für Jäger und Trapper im hohen Norden.

Hintergrundinformationen zum Internationalen Polarjahr

Ziel des Internationalen Polarjahrs 2007/2008 ist die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Erforschung und Überwachung der Polarregionen sowie des Erfahrungsaustauschs zwischen Forschern aus verschiedenen Bereichen, um fachübergreifende Fragestellungen und Probleme zu lösen, eine rechtzeitige und uneingeschränkte Bereitstellung der während des Polarjahres gesammelten Daten zu garantieren, verstärkt wichtige Archivdaten wiederherzustellen und einen freien Zugang hierzu zu gewährleisten.

Im Laufe der letzten 125 Jahre fanden drei Internationale Polarjahre statt: 1882/1883, 1932/1933 und 1957/1958. Die im Zuge dieser drei Kampagnen in Angriff genommenen Forschungen und Explorationen führten zur Fortschritten in der Wissenschaft, neuen Entdeckungen und einem besseren Verständnis zahlreicher geophysikalischer Phänomene, die einen Einfluss auf das System Erde haben.

Das Internationale Polarjahr 2007/2008 wird vom Internationalen Rat für Wissenschaft (ICSU) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mitfinanziert und von 31 Nationen unterstützt. Die Idee des Internationalen Polarjahres geht auf den Polarforscher Karl Weyprecht zurück, der von 1872–1874 als Wissenschaftler an der Leitung der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition beteiligt war.

Weitere Auskunft erteilt:

Mark Drinkwater

ESA/ESTEC

Leiter der Gruppe Ozeanographie und Meereisforschung

Tel.: +31 (0)71 565 45 14

E-Mail: mark.drinkwater@esa.int

Weitere Informationen:

Referat Medienbeziehungen
Tel: +33(0)153.69.7155
Fax: +33(0)1.53.69.7690



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