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N° 44–2001: Rettungsaktion für Artemis verläuft erfolgreich

25 Juli 2001

Das Bodenkontrollteam in Fucino (Italien), das sich aus dem Betriebsteam und den Systemingenieuren des Altel-Konsortiums (Alenia Spazio/Telespazio) zusammensetzt und von Fachleuten der ESA unterstützt wird, berichtet, daß der ESA-Satellit Artemis gestern abend (Dienstag, 24. Juli) erfolgreich in seine vorübergehende kreisförmige Umlaufbahn in rund 31 000 km Höhe gebracht worden ist.

Der Satellit war am 12. Juli mit einer Ariane-5 von Kourou aus gestartet worden, geriet aber aufgrund einer Fehlfunktion der Oberstufe des Trägers auf eine zu niedrige Umlaufbahn. Die Ariane brachte ihn auf eine Bahn mit einem Perigäum von 590 km, einem Apogäum von 17 487 km und einer Neigung von 2,94 Grad gegenüber den geplanten Werten von 858 km, 35 853 km und 2 Grad.

Artemis verhält sich seit der Einbringung in die Umlaufbahn nominal, so daß die ESA schnell eine Strategie zu seiner Rettung ausarbeiten konnte, die darauf ausgerichtet ist, den Satelliten auf seine nominale geostationäre Position in rund 36 000 km Höhe zu bringen und eine möglichst lange Lebensdauer des Satelliten, die ursprünglich auf 10 Jahre angesetzt war, zu gewährleisten.

Die Strategie besteht aus vier Schritten, von denen zwei bereits erfolgreich abgeschlossen wurden.

Schritt 1 wurde vom 18. bis 20. Juli durchgeführt und bestand darin, das Apogäumstriebwerk (chemischer Antrieb) fünfmal jeweils bei Erreichen des Perigäums (der kleinsten Entfernung von der Erde) zu zünden, um ein Apogäum (die größte Entfernung von der Erde) von rund 31 000 km zu erreichen, wobei das Perigäum weitgehend unverändert blieb.

Schritt 2 fand vom 22. bis 24. Juli statt. Der Satellit wurde durch drei aufeinanderfolgende Triebwerkszündungen von seiner elliptischen Umlaufbahn auf eine kreisförmige Bahn in einer Höhe von etwa 31 000 km, mit einer Umlaufzeit von rund 20 Stunden und einer Neigung von 0,8 Grad gebracht, auf der er vorübergehend verbleibt. Anschließend wurden die Sonnenzellenflügel vollständig ausgefahren und die beiden Antennenreflektoren entfaltet.

Artemis befindet sich nun fast in seinem nominalem Betriebszustand mit Blick auf die Erde und Ausrichtung seiner Sonnenzellenflügel auf die Sonne, jedoch noch nicht auf der geostationären Umlaufbahn. Das Team aus Fachleuten der ESA und von Alenia Spazio/Telespazio haben ihn voll unter Kontrolle. Während des gegenwärtig laufenden Schritts 3 (mit dem Satelliten in seinem vorübergehenden Orbit) sollen bisher nicht vorgesehene, nun aber notwendig gewordene neue Steuerungsverfahren für die Anhebung der Umlaufbahn unter Verwendung des Ionentriebwerks vorbereitet werden. Hierzu muß neue Software geladen und eine Erprobung der Verfahren vorgenommen werden. Anschließend wird das Ionentriebwerk in Betriebsbereitschaft versetzt und überprüft.

Schritt 4 soll Ende September beginnen und mehrere Monate dauern. Hierbei wird das neuartige elektrische Ionen-Antriebssystems von Artemis gezielt eingesetzt, so daß sich der Satellit von seiner vorübergehenden Umlaufbahn nach oben zum geostationären Orbit schraubt. Danach erfolgt die Einsatzerprobung des Satelliten (Einschaltung und Überprüfung aller Satellitenbestandteile), die bei allen Satelliten zu Beginn ihrer Lebensdauer durchgeführt werden muß und etwa zwei Monate in Anspruch nehmen wird.

Die Rettung von Artemis ist mit einer Reihe unüblicher Verfahren verbunden, die natürlich nicht alle vorausgeplant werden konnten. Dies gilt vor allem für die Verwendung des Ionen-Antriebssystems, das ursprünglich nur für die Lageregelung des Satelliten vorgesehen war, nun aber in einem neuen Modus betrieben werden soll.

Der nach den Bahnanhebungsmanövern verbleibende Vorrat an Treibstoff, d. h. sowohl chemischer Treibstoff als auch das für den elektrischen Ionenantrieb verwendete Edelgas Xenon, dürfte ausreichen, um eine sinnvolle Technologiemission auf der geostationären Umlaufbahn durchzuführen, unter der Voraussetzung, daß der Betrieb des Satelliten in seinem vorübergehenden Orbit und die Manöver zur Bahnanhebung unter Verwendung des Ionentriebwerks ordnungsgemäß verlaufen.

Der nächste Sachstandsbericht wird zu Beginn des Schritts 4, der gegenwärtig für Anfang September geplant ist, herausgegeben.

Nähere Auskunft erteilt:

ESA Referat Medienbeziehungen

Franco Bonacina

Tel.: +33 1 5369 7713

Weitere Informationen:

Franco Bonacina
Tel: +33.(0)1.5369.7713



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