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N° 4–2002: Wartungsmission verpaßt Hubble neue Leistungsspritze

15 Februar 2002

Nach fast 12 Jahren unglaublicher wissenschaftlicher Entdeckungen wird Hubble, das Weltraumteleskop der ESA und der NASA, in Kürze wieder einmal überholt. Bei der bevorstehenden Wartungsmission soll das Hubble-System durch den Einbau neuer, leistungsstärkerer Instrumente modernisiert werden, die die Kapazitäten des Observatoriums enorm erweitern und seine Lebensdauer verlängern werden.

Das Hubble-Weltraumteleskop (HST), ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der US-Raumfahrtbehörde NASA, hat die wissenschaftliche Forschung revolutioniert. Seine gestochen scharfen Bilder vermitteln atemberaubende Einblicke in die verborgenen Tiefen des Alls. Hubbles unschätzbare Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung sind jedoch nur dank einer umsichtig geplanten Strategie möglich, nach der das Teleskop alle zwei bis drei Jahre gewartet und nachgerüstet wird.

Der ESA kommt bei der bevorstehenden Wartungsmission eine besondere Rolle zu. Einer der Höhepunkte wird der Austausch der von der ESA gebauten Solarzellenflügel durch eine neue, leistungsstärkere Ausführung sein. Die aus den USA stammenden neuen Ausleger sind mit von der ESA entwickelten Stellmechanismen ausgestattet und wurden im Europäischen Weltraumforschungs- und ?technologiezentrum (ESTEC) getestet; diese ESA-Einrichtung in den Niederlanden ist der einzige Ort weltweit, an dem Tests dieser Art durchgeführt werden können.

Nach den Worten des Hubble-Projektleiters der ESA, Ton Linssen, der sämtliche Beiträge der ESA zur Entwicklung der neuen Solarzellenflügel einschließlich der Testkampagne im ESTEC überwacht hat, "wird es besonders spannend werden, wenn die jetzigen Solarzellenflügel eingerollt werden, damit sie in die Ladebucht des Raumtransporters passen. Sie haben unter dem rauhen Umfeld im All gelitten, weswegen das Einrollen ein heikler Vorgang sein wird. Unser Team wird die Daumen drücken, daß alles klappt. Sollte es nicht gelingen, die Ausleger einzurollen, müßten sie möglicherweise im Weltraum zurückgelassen werden."

"Mit dieser Wartungsmission wird Hubble wieder auf den allerneuesten Stand der Technik gebracht", sagt Piero Benvenuti, Hubble-Projektwissenschaftler der ESA. "Die neuen, supermodernen Instrumente werden dem Observatorium eine Leistungsspritze geben. Die neue Digitalkamera beispielsweise, die verbesserte Durchmusterungskamera (ACS), kann zweimal größere Himmelsausschnitte mit fünfmal höherer Empfindlichkeit als die bisherigen Instrumente aufnehmen - was bedeutet, daß sich Hubbles Entdeckungspotential verzehnfacht! Die europäischen Astronomen sehen der Nutzung der neuen Kamera, die ihnen nach den bereits erzielten Durchbrüchen neue wissenschaftliche Erkenntnisse liefern soll, erwartungsvoll entgegen."

Die ACS soll die von der ESA gebaute Kamera für lichtschwache Objekte (FOC) ersetzen. Die von Anfang an fehlerfreie FOC hat sich als entscheidendes Instrument erwiesen, um das Beste aus der Hubble-Bildaufnahmekapazität herauszuholen. Sie war in den 80er Jahren technisch hochmodern, doch in den letzten 20 Jahren hat die digitale Aufnahmetechnik so große Fortschritte gemacht, daß dieses Kernstück des ESA-Beitrags zum Hubble-Teleskop nach Erreichen seiner wissenschaftlichen Ziele nun neuerer Technik weichen muß.

Die Geschichte der FOC ist damit aber noch nicht zu Ende: Sie wird die Fachleute noch manches lehren, da sie zur Erde zurückgebracht und genauestens inspiziert werden soll, um die Auswirkungen ihres langen Aufenthalts im Weltraum zu ermitteln.

Hubble dürfte den Himmel noch ein weiteres Jahrzehnt lang erforschen und soll dann von seinem Nachfolger, dem in Zusammenarbeit zwischen ESA, NASA und CSA* entwickelten Weltraumteleskop der nächsten Generation (NGST), abgelöst werden. Das NGST soll vor allem das schwache Infrarotlicht der ersten Sterne und Galaxien im Universum beobachten.

Anmerkungen für die Redakteure:

Das Hubble-Weltraumteleskop ist ein internationales Gemeinschaftsvorhaben der ESA und der NASA. Es wurde im Jahr 1990 gestartet. Gemäß der am 7. Oktober 1977 unterzeichneten Partnerschaftsvereinbarung zwischen ESA und NASA haben europäische Astronomen garantierten Zugang zu über 20 % der mit Hubble verfügbaren Beobachtungszeit.

Astronauten haben das Hubble-Teleskop bereits 1993, 1997 und 1999 betreut. Im Frühjahr 2002 ist es nun Zeit für die vierte Wartungsmission (als Wartungsmission 3B bezeichnet), deren Start auf den 28. Februar anberaumt ist. Die ursprünglich dritte Wartungsmission wurde in zwei Teile (3A und 3B) aufgeteilt, weil Ende 1999 Hubbles Lageregelungskreisel dringend ersetzt werden mußten und damals nicht alle geplanten Aufgaben gleichzeitig durchgeführt werden konnten.

Neben den neuen Sonnenzellenauslegern und der ACS werden die Astronauten ein technologisch äußerst fortschrittliches Kühlsystem für die Hubble-Infrarotkamera NICMOS einbauen. NICMOS wurde 1999 abgeschaltet, als ihr Kühlmittelvorrat verbraucht war. Das neue Kühlsystem ist ein mechanisches Aggregat und funktioniert wie ein verbesserter Kühlschrank.

Die Mission 3B wird auch andere Wartungsaufgaben umfassen. Insgesamt sind fünf umfangreiche Außeneinsätze im All geplant.

*CSA: Kanadische Raumfahrtagentur

Nähere Auskünfte erteilen:

ESA Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Referat Medienbeziehungen

Paris, Frankreich

Tel.: +33(0)1-53-69-7155

Fax: +33(0)1-53-69-7690

Ton Linssen, HST-Projektleiter der ESA

Leiter des Büros für Managementunterstützung der Wissenschaftsdirektion

ESTEC/Noordwijk, Niederlande

Tel.: +31-71-565-3477

E-Mail: Antonius.Linssen@esa.int

Piero Benvenuti, HST-Projektwissenschaftler der ESA

Leiter der Europäischen Koordinierungsstelle für das Weltraumteleskop

Garching bei München, Deutschland

Tel.: +49(0)89-3200-6291

E-Mail: pbenvenu@eso.org

Lars Lindberg Christensen

Wissenschaftliche Breitenarbeit

Hubble-Informationszentrum der ESA

Garching bei München, Deutschland

Tel.: +49(0)89-3200-6306

Handy (rund um die Uhr): +49(0)173-38-72-621

E-Mail: lars@eso.org

Weitere Angaben zum Hubble-Weltraumteleskop vermittelt die Webseite des ESA-Wissenschaftsprogramms unter der Adresse http://hubble.esa.int

Informationen über das Wissenschaftsprogramm der ESA: http://sci.esa.int

Allgemeine Informationen über die ESA:http://www.esa.int

Weitere Informationen:

Referat für Medienbeziehungen
Tel: +33(0)1.53.69.7155
Fax: +33(0)1.53.69.7690



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